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Die Freundinnen verbringen eigentlich viel Zeit zusammen: Jetzt widmen sie ihre Freizeit auch anderen. Das Foto entstand bei einem Geburtstag vor der Corona-Krise. Zu sehen sind (v.l.) Annalena Hartmann, Salome Albertshofer, Aileen Schulte, Lisa-Sophie Sperling und Lena Görgens. 

Puchheim

Diese Freundinnen sind Corona-Heldinnen

  • Kathrin Böhmer
    vonKathrin Böhmer
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Auch wenn die Zeichen in der Corona-Krise momentan auf Lockerung stehen: Für manche Menschen ist es immer noch zu gefährlich, das Haus zu verlassen. In Puchheim gibt es darum eine Riesen-Welle der Hilfsbereitschaft. Hier einige Stellvertreter der über 100 Helfer, die für andere da sind. Daraus könnte sogar noch mehr werden.

Puchheim – Die fünf Mädels Aileen Schulte, Lisa-Sophie Sperling, Annalena Hartmann, Lena Görges und Salome Albertshofer sind sehr gute Freundinnen. Sie gehen zusammen in die neunte Klasse des Puchheimer Gymnasiums. Als sich abzeichnete, welche Ausmaße die Corona-Pandemie annahm, und die Schulen geschlossen wurden, war für sie klar: Wir wollen helfen.

Sie schlossen sich der Initiative Puchheim Hilft (siehe Kasten) an. Drei von ihnen sind bereits voll im Einsatz. Es gibt aber derzeit sogar vielmehr Helfer (insgesamt über 100) als bekannte Bedürftige (26). Die Freundinnen erklären im Tagblatt-Interview, welche Motivation sie antreibt.

Warum macht ihr bei Puchheim hilft mit?

Lena Görges: Ich mache mit, weil es in Zeiten wie diesen Menschen gibt, die unsere Unterstützung brauchen. Und wenn ich meinen Teil dazu beitragen kann – nur indem ich einkaufen gehe – ist es für mich selbstverständlich, dies zu tun.

Aileen Schulte: Ich liebe es, für andere Menschen da zu sein. Als ich gefragt wurde, ob ich nicht hilfsbedürftigen Menschen in dieser Krise helfen wolle, habe ich natürlich gleich zugesagt. Gleichzeitig kann ich mir meine Langeweile vertreiben.
Annalena Hartmann: Ich finde es sehr wichtig, dass man in dieser Zeit vor allem den Älteren hilft, weil diese sich wegen Corona nicht trauen, hinaus und unter Menschen zu gehen.

Habt ihr keine Angst, euch selbst anzustecken?

Aileen Schulte: Nein, ich bin jung, habe keine Vorerkrankungen, genauso wenig wie meine Familie.

Annalena Hartmann: Nein, hab ich nicht. Ich geh ja zum Beispiel auch für mich selbst einkaufen.

Lena Görges: Über mein Ansteckungsrisiko mache ich mir weniger Gedanken als über das Ansteckungsrisiko derer, für die wir einkaufen.

Wie oft kauft ihr denn für andere ein?

Lena Görges: Ich warte noch auf meinen Einsatz, denn es gibt viel mehr Helfer als Hilfesuchende. Die Stadt kombiniert die Hilfsteams nach der Nähe des Wohnortes.

Lisa-Sophie Sperling: Alle 14 Tage im Wechsel mit meiner Freundin Aileen.

Wenn Hilfe benötigt wird: Wie läuft das dann ab?

Aileen Schulte: Ich werde von der hilfsbedürftigen Person meist am Anfang der Woche angerufen und sie diktiert mir ihren Einkaufszettel. Dann hole ich das Geld und eine Tasche, die sie vorher vor ihrer Tür abgelegt hat, und gehe ganz normal einkaufen. Anschließend lege ich ihr die Einkäufe mit dem Wechselgeld und dem Kassenbon wieder vor die Tür, klingle und gehe, damit keine Infektionsgefahr besteht. Danach rufe ich meistens noch einmal an, um zu überprüfen, ob alles gepasst hat. 

Lisa-Sophie Sperling: Ich werde angerufen, entweder am selben Tag oder einen Tag zuvor, und die hilfsbedürftige Person diktiert mir die Einkaufsliste und wir machen eine Uhrzeit aus.

Puchheim ist nun reichlich mit Helfern gesegnet. Was würdet ihr anderen Menschen sagen, die bislang niemandem helfen – obwohl vielleicht doch Bedarf besteht?

Aileen Schulte: Dass wir alle mal in Situationen landen werden, in denen wir auf die Hilfe anderer angewiesen sind und uns freuen würden, wenn man uns freiwillig hilft. Also sollten wir jetzt ebenfalls für Hilfsbedürftige da sein, da wir ja ohnehin nichts zu tun haben zuhause. Lisa- Sophie Sperling: Ich würde anderen Menschen raten, an dem Projekt teilzunehmen. Denn vor allem in dieser schweren Zeit ist es wichtig, dass zusammengehalten und einander geholfen wird.

Lena Görges: Menschen, die dies noch nicht tun und für die es auch keinen triftigen Grund gibt, dies nicht zu tun, würde ich bitten, über eine Teilnahme bei Puchheim hilft oder einer ähnlichen Organisation nachzudenken. Uns kostet es lediglich einen kurzen Weg zum Supermarkt und die, für die wir einkaufen, riskieren ihre Gesundheit.

Kontakt

Wer Hilfe sucht oder anbieten will, meldet sich von Montag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr unter Telefon (089) 4 13 26 08 38 oder per Mail an puchheim-hilft@puchheim.de.

So könnte es nach der Krise weitergehen

Das Projekt „Puchheim hilft“ wird von Ehrenamtskoordinatorin Daniela Schulte und Verena Weyland (zuständig für Integration , Senioren und Inklusion) von der Stadt betreut. Es startete bereits am 18. März, als die Corona-Einschränkungen absehbar wurden. Seitdem haben sich über 100 Helfer bereit erklärt, ehrenamtlich einen Einkaufsdienst zu übernehmen. Die Organisatorinnen koordinieren, wer mit wem so genannte Unterstützungstandems bilden kann. Dabei spielt der Wohnort eine Rolle. Per Telefon werden die Beteiligten über das Prozedere und Sicherheitshinweise aufgeklärt. Die Helfer selbst sind auch über Telefon und Whatsapp in Kontakt. Die jüngsten Beteiligten sind 15 Jahre alt. Ältere oder kranke Menschen, die selbst zur Risikogruppe gehören, bieten telefonischen Austausch gegen die Einsamkeit an. Für insgesamt 26 Menschen ist der Helferkreis derzeit da. Es sind mehr Helfer als Betroffene. Schulte und Weyland gehen aber davon aus, dass es noch viele Betroffene gibt, die sich schwer tun, um Hilfe zu bitten. Da man sich in der Regel nicht zu Gesicht bekommt, legen manche den Einkaufstüten kleine Briefe oder Steckbriefe bei. So lernt man sich kennen, obwohl man wegen des Infektionsrisikos keinen persönlichen Kontakt pflegen darf. Schon bevor die Corona-Krise kam, war die Stadt Puchheim im Begriff, ein ehrenamtliches Projekt für Senioren auf die Beine zu stellen: die Seniorenbegleiter. Hier geht es darum, einer Vereinsamung von älteren Menschen entgegenzuwirken. Die Initiatorinnen hoffen nun darauf, dass einige der Freiwilligen vielleicht auch nach der Krisenzeit noch als ehrenamtliche Unterstützer zur Verfügung stehen.

„Ich denke an meine eigenen Eltern“

Eine, die nicht lange überlegt hat, zu helfen, ist Suad Shliemoun Benyamin. Sie lebt in Puchheim und ist keine Unbekannte mehr. Für ihr ehrenamtliches Engagement hat sie den Preis „Puchheims Puls“ in der Kategorie „Alltag“ erhalten. Die 53-Jährige war bereits lange vor der Corona-Pandemie aktiv in der gelebten Nachbarschaftshilfe. Benyamin und ihr Ehemann gehen beide für ältere Menschen in der Stadt einkaufen. Die vierfache Mutter und fünffache Großmutter hat auch einen ganz bestimmten Antrieb. „Meine Hilfe habe ich angeboten, weil ich an meine eigenen Eltern gedacht habe, die sich in diesen Zeiten über eine Unterstützung gefreut hätten“, berichtet die Irakerin. Als sehr gläubiger Mensch sehe sie es als ihre Pflicht an, Menschen zu unterstützen, die Hilfe benötigen. Gerade in dieser Zeit. Davor, sich selbst anzustecken, hat sie keine Angst. Man müsse halt gut aufpassen und die hygienischen Vorgaben einhalten.

„Zusammen halten und Solidarität zeigen“

ngagement hat auch für sie nicht mit der Corona-Krise angefangen: Tamara und Jonas Deuringer sind aktiv bei den Bildungsbegleitern und im Repair-Café des Mehrgenerationenhauses ZaP. Die beiden wollen einen kleinen Beitrag dazu leisten, die aktuelle Situation und den Alltag für andere zu entspannen. Ein- bis zweimal in der Woche gehen sie für andere einkaufen. Prinzipiell könne eigentlich jeder, der für sich loszieht, auch anderen etwas mitbringen, finden sie. „Gerade jetzt muss man zusammen halten und Solidarität zeigen“, da ist sich das Ehepaar einig. Durch die bekannten Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen, Abstand halten und Mundschutz könne man sich gut schützen. Ein Restrisiko bleibe aber natürlich immer. Aber als junge und gesunde Menschen sei die Gefahr einer schweren Erkrankung vergleichsweise gering.

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