Eindämmung einer Plage

Greifvogel darf Puchheimer Krähen reißen

Zur Eindämmung der Saatkrähenplage darf die Stadt nun auch zu tödlichen Mitteln greifen. Bei einer Besprechung vor zwei Wochen signalisierte die Oberste Naturschutzbehörde in der Regierung von Oberbayern, den Einsatz von Falken genehmigt zu wollen.

Puchheim – Zunächst sollen die Raubvögel allerdings nicht im Hauptnistgebiet am Schopflach-Wäldchen eingesetzt werden dürfen, sondern lediglich in den Splitterkolonien. Dort soll Lärmterror die Vögel zurückdrängen. Über die einigermaßen überraschende Wende der obersten Naturschützer, die Vergrämungsmaßnahmen bisher nur sehr restriktiv erlaubten, informierte jetzt Monika Dufner vom Umweltamt den Puchheimer Stadtrat.

Der Falkner, der bereits vor Monaten von den Anwohnern vorgeschlagen worden war, stünde Gewehr bei Fuß und sieht sich in der Lage, die Krähen aus ihren Außensiedlungen zu vertreiben. Für diesen Zweck müssen Falken oder andere Greifvögel einzelne Krähen reißen, die anderen fliehen dann. Problem dabei: Eine gezielte Umsiedlung ist so nicht möglich. Im Idealfall kehren sie zurück in die Hauptkolonie, wahrscheinlicher ist, dass sie in der Umgebung Asyl suchen. Eichenaus Bürgermeister Peter Münster soll bereits deutlich gemacht haben, dass er es für keinen Akt guter Nachbarschaft hielte, sollten die Vögel in seine Gemeinde vertrieben werden. Dieses Vorgehen und ein Plan für die Hauptkolonie (siehe Kasten) wurden vom Stadtrat einstimmig gebilligt.

Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, die gesamte Hauptkolonie zu vergrämen. Es fehlt jedoch an Ausweichquartieren, die man den streng geschützten Tieren sozusagen anbieten könnte. Entweder wird in der Umgebung gejagt, was die Vögel verscheucht, oder sie lassen sich mitten in Nachbarkommunen nieder, wie in Germering und Gernlinden geschehen.

Auch eine weitere Variante wurde nicht näher ins Auge gefasst: Die „biologische Selbstregulierung“, wie vom Landesbund für Vogelschutz vorgeschlagen.

Es gibt nämlich die These, dass sich die Populationsgröße ohne menschliche Eingriffe irgendwann von selber einpendelt, Vergrämungsversuche dagegen das Wachstum erst beschleunigten. Seit ihrer Ankunft in Puchheim im Jahr 2008 vermehrten sich die Krähen stark, seit sie bekämpft werden aber praktisch explosionsartig. Aus anfangs acht sind nach der letzten Zählung 406 Nester geworden. Weitere Vorschläge aus den Reihen des Stadtrats wurden nicht weiter untersucht. Darunter die Pille für die Krähe als Verhütungsmittel oder die Ausweisung des Schopflach-Wäldchens als Übungsgelände für die Bogenschützen.

Die Stadt hatte seit Jahren diverse Mittel gegen die Krähen, darunter Ballons und Netze, mit wenig Erfolg getestet. Im vergangenen Jahr bildete sich schließlich eine Bürgerinitiative der Anwohner, die über 400 Unterschriften gegen Lärm und Kot der Tiere sammelte. Von deren Vertretern habe er bei den Beratungen des Stadtrats über das Problem leider niemanden mehr gesehen, klagte Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) in der Sitzung. „Weil’s denen reicht“, vermutete Stadtrat Max Keil (ubp).

Kampf gegen die Saatkrähen-Hauptkolonie

Ab dem Frühherbst, wenn die ersten Krähen in das Schopflach-Wäldchen zurückkehren, soll die Hauptkolonie unter Druck gesetzt werden. An deren Rändern, also in Nähe der Anwohner, sollen „bird gards“ installiert werden. Diese Lautsprecher geben die Alarmschreie von Krähen und anderen Vögeln wieder. Nur sie haben sich bisher als effektiv erwiesen. Im Sprengerin-Wäldchen, wo sie erstmals eingesetzt wurden, vertrieben sie die Bewohner von rund zwei Dutzend Nestern. Nur eine einzige Krähenfamilie blieb. Außerdem im Feldzugsplan der Stadt: Der Abbau von bestehenden Nestern, ebenfalls schon im Herbst, sowie Entnahme und Austausch von Eiern in der Brutzeit ab März. Die Erfahrung aus der letzten Saison zeigt, dass die Tiere auch Gips-Imitate akzeptieren, nur keine leeren Nester. So soll versucht werden, die Krähen zum Umzug tiefer in das Wäldchen hinein zu bewegen.

Kampf gegen die Hauptkolonie

Ab dem Frühherbst, wenn die ersten Krähen in das Schopflach-Wäldchen zurückkehren, soll die Hauptkolonie unter Druck gesetzt werden. An deren Rändern, also in Nähe der Anwohner, sollen „bird gards“ installiert werden. Diese Lautsprecher geben die Alarmschreie von Krähen und anderen Vögeln wieder. Nur sie haben sich bisher als effektiv erwiesen. Im Sprengerin-Wäldchen, wo sie erstmals eingesetzt wurden, vertrieben sie die Bewohner von rund zwei Dutzend Nestern. Nur eine einzige Krähenfamilie blieb. Außerdem im Feldzugsplan der Stadt: Der Abbau von bestehenden Nestern, ebenfalls schon im Herbst, sowie Entnahme und Austausch von Eiern in der Brutzeit ab März. Die Erfahrung aus der letzten Saison zeigt, dass die Tiere auch Gips-Imitate akzeptieren, nur keine leeren Nester. So soll versucht werden, die Krähen zum Umzug tiefer in das Wäldchen hinein zu bewegen.

Von Olf Paschen

Rubriklistenbild: © panthermedia

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