Schimmel, Schmutz und Heizungen, die immer wieder ausfallen: In Puchheim hatten Mieter damit zu kämpfen.

Heizungen fallen immer wieder aus

Mieter kämpfen mit Schimmel und Schmutz - jetzt gibt es neue Hoffnung für Bewohner

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Tausende demonstrieren zurzeit in Berlin gegen Wohnungsnot und Wohnungsgesellschaften. Nun hat eine der beiden größten – die Deutsche Wohnen – 439 Wohnungen in der Pucheimer Planie übernommen. Dort empfängt man sie mit offenen Armen. Denn Jahrzehnte passierte nichts – Kälte und Schimmel machen so manches Zuhause zu einem Alptraum.

Puchheim – Es ist Anfang Dezember 2018. Zum ersten Mal in diesem Jahr ist es richtig kalt geworden. Manuela Siebert (Name geändert) dreht in ihrer Wohnung in der Kennedystraße die Heizung auf. Sie will es gemütlich machen für sich und ihre neunjährige Tochter. Doch die Rohre bleiben kalt. Es ist nicht das erste Mal, dass das passiert, erzählt die 34-Jährige.

Wohnungen in Puchheim: Heizungssysteme in den Mietshäusern stark veraltet

Und es ist kein Einzelfall, weiß der Puchheimer Anwalt Andreas Süssenguth. Er hat bereits an die 50 Mandanten aus der Planie vertreten. Seit dem Bau der Wohnblöcke in den 1970er-Jahren wurde nichts mehr saniert oder renoviert. In den Wohnungen schimmelt es, die Fenster sind undicht, die Heizungen fallen immer wieder aus und im Treppenhaus sammelt sich der Müll und andere Hinterlassenschaften. Seit 2013 gab es bereits fünf Vorort-Termine von Gerichtsvertretern aus München und Fürstenfeldbruck, die sich selbst einen Eindruck von den Verhältnissen machen wollten. Alle waren schockiert.

Eine von Süssenguths Klienten ist Manuela Siebert. Der Anwalt weiß, dass die Heizungssysteme in den Mietshäusern stark veraltet sind. Es wurden Einrohrheizungen eingebaut, die in einem Ringsystem vom Keller bis teilweise in den zwölften Stock Wärme transportieren müssen. „Dass da oben nicht mehr viel ankommt und die im Erdgeschoss eigentlich umsonst mitgeheizt werden, kann man sich ja vorstellen“, meint Süssenguth. Die Ineffizienz dieser Systeme führt zudem zu enormen Nebenkosten für jeden Mieter. Wenn sie denn überhaupt mal funktionieren.

Bei den Sieberts läuft im Dezember 2018 vier Tage lang gar keine Heizung mehr, obwohl sie es sofort gemeldet haben. Die Temperatur in der Wohnung der Sieberts fällt zwischenzeitlich auf zehn Grad. Dicke Pullis müssen gegen die Kälte helfen. Zum Waschen und Duschen wird Wasser in Töpfen erhitzt.

Zustände, die auch Hildegard Götz (68) und Wolfgang Dubbels (70) kennen. Sie wohnen beide seit über 30 Jahren in der Planie und haben viele Wohnungsverwaltungsfirmen kommen und gehen sehen. Doch sie sind optimistisch: Mit der Deutschen Wohnen, die seit Januar 2019 auch die Verwaltung der 439 Wohnungen von der Pecunia übernommen hat, wird es besser. Schon jetzt werden die Außenanlagen zwischen den Wohnblöcken umgebaut, die Fenster erneuert und teilweise die Dächer repariert. „Sie fragen sogar die Kinder, was sie sich für ihren neuangelegten Spielplatz wünschen“, sagt Hildegard Götz.

Schimmelbefall in Wohnungen, auch Müllentsorgung problematisch - mit Folgen

Beide sehen die Verantwortung für den Zustand der Wohnblöcke nicht nur bei der Hausverwaltungsgesellschaft. Vor allem feuchte Wäsche – zum Trocknen in der Wohnung aufgehängt – führt häufig zu Schimmelbefall. Aber auch die Müllentsorgung lässt zu wünschen übrig. Häufig werden Möbel einfach auf die Straße gestellt oder im Hausflur geparkt. Sodass es immer mal wieder brennt in der Planie.

Für die beiden Rentner ist die Sprachbarriere, die viele ausländische Mieter in der Planie haben, ein Mitgrund für die Verhältnisse. Teilweise können Wohnungsbegehungen nur mit Dolmetscher stattfinden, weiß Götz. Sie sieht in den Kindern den Schlüssel für ein gutes Zusammenleben.

Sie lernen sehr schnell und können ihren Eltern mit den Entsorgungsregeln und der Hausordnung helfen. „Multikulti ist schön, aber teilweise anstrengend“, sagt Götz und lacht.

Eine Verbesserung im Vergleich zu den vielen verschiedenen Hausverwaltungen vorher sieht Dubbels jetzt in der Erreichbarkeit. Die Deutsche Wohnen betreibt ein Büro vor Ort und „wenn etwas anfällt, kann ich gleich mit jemand reden“, sagt der 70-Jährige. Doch es ist noch ein langer Weg. Vor allem weil sich viele ausländische Mieter abgrenzen. Dabei kann man die Probleme doch nur gemeinsam angehen, wie Dubbels meint.

Bei Manuela Siebert ist es inzwischen soweit, dass nach mehreren Wochen ohne richtige Heizmöglichkeit die Wände ausgekühlt sind. In ihrem Schlafzimmer hat sich Schimmel weiträumig ausgebreitet. „Das ist nicht das erste Mal, dass ich Schimmel in der Wohnung habe“, sagt Siebert, „früher habe ich ihn einfach selbst weggemacht“.

Nachdem die Deutsche Wohnen übernommen hat, ist umgehend etwas geschehen. Da hat sich schon etwas verändert, merkt auch Siebert. Sie wohnt bereits seit zehn Jahren in der Wohnung in der Planie und hat inzwischen – vielleicht auch wegen des häufigen Schimmelbefalls – Asthma entwickelt. Sie sucht schon seit längerem für ihre kleine Familie eine neue Wohnung. Aber die Mieten im Münchner Speckgürtel machen es der Arzthelferin schwer.

Verheerende Brände in den vergangenen Monaten in Gebäuden in Puchheim

Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) sind die Verhältnisse ebenfalls bekannt. Er weiß, dass das Quartiersbüro Planie, das ZaP (Zentrum aller Puchheimer) und auch das Sozialamt tun, was in ihrer Macht steht. Oft sei es aber eben nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Laut Seidl wollte die Stadt über 400 Wohnungen 2016 selbst kaufen, denn die Kommune hat ein Vorkaufsrecht, doch man konnte mit der Deutschen Wohnen einen städtebaulichen Vertag abschließen, der viele Verbesserungen für die Mieter bringen soll. Auch Mieterschutz ist Bestandteil dieses Vertrags.

Allerdings werden nicht alle Planiebewohner von diesem Regelwerk profitieren. Denn der Anteil der Deutschen Wohnen macht nur ein Drittel der Wohnungen aus. Ein weiteres Drittel sind Eigentumswohnungen. Das letzte ist auf viele Investoren aufgeteilt, unter anderem gehören einige Wohnungen auch dem Branchenprimus Vonovia. „Hier haben wir keinen Einfluss, so lang die Investoren nicht verkaufen wollen“, sagt Seidl. In diesen Gebäudekomplexen kam es auch zu den verheerenden Bränden der vergangenen Monate.

Neue Hoffnung für Wohnungen in Puchheimer Planie

Nun ist der Schimmel vorerst verschwunden und auch der restliche Winter ging mit einer funktionierenden Heizung zu Ende. Manuela Siebert hat jetzt von der Hausverwaltung ein Luftfeuchtigkeitsmessgerät bekommen und führt seitdem ein Protokoll, in dem sie die Raumtemperatur und die Feuchtigkeit notiert. Die teils undichten Fenster sollen jetzt ebenfalls bald ausgetauscht werden. An ihrem Plan umzuziehen, habe sich dennoch nichts geändert, sagt die 34-Jährige. Doch im Augenblick scheint es bergauf zu gehen in der Puchheimer Planie.

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