Stadtrat beschließt Sanierung

Feurige Debatte um Schießstand

„Sport in Anführungszeichen“ oder erhaltenswerte Schützentradition – die Sanierung eines alten Schießstands hat für eine Debatte im Puchheimer Stadtrat gesorgt. Sie kostet 450 000 Euro.

Puchheim – Es ist lange her, dass ein Thema die Unabhängigen derart umgetrieben habe, sagte ubp-Sprecher Reinhold Koch. Finanzielle und moralisch-ethische Bedenken machte sein Fraktionskollege Wolfgang Wuschig gegen die Erneuerung der 50-Meter-Bahn im Keller des Sportzentrums geltend. Die Anlage nutzten Klein- und Großkaliberschützen, bei denen fraglich sei, ob man überhaupt noch von Sportlern sprechen könne. Durch die dabei verwendeten, schlecht verwahrten Waffen sei anderswo viel Leid verursacht worden.

Für nicht redlich hielt es SPD-Fraktionschef Jean-Marie Leone, die Puchheimer Vereinsmitglieder mit Amokläufern in Verbindung zu bringen. Die Schützen unter Generalverdacht zu stellen, gehe am Sachverhalt vorbei, meinte auch Christian Olschowsky (CSU). Woraufhin Koch dem Polizeibeamten Olschowsky eine Äußerung des ehemaligen Vorsitzenden der deutschen Kriminalbeamten vorhielt: Großkaliberwaffen seien geeignet zu töten. Sie gehörten nicht in die Hände von Sportlern.

Die Grünen hingegen waren nicht gegen eine Sanierung und bekannten sich zum Wert der Vereinsarbeit, hielten aber den Zeitpunkt für falsch. Angesichts der anderen großzügigen Ausgaben für den Sport sollte man zumindest abwarten, was die noch dringlichere Renovierung des Hallenbades kosten werde, sagte Fraktionschef Manfred Sengl. Eine vorübergehende Stilllegung der Anlage sei den Nutzern zumutbar. Wenn es tatsächlich weit und breit keine ähnliche Schießstätte gebe, könne man sie auch leicht wieder beleben.

Wenn man jetzt den Deckel draufmache, sei diese Art von Sport in Puchheim gestorben, fürchtete dagegen Bürgermeister Norbert Seidl (SPD). Auch CSU-Sprecher Thomas Hofschuster sah die Gefahr, dass sich die Schützen umorientierten und man irgendwann in dem Keller Schwammerl züchten könne. Außerdem verglich er die einmalige Investition mit laufenden Ausgaben anderswo: Das Kulturzentrum PUC brauche jährlich die doppelte Summe.

Die Sanierung der Anlage ist eigentlich überfällig. Schon vor zwölf Jahren wurde der damaligen Gemeinde ein Entlüftungskonzept zur Auflage gemacht, das allerdings nie in Auftrag gegeben wurde. Nach einem neuerlichen Gutachter-Besuch im vergangenen Herbst wurde eine letzte Frist von einem Jahr gewährt. Grund: In geschlossenen Schießständen entstehen auch bei der Verwendung von schadstoffarmer Munition Gase und Staub, die gesundheitsgefährdend sein können. Die Kosten für eine moderne Abzugstechnik sind mit fast 370 000 Euro immens. Dazu kommen weitere zu behebende Mängel.

Einen gesellschaftlich nicht relevanten Minderheitensport müsse nicht die Allgemeinheit finanzieren, meinte Max Keil (ubp). Dieses Argument überzeugte auch Sonja Strobl-Viehhauser (CSU). Schließlich würden auch die Golfspieler nicht von der Stadt subventioniert. Am Ende wurde die Sanierung aber doch gegen die Stimmen von ubp und Grünen beschlossen.

Von Olf Paschen

Rubriklistenbild: © dpa

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