Bau in Rekordzeit: Diese Aufnahme entstand am 24. Juni 1926 beim Richtfest von St. Josef in Puchheim-Bahnhof.
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Bau in Rekordzeit: Diese Aufnahme entstand am 24. Juni 1926 beim Richtfest von St. Josef in Puchheim-Bahnhof.

Puchheim

Ein Richtfest vor fast 100 Jahren

  • Andreas Schwarzbauer
    vonAndreas Schwarzbauer
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Nur rund fünf Jahre wirkte Karl Reiter als Pfarrer in Puchheim. Doch in dieser kurzen Zeit gelang es ihm, gleich zwei Kirchen zu bauen. 1928 wurde die neue Kirche Maria Himmelfahrt in Puchheim-Ort fertig. Zwei Jahre zuvor erhielt Puchheim-Bahnhof mit St. Josef sein erstes Gotteshaus. Das Konstrukt war innovativ.

Puchheim – Der Bau von St. Josef erfolgte in Rekordzeit. Im Februar 1926 gründete sich der Kirchenbauverein, im Juni fand das Richtfest statt und im September weihte Kardinal Faulhaber die fertige Kirche. Den Grund hatte die Hausmull-Fabrik zur Verfügung gestellt.

Pfarrer Karl Reiter: Erbauer der Kirchen in Bahnhof und Ort.

Das Gotteshaus wurde als freitragende Holzkonstruktion auf einem festen Fundament errichtet – damals eine Neuheit im Kirchenbau. Die Wände wurden innen und außen verschalt und verputzt. Ein kleines Türmchen beherbergte zwei Glocken. 1928 kam ein gemauerter Glockenturm hinzu.

Der Bau der Kirche war im Gemeinderat umstritten. Das Gremium war gespalten, ob nicht zuerst eine Schule in Puchheim-Bahnhof entstehen sollte. Letztendlich setzte sich aber die Kirchenfraktion durch. Im Gegenzug sagte sie zu, später auch für den Bau der neuen Schule zu stimmen. Doch scheinbar fühlten sich zwei Jahre später nicht mehr alle Gemeinderäte an dieses Versprechen gebunden. Die Abstimmung über den Schulbau war so knapp, dass ein Befürworter extra aus dem Krankenhaus geholt wurde, damit die Mehrheit gesichert werden konnte.

Der Kirchenbau war eigentlich als Notkirche mit einer begrenzten Nutzungsdauer gedacht gewesen. Doch das Provisorium hielt fast 40 Jahre lang. Erst als Anfang der 1960er-Jahre die Bevölkerungszahl in Puchheim-Bahnhof erheblich wuchs und das Holzgebäude langsam baufällig wurde, beschloss die Gemeinde, eine neue Kirche zu bauen. Im April 1965 erfolgte die Grundsteinlegung, ein Jahr später weihte Bischof Neuhäusler das neue Gotteshaus.

Letzte Erstkommunion in der alten Kirche 1964. 

Der Architekt Günther Eisele entwarf die Kirche konsequent nach den Gedanken des vatikanischen Konzils. Der Altar steht im Mittelpunkt des quadratischen Innenraums, Glaskuppeln in der Decke lenken das Licht direkt auf die Altarinsel, die auf drei Seiten von den Kirchenbänken umrahmt wird. Ein farbiges Fensterband verleiht dem schlichten Raum einen bunten Akzent. Das Gebäude wurde ergänzt durch das Pfarrheim und einen 29 Meter hohen Turm.

St. Josef war zunächst eine Filialkirche von Maria Himmelfahrt in Puchheim-Ort. Erst 1945 erhielt sie einen eigenen Geistlichen und 1956 die weitgehende Eigenständigkeit. 1963 wurde St. Josef zu einer eigenen Pfarrei erhoben. 1981 drehte sich das Verhältnis der beiden Puchheimer Kirchen um. Seitdem verwaltet der Pfarrer von St. Josef auch Maria Himmelfahrt. Seit 2012 bilden die beiden Pfarreien einen Pfarrverband.

Die Serie

Im Tagblatt blickt der Kulturverein d’Buachhamer in die Vergangenheit zurück. Basis sind die 22 Stationen des Geschichtspfads im gesamten Stadtgebiet.

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