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Großes Neubaugebiet sorgt für Wirbel

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Hier sollen bis zu 350 Menschen ein neues Zuhause finden: Die trichterförmige Fläche zwischen Alpenstraße und Kleinem Ascherbach.
Hier sollen bis zu 350 Menschen ein neues Zuhause finden: Die trichterförmige Fläche zwischen Alpenstraße und Kleinem Ascherbach. © Weber

Bis zu 350 Menschen sollen in Puchheim ein neues Zuhause bekommen. Die Stadt hat eine Fläche zwischen Alpenstraße und Kleinem Ascherbach erworben und plant ein großes Neubaugebiet. Allerdings wurden alle Entscheidungen bislang hinter verschlossenen Türen getroffen. Das sorgt für Kritik – und wilde Gerüchte.

Puchheim – Puchheims Freie Wähler (FW) üben massive Kritik an der Entscheidungsfindung zum künftigen großen Baugebiet an der Alpenstraße. Dass sich der Stadtrat über das Thema auch zuletzt nur nicht-öffentlich austauschen durfte, sei ein „weiterer Skandal“ nach dem Beschluss, keine neutralen Sachverständigen zur Aufklärung des Greensill-Debakels einzuschalten, wie es die FW-Fraktion gefordert hatte.

Bürgerbeteiligung werde auf diese Weise „ad absurdum geführt“, schreibt Michael Pöllmann, der Pressesprecher des Ortsverbandes, in einer Erklärung. Von der viel beschworenen Transparenz bleibe nur noch eine „Worthülse“.

An den vorangegangenen fünf Sitzungen zur Alpenstraße, die schon in der vorigen Amtszeit des Stadtrats begonnen hatten, haben die Freien Wähler allerdings trotz verschlossener Türen teilgenommen. Erst vor dem abschließenden Treffen im April beantragten sie, zusammen mit FDP-Stadtrat Martin Koch, die Sitzung zu vertagen und bei einem nächsten Termin die Öffentlichkeit zuzulassen. Die anderen Fraktionen lehnten eine Verschiebung ab.

Bürgermeister verteidigt Vorgehen

Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) verteidigt den Beschluss. Die Fraktionen hätten diese Vorgehensweise ursprünglich mitgetragen. Es sei bislang nur um Grundlagen-Entscheidungen gegangen, man sei noch in einem Stadium, in dem man sich „nicht ungeschützt“ habe unterhalten wollen. Zudem seien durchaus auch wirtschaftliche Interessen der Stadt tangiert: Etwa die Frage, ob die eigene Wohnungsbaugesellschaft WEP dort zum Zuge kommt oder einer oder mehrere Bauträger.

Die FW-Ortsvorsitzende und Stadträtin Gudrun Horn kann die Geheimhaltung bei den ersten Sitzungen nachvollziehen, schließlich sei es auch um Grundstückskäufe gegangen. Zuletzt habe es aber keinerlei Gründe mehr gegeben, die Öffentlichkeit auszuschließen, sagte sie dem Tagblatt. Das sei für die Freien Wähler der Tropfen zu viel im Fass gewesen: „Ein Neubaugebiet findet nur Akzeptanz, wenn es transparent diskutiert wird.“

In der Sache herrscht offenbar Konsens

In der Sache selbst scheint aber weitgehender Konsens zu herrschen, wie Seidl jüngst im Stadtrat kurz öffentlich berichtete. Erstmals seit rund zwei Jahrzehnten soll in Puchheim ein großes Baugebiet ausgewiesen werden, das bis zu 350 Menschen ein neues Zuhause bieten könnte. Gedacht ist an einen noch nicht näher definierten Mix an Wohnformen – also vom klassischen Eigenheim bis zum Geschossbau.

Die neue Siedlung soll auch mit Blick auf die bisherigen Anwohner möglichst grün werden, sogar von einem kleinen Park war schon die Rede. Inwieweit sich ein autofreies Quartier realisieren lässt, ist noch unklar. Die künftigen Gebäude sollen mehr als den energetischen Mindeststandard aufweisen, ebenso die vermutlich dort notwendig werdende Kindertagesstätte.

Die Frage, ob es überhaupt ein großes Baugebiet braucht, ist laut Seidl inzwischen keine mehr. „Wir können keine Mauer um Puchheim ziehen und keinen mehr reinlassen,“ meinte er im Stadtrat. Sowohl Menschen, die in der Stadt arbeiten (wollen) und nichts zum Wohnen finden als auch jungen Puchheimern, die vor dem selben Problem stehen, könnte hier eine Chance geboten werden, sagte er zum Tagblatt. Auf welche Weise die Bürger am besten an der Planung beteiligt werden können, soll noch verwaltungsintern überlegt werden. Die Anwohner an Alpen- und Zugspitzstraße wurden offenbar schon informiert.

Bericht über Gerüchte

Wie FDP-Mann Koch vor kurzem beklagt hatte, waren in der Nachbarschaft schon die wildesten Gerüchte gewuchert. Einige befürchteten offenbar, dass ihnen eine neue Mittelschule oder sogar eine Asylbewerber-Unterkunft vor die Nase gesetzt werden sollte, auch von einer „zweiten Planie“ soll die Rede gewesen sein. Wenn Bürgerbeteiligung so wie in diesem Fall interpretiert werde, sei das jedenfalls „Stadtmanagement nach Gutsherrenart“, ließ sich Horn in der Pressemitteilung zitieren.

Ihre Fraktionsvorsitzende Michaela von Hagen fürchtet demnach, dass die Bürger sich „verschaukelt“ fühlen müssten, wenn sie nur noch über die Farbe einer Parkbank entscheiden könnten. Die große Wiese zwischen Alpenstraße und Kleinem Ascherbach ist seit langem für ein Wohngebiet reserviert. Die Fläche – auch das wurde öffentlich nie bekannt – gehört inzwischen der Stadt. (Olf Paschen)

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