Das erste Haus im Moos: 1870 ließen sich dort die ersten Siedler nieder, in den Schulakten tauchte der Begriff „Moosknaben“ auf. 
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Das erste Haus im Moos: 1870 ließen sich dort die ersten Siedler nieder, in den Schulakten tauchte der Begriff „Moosknaben“ auf. 

Puchheim

Puchheims Anfänge liegen in der Torfstecherei: Das erste Haus im Moos

  • Andreas Schwarzbauer
    vonAndreas Schwarzbauer
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Auch Puchheims Anfänge hängen eng mit der Torfstecherei zusammen, was sich auf die Moorlandschaft zurückführen lässt. Irgendwann gab es die ersten Bewohner in einem Haus – und die kennt man sogar namentlich.

Puchheim – Lange waren die Flächen, auf denen sich heute Puchheim-Bahnhof befindet, ein unbesiedeltes und herrenloses Niedermoorgebiet. Erst ab 1842 brachte das Gelände einen wirtschaftlichen Nutzen. Die Puchheimer stachen dort Torf – also zersetzte Pflanzen – , trockneten ihn und nutzten ihn zum Heizen.

Torf im Wert von zwei Schlachtrindern

Neues Ortszentrum mit Kirche (1926), Bahnhofsrestauration (1898) und Schulhaus (1929). 

Laut den Aufzeichnungen des damaligen Pfarrers Franz Xaver Weinzierl geschah dies am 30. Mai 1842 zum ersten Mal. Zuvor kam das Brennmaterial aus dem Schöngeisinger Forst und war relativ teuer. 1842 beispielsweise gab Pfarrer Weinzierl für 15 Klafter Fichten- und Buchenholz insgesamt 91 Florentiner aus. Das entsprach dem Wert von zwei Schlachtrindern. Daher sei der Torf aus dem Moos eine große Wohltat und bringe ein erhebliches Holzersparnis mit sich, so Weinzierl.

Torfstecher bei der Arbeit. 

Ab 1870 begannen die umliegenden Bauern die Moosflächen zu kultivieren, um Grün- und Ackerland zu gewinnen. Außerdem ließen sich dort erste Siedler nieder, um Torf zu stechen. Die ersten, die ein ständig bewohnbares Haus errichteten, waren Franz Xaver und Margaretha Rainer. 1870 tauchten zudem in den Schulakten Puchheims die „Moosknaben“ Rainer und Wiesent auf. In den folgenden 30 Jahren folgten nur wenige weitere Ansiedlungen. Die Verbindung nach Puchheim-Ort war der Laurenzer Weg als schmaler Trampelpfad.

Aus dem Trampelpfad wurde eine Straße

Doch mit der Errichtung der Bahnstation und der Hausmullfabrik 1896 und 1897 änderte sich das. Weil die Ortler zum Bahnhof gelangen mussten, entstand 1906 eine sechs Meter breite Straße zwischen den beiden Ortsteilen.

Der Bau kostete 6000 Mark, die die Gemeindebürger selbst trugen. Die Siedlung im ehemaligen Moos wuchs derweil weiter. Immer mehr Fabrikarbeiter kauften Grund und bauten Wohngebäude. 1926 entstand mit St. Josef eine eigene Kirche und 1929/30 eine eigene Volksschule. 1910 entstand in Puchheim der erste Flugplatz Süddeutschlands, 1914 wurde ein großes Kriegsgefangenenlager eingerichtet. Aus 17 Häusern (1910) in Puchheim-Bahnhof wurden 134 (1934). Während des Krieges entstanden dann Notunterkünfte und Behelfsheime für Ausgebombte und Evakuierte.

Die Serie

Im Tagblatt blickt der Kul-turverein d’Buachhamer in die Vergangenheit zurück.Basis sind die 22 Stationen des Geschichtspfads,die im gesamten Stadtgebiet zufinden sind.

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