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Beispielfoto aus einer Kita.

Puchheim

Doppelstrategie bei Kinderbetreuung

Doppelt hält besser: Die Stadt Puchheim plant derzeit Kita-Plätze in der Laurenzer Grundschule und verhandelt gleichzeitig mit der Kirche über ein größeres Angebot im Kinderhaus Maria Himmelfahrt. Das sorgt auch für Kritik.

Puchheim– Für die künftige Kleinkinderbetreuung in Puchheim-Ort plant die Stadt weiter zweigleisig. Der Stadtrat vergab zwar jetzt mehrere Aufträge für den Neubau der Laurenzer Grundschule, in dem auch zwei Krippenräume vorgesehen sind. Daneben bleibt die Verwaltung aber im Gespräch mit der katholischen Kirche, die nach dem Wunsch der Stadt ihr Kinderhaus Maria Himmelfahrt für fünf Gruppen ausbauen soll.

Grünen-Sprecher Manfred Sengl kritisierte in der Sitzung diese Doppelstrategie: Wenn man sich mit Kirchenstiftung und Ordinariat einig werde, brauche es die teuren Extra-Räume im Schulneubau nicht. Für eine alternative Nutzung als Hausmeister-Wohnung seien über 200 Quadratmeter Fläche bei weitem zu großzügig. Wenn man sich andererseits auf die Schul-Krippe festlege, müsste man die Gespräche mit der Kirche beenden. Denn sonst zahle man möglicherweise doppelt – für die Kinderhaus-Erweiterung und für Reserveräume in einem ohnehin sehr großzügig bemessenen Schulhaus-Neubau.

Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) konnte nur wenig über den Verhandlungsstand sagen. Die Kirche denke nun mal „in Äonen, nicht in Jahren“. Momentan werde im Ordinariat die neue Art von Vertrag geprüft, den die Stadt mit sämtlichen Trägern von Kindertagesstätten abschließen will. Im ersten Halbjahr 2020 sei eine Entscheidung über die künftige Gruppenzahl zu erwarten. Die Bereitschaft für einen größeren Ausbau hält er bei der Kirche jedoch für gering, auch wenn sich die Stadt an den höheren Kosten beteiligen würde. Bis Klarheit herrsche, gelte aber die bisherige Beschlusslage des Stadtrats, nach der eben eine Krippe vorgesehen ist.

Denkt die Kirche noch um?

Sollte die Kirche doch noch umdenken, könne man ja noch die letzte Ausfahrt nehmen und die Planung revidieren. Die jetzt diskutierten Vergaben – beschlossen wurden Aufträge für die Elektrik und die Tragwerkplanung, für Heizung, Lüftung und Sanitäranlagen sowie für die gesamte Objektplanung – ließen soviel Flexibilität noch zu, meinte Seidl.

Zwei dieser Vergaben sorgten ungewöhnlicherweise noch für heftigen Widerspruch. Denn Architekt und Statiker waren schon beim sündteuren Umbau der Schule am Gerner Platz beschäftigt und mussten ihre Kostenschätzungen mehrfach anpassen. Von der Verwaltung wurden sie jetzt aber wegen der damaligen „Super-Zusammenarbeit“ mit dem Rathaus gelobt.

„Wenn alles so super gelaufen ist, warum haben wir dann soviel draufgezahlt?“, fragte Michael Burkhart (FW). „Die beiden haben ein Gebäude geplant, das sie nicht mal nachgemessen haben“, schimpfte Max Keil (ubp), und hätten dann noch teilweise doppelt kassiert. Die Schamröte müsse ihr eigentlich ins Gesicht steigen, wenn sie jetzt solche Planer empfehle, sagte er zu einer Bauamts-Mitarbeiterin. Vergaberechtlich – die beiden Angebote waren die günstigsten – gebe es zwar nichts auszusetzen, meinte Günter Hoiß (CSU): „Aber für mich scheitern sie an der charakterlichen Eignung.“

Architekten gleich welchen Charakters müssten sich auf Daten verlassen können und nicht von fehlerhaften amtlichen Lageplänen ausgehen, widersprach der Bürgermeister. Und mit den entstandenen Schwierigkeiten seien beide Büros gut umgegangen. Gegen die Vergaben stimmten schließlich einige Mitglieder von CSU, ubp und Freien Wählern.

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