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Die Hand am Lenker, so kennt man ihn: Der ehemalige Puchheimer Stadtrat Reinhold (genannt Thilo) Koch mit seinem liebsten Fortbewegungsmittel. 

Puchheim

Ein Brückenbauer für die Radler

Puchheims ubp-Urgestein und ehemaliger Vize-Bürgermeister Reinhold Koch musste nach 36 Jahren im Kommunalgremium abtreten. Im Wahlkampf machte ihm der (Nach-)Namensvetter von der FDP zu schaffen. Doch zurückziehen will sich der 71-Jährige noch längst nicht.

Puchheim – In der letzten Woche vor der Kommunalwahl musste der ehemalige Zweite Bürgermeister noch mal plakatieren: „Den richtigen Koch wählen“, hieß sein Slogan. Denn offenbar verwechselten einige Puchheimer den Veteranen der Unabhängigen Bürger (ubp) mit dem neuen, gleichnamigen Kandidaten der FDP. Aber der Last-Minute-Wahlkampf half nicht mehr. Im Stadtrat sitzt heute der „falsche“ Koch mit dem Vornamen Martin. Sein Namensvetter Reinhold, genannt Thilo, musste nach 36 Jahren im Puchheimer Kommunalgremium abtreten.

Der Mitgründer der Unabhängigen Bürger – ehemalige Freie Wähler, die Anfang der Achtziger Jahre wegen ihrer Sympathien für die Friedensbewegung nicht mehr wohlgelitten waren – hatte ursprünglich nur noch mit halber Kraft auf eine Wiederwahl hingearbeitet. Mit seinen nunmehr 71 Jahren könnte er Jüngeren den Vortritt lassen, Platz 14 auf der Liste genügte auch noch, um eventuell weit genug vorgehäufelt zu werden. Aber das Ergebnis war ernüchternd. Stadtratskollege Wolfgang Wuschig, nur etwas weiter vorne platziert und nur einen Monat jünger, schaffte es unter die ersten vier. Und von weit hinten auf der Liste überholte ihn Max Keil, wie Koch ein ubp-Urgestein, aber gleichfalls schon im Rentenalter.

Die Anekdoten

Damit endete (zumindest vorerst) eine lange kommunalpolitische Laufbahn. Der damalige Gemeinderat wurde zunächst zum Dritten Bürgermeister gewählt und war dann zwölf Jahre lang erster Stellvertreter des SPD-Rathaus-Chefs Herbert Kränzlein. Dessen Wunschkandidat war er anfangs nicht, später pflegten die beiden eine vertrauensvollere Zusammenarbeit. Richtig herzlich scheint das Verhältnis nie geworden zu sein, Koch will sich aber die Anekdoten und „bonmots“ aus jener Zeit für eine Rede zu seiner Verabschiedung aufbewahren.

Zuletzt war er Fraktionsvorsitzender seiner ubp, der bis zuletzt noch drittstärksten Kraft im Stadtrat. Dort fiel er selten als Oppositionsführer auf, häufiger dagegen als fleißiger, manche meinten akribischer, Autor von Anträgen oder auch Grundlagenpapieren, die wie bei Kochs Radwegeplan erheblichen Umfang annehmen konnten. Von der Fleißarbeit fand sich später aber vieles im Gutachter-Konzept für ein Puchheimer Radwegenetz wieder. Auch zum Schienenverkehr, Bahnsteiglängen und -höhen für einen behindertengerechten Zugang konnte der promovierte Geograph und ehemalige Ministerialrat im bayerischen Wirtschaftsministerium fundierte Expertisen vorstellen.

Viergleisiger Ausbau

Dass ausgerechnet bei der Bahn, beim viergleisigen Ausbau und dem Bahnhofsumbau zuletzt überhaupt nichts voranging, trübt für ihn die Bilanz nach 36 Jahren. Auf der persönlichen Habenseite sieht er eine „eher zurückhaltende Stadtentwicklung“, die sogar wie im erfolgreichen Kampf um den Erhalt der Alten Schule am Bahnhof eine bewahrende Dimension hatte. Freilich: Die Bebauung des Alois-Harbeck-Platzes hält er für ein „bissl zu massiv“, die alte Ladenzeile hätte – wäre es nach ihm gegangen – stehen bleiben können.

Mit öffentlicher Kritik hielt sich Koch allerdings zurück, die ubp trug die Gesamtplanung mit. Aber eine wirkliche Spur glaubt er schon, hinterlassen zu haben, wobei dieser Fußabdruck nicht einmal auf Puchheimer Flur liegt. Dass es nämlich auf halber Strecke zwischen Puchheim und Hoflach eine Radweg-Brücke über die Bundesstraße 2 gibt, mittels derer auch die Ortler gefahrlos Richtung Alling kommen, rechnet Koch seiner Überzeugungsarbeit zu.

Vom Radeln wird der ehemalige Stadtrat, den der gewöhnliche Puchheimer noch nie auf vier Rädern gesehen hat, auch weiterhin nicht lassen. Doch, er besitze ein Auto, versichert Koch. Aber das nutze er praktisch nur für schwere Tonnage auf dem Weg zum Wertstoffhof. Für leichtere Lasten reicht der Fahrradanhänger. Seit 30 Jahren organisieren er und seine Frau eine Radwandergruppe, die heuer – bis zu Corona – von Kärnten nach Venedig wollte. Ersatzweise soll es jetzt von Bayerisch Eisenstein nach Puchheim gehen. Die beiden durchquerten allerdings auch schon die kanadischen Rocky Mountains.

Wenn Koch mal zu Fuß unterwegs ist, dann unter anderem auf seiner Parzelle im Krautgarten, denn dort wächst das Gemüse besser als unter den Bäumen im eigenen Garten. Mit dem endgültigen ehrenamtlichen Ruhestand wird es wohl auch nichts: Der frühere Vize-Bürgermeister ist als neuer Vorsitzender der örtlichen Volkshochschule im Gespräch. (op)

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