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So viele freie Parkplätze und das Restaurant hat ja sowieso dichtgemacht: Wer diesem Gedanken erliegt und seinen Wagen hier deshalb abstellt, kann eine böse Überraschung erleben

Wirtshaus war Auftraggeber

Auf Restaurantparkplatz lauert fiese Abschleppfalle - obwohl Lokal dauerhaft geschlossen ist

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Eine Stunde stand Monika K. auf einem Privatparkplatz eines langfristig geschlossenen Restaurants in Puchheim – dann wurde ihr Auto abgeschleppt. Zum Auslösen ihres Wagens sollte sie hunderte Euro zahlen.

Puchheim – „Ich wollte einem Bekannten etwas Gutes tun und ihm mein Auto leihen“, sagt die 55-jährige Monika K.. Dass dabei erst der Wagen und dann auch noch hunderte Euro weg sind, damit hat sie nicht gerechnet.

Wegen Problemen auf der S-Bahnstammstrecke hatte sich ein Bekannter von Monika K. ihr Auto übers Wochenende geborgt. Als sie den Wagen dann am Sonntagmittag abholen wollte, parkte er auf dem Parkplatz von Tonis Wirtshaus in der Adenauerstraße. Sie ging eine Stunde mit in die Wohnung des Freundes und als sie wieder kam, war das Auto verschwunden.

Auto auf Parkplatz in Puchheim abgestellt: 530 Euro waren ihr einfach zu teuer

„Ich wusste, dass es ein Privatparkplatz ist, aber das Restaurant, dem er gehört, hatte schon seit Wochen geschlossen“, erklärt die Karlsfelderin. Außerdem hatte sie das Hinweisschild, dass widerrechtliche abgestellte Fahrzeuge abgeschleppt werden, nicht gesehen. Erst die Polizei konnte ihr sagen, was mit ihrem Auto geschehen ist.

Als sie sich bei dem Abschleppdienst „Abschlepphilfe 24“ aus Gröbenzell meldete, kam gleich der nächste Schock. Wenn sie das Auto noch am selben Tag abholen will, würde sie das 530 Euro kosten – im Preis miteingerechnet 150 Euro Sonntagszuschlag. Das war der 55-Jährigen zu teuer und sie kam am nächsten Tag wieder.

Für zwei Tage Standgebühr – obwohl noch nicht einmal 24 Stunden vergangen waren – Anfahrt, Aufladen, Abfahrt und sonstige Gebühren kam dann am Ende ein Rechnungsbetrag von 380 Euro zusammen. Am besten in bar zu bezahlen, denn bei EC-Kartenzahlung wäre noch einmal eine Gebühr von drei Prozent dazu gekommen, so berichtet es K.. Ihr Auto fand sie schließlich ein wenig abseits, am Ende eines Weges hinter einem Bauzaun versteckt. Zuvor ließ sie sich aber den Auftrag zeigen und siehe da: Auftraggeber war Tonis Wirtshaus, aber Pächtername und Unterschrift fehlten. „Normalerweise muss derjenige, der abschleppen lässt, doch auch unterschreiben“, sagt K.. Außerdem ist die Methode, dass der Abgeschleppte die Dienstleistung bezahlen muss, eher unüblich und in einer rechtlichen Grauzone. „Ich kenne das nur, dass der Auftraggeber in Vorleistung gehen muss“, sagt die Karlsfelderin.

Grundsätzlich haben sowohl die Betreiber von Tonis Wirtshaus als auch der Abschleppdienst rechtens gehandelt. Laut Verbraucherzentrale dürfen die Auftraggeber das Eintreiben der Kosten auch an Dritte geben – und müssen nicht zwangsläufig in Vorleistung gehen. Es bleibt jedoch nicht nur für Monika K. ein fader Beigeschmack. Denn auch Anwohner wissen, dass immer wieder Abschleppfahrzeuge kommen und Autos mitnehmen, obwohl das Restaurant definitiv geschlossen hat.

Restaurant in Puchheim: Eigentümer sucht Pächter

Das bestätigt auch Mark Altner, der Eigentümer der Restaurantfläche: „Ich suche bereits seit einiger Zeit einen neuen Pächter.“ Er gibt zu, dass der Pachtvertrag im Augenblick noch läuft. Er betont außerdem: „Wenn ich der Wirt wäre, dann würde ich so etwas nicht machen. Das spricht sich ja herum.“

Die Pächterin selbst wollte zu der Sache keine Stellung nehmen und der Abschleppdienst gibt lediglich zu, häufiger Autos von dem Parkplatz an der Adenauerstraße in Puchheim abzuholen. Die Preise hält das Unternehmen für durchaus gerechtfertigt. Sie liegen auf Münchner Niveau, erklärt ein Mitarbeiter auf Tagblatt-Anfrage.

Monika K. hat zwar ihren Wagen wieder, ärgert sich aber immer noch über den unfreundlichen Umgang mit ihr und über das verlorene Geld. Sie hofft, dass bald Schluss ist mit dem Abschlepp-Wahnsinn auf dem Parkplatz von Tonis Wirtshaus.

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