Wer in Puchheim eine Wohnung vermieten will, muss sich bei der Miethöhe ab jetzt am Mietspiegel orientieren. tb-Archiv

Mietspiegel

Puchheim: So viel soll Wohnen kosten dürfen

Puchheim – Als zweite Kommune im Landkreis nach Germering hat nun auch Puchheim einen Mietspiegel. Der Stadtrat verabschiedete die Auflistung von Straßen mit „guter“ Wohnlage und die nach Wohnungsgrößen unterschiedenen durchschnittlich gezahlten Quadratmeter-Preise in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause.

Damit gibt es seit 1. August eine verbindliche Richtschnur für die noch angemessene Miethöhe. Für manche erstaunlich liegt die statistische Durchschnittsmiete in Puchheim bei 9,53 Euro pro Quadratmeter. In Online-Wohnungsbörsen wird von einem ein bis zwei Euro höheren Preis ausgegangen. Die Spanne reicht von einem Preis von 8,63 Euro für eine große (über 80 Quadratmeter) Wohnung aus den Jahren 1979 bis 1994 bis zu 11,47 Euro für eine ab 1995 bezugsfertige Wohnung mit weniger als 50 Quadratmetern Fläche. Grundlage ist jeweils die Netto-Kaltmiete ohne alle Nebenkosten.

Der Mietspiegel ist nach der Kappungsgrenze bei Mieterhöhungen und der Mietpreisbremse für Neuvermietungen das dritte Instrument, das die Kommune zum Schutz der Mieter in einem angespannten Wohnungsmarkt einsetzen kann. Er bestimmt die ortsübliche Vergleichsmiete, die nicht nach Gutdünken überschritten werden kann.

Wie sehr damit ein Preisanstieg verhindert werden kann, war allerdings auch im Stadtrat umstritten. Wer zum Beispiel dringend eine Wohnung brauche, werde beim Eigentümer nicht mit dem Mietspiegel wedeln, lautete ein Argument der Skeptiker. Andererseits wird in der Regel die Position der Alt-Mieter gestärkt, wenn es zum Streit um überhöhte Forderungen kommt. Zumindest etwas mehr Rechtssicherheit werde erreicht, hieß es.

Ein Problem mit der Qualifizierung der Wohnviertel hatten allerdings die Unabhängigen Bürger (ubp). Es sei schon fragwürdig, dass praktisch nur ganz Puchheim-Ort und der Süden von Puchheim-Bahnhof „gute“ Wohnlagen sind, moserte ein Stadtrat aus dem Norden. Aber wegen den 36 Cent Aufschlag gegenüber „normalen“, vor allem an stärker frequentierten Straßen liegenden Vierteln, die Grundlage für den Mietspiegel sind, lohne sich das Streiten auch nicht.

Für jede der elf Kategorien, nach Wohnungsgröße und Baujahr unterteilt, gibt es neben dem Durchschnittswert einen Preisrahmen von zwei bis drei Euro. Als wertmindernd gelten beispielsweise ein unbeheizbares Bad, fehlender Keller oder ein im Zweifelsfall noch zu definierender „schlechter Erhaltungszustand“. Mehr verlangen kann der Vermieter, der etwa Bidet, Fußbodenheizung oder Wintergarten anbietet.

Für die Datenerhebung durch ein beauftragtes Sachverständigenbüro aus Hamburg wurde ein statistisch ausreichender Teil der fast 9000 Wohnungseigentümer in der Stadt nach einer Zufallsstichprobe befragt. Sämtliche große Wohnungsgesellschaften waren allerdings dabei. Die Teilnahme war freiwillig, die Ergebnisse galten den Ermittlern als plausibel, heftige Ausreißer nach oben oder unten wurden nicht berücksichtigt.

Der Mietspiegel muss in zwei Jahren, unter anderem auf Grundlage der veränderten Lebenshaltungskosten, aktualisiert und in vier Jahren ganz neu erstellt werden, um weiter rechtsverbindlich zu bleiben. Bedarf für eine solche Statistik scheint es jedenfalls zu geben: Schon am Tag des Inkrafttretens wurden im Rathaus nicht weniger als 25 Exemplare verkauft. Anders als die Nachbarstadt München, die ihren Mietspiegel kostenlos abgibt, verlangt Puchheim drei Euro pro Stück. (op)

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