Ein Auto fährt an einer Kreuzung in der Innenstadt an einem Radweg vorbei.
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Die Stadt will an dem vom Landkreis erarbeiteten Konzept der so genannten Mobilitätsstationen festhalten. Man möchte sich für eines von zwei Förderprogrammen bewerben. (Symbolfoto)

Man orientiert sich an der Großstadt München

Mobilitätsstationen sollen Verkehrswende vorantreiben

Die Stadt will an dem vom Landkreis erarbeiteten Konzept der so genannten Mobilitätsstationen festhalten. Man möchte sich für eines von zwei Förderprogrammen bewerben.

Puchheim – Der Entwicklungs- und Umweltausschuss des Stadtrats beschloss jetzt – nach lebhafter Debatte und gegen die Stimmen von CSU und Freien Wählern – sich gemeinsam mit anderen Kreis-Kommunen um die Aufnahme in eines von zwei Bundes-Förderprogrammen zu bewerben. Der ursprünglich vorgesehene Zuschussgeber hatte Bedingungen gestellt, die als unpraktikabel gelten. Unter anderem sollten die Anbieter von Leihrädern in einer offenen Ausschreibung gesucht werden. Der Landkreis setzt dagegen auf das in München-Stadt und München-Land bereits mit Erfolg erprobte MVG-Rad.

13 Standorte sind vorgesehen

In Puchheim sind insgesamt 13 Standorte vor allem an Bushaltestellen und am Bahnhof vorgesehen, an denen der Bürger Fahrräder per Handy-App ausleihen und wieder zurückstellen kann. An zwei Stationen ist auch ein Car-Sharing-Angebot geplant. Zur Ausstattung gehören außerdem Informations-Stelen und Ständer für das Privat-Radl. Ziel des Ganzen ist die Verknüpfung von öffentlichem Personennahverkehr und (möglichst unmotorisiertem) Individualverkehr.

CSU hält das Konzept für nicht praktikabel

Vor allem die CSU scheint die Idee aber mehr oder weniger für Unfug zu halten. Was in der Münchner Innenstadt unbestritten funktioniere, sei in Puchheim noch lange nicht erfolgversprechend, meinte Dominik Schneider im Ausschuss. Hier seien die Radler auf ihrem eigenen Gefährt unterwegs, Haltestellen seien fußläufig erreichbar, die Busse ohnehin nicht ausgelastet. Es fehle an einer definierten Zielgruppe und an einer Prognose zu Nutzer-zahlen.

Schneider hatte seine eigene Rechnung aufgemacht: Wenn er Daten aus Ismaning, einer der Spitzenreiter-Gemeinden im Münchner Ausleih-System, zu Grunde lege, komme er in Puchheim auf ein gemietetes Fahrrad alle sechs Tage. Pro Ausleihe müsse die Stadt 15 Euro zuschießen. „Dafür kann ich dem Einzelnen auch ein Taxi bezahlen.“

Verkehrswende vorantreiben

Natürlich sei das Ganze defizitär, antwortete Bürgermeister Norbert Seidl (SPD). Aber mit dem Straßenbau lasse sich auch kein Geld verdienen. Man könne und wolle in diesem Fall ein Defizit verantworten, um eben auch die Verkehrswende voranzubringen. Und sollte sich das Konzept als untauglich erweisen, könne man immer noch „die Bremse reinhauen“. Die Anfangsinvestitionen liegen geschätzt bei 300 000 Euro, die jährlichen Betriebskosten erreichen – je nach Anzahl der zur Verfügung gestellten Räder – zwischen 67 000 und 82 000 Euro abzüglich der eingenommenen Leihgebühren. Um in eines der Förderprogramme zu kommen, sollen die Mobilitätsstationen außerdem über das bisher Geplante hinaus aufgepeppt werden. Denn der Wettbewerb verlangt innovative Vorschläge mit „modellhaftem“ Charakter, die bundesweit übertragbar sind. Sogar „Erkenntnisgewinne zur Attraktivitätssteigerung des Radverkehrs“ versprechen sich die Auslober.

Keine Ladestationen für E-Bikes

Zu den bisher entwickelten innovativen Ideen gehören auf Kreisebene Reparatur-Stationen mit Pumpen und Werkzeug sowie Schlauch-Automaten. Modellhaft sind demnach auch die zusätzlichen Stellplätze für Lastenräder. Außerdem ist ein Unternehmen vorstellig geworden, dass ein Lastenräder-Sharing-System anbieten würde. Nur von den Ladestationen für E-Bikes wurde Abstand genommen. Dafür sahen die Experten aus den beteiligten Kommunen keinen Bedarf.  op

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