Die Ersparnisse vieler Frauen sind für immer verloren.
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Die Ersparnisse vieler Frauen sind für immer verloren.

Die Ersparnisse sind weg

„Total dumm von mir“: Krebskranke eiskalt abgezockt - Täter kommt mit milder Strafe davon

  • VonTobias Lill
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Gutgläubige ältere Damen hat ein Betrüger aus dem Landkreis Weilheim-Schongau mit einem sogenannten Schenkungskreis hereingelegt. Das Urteil fiel mild aus.

Puchheim – Donata E. weiß, was harte Arbeit ist. Viele Jahre lang schuftete sie tagein tagaus in der Gastronomie, führte etwa über zwei Jahrzehnte eine Gaststätte in Puchheim und zog drei Kinder groß. Viel konnte sie damals nicht zur Seite legen. Und eine Scheidung kostete sie einen großen Teil ihres bescheidenen Vermögens. Doch als dann vor Jahren der Krebs kam, konnte sie auf einmal nicht mehr arbeiten.

Das Ersparte schrumpfte weiter. 2013 hatte sie noch 15.000 Euro übrig. „Ich war verzweifelt“, erinnert sich die heute 60-Jährige. Die staatliche Unterstützung habe hinten und vorne nicht gereicht. Es klang deshalb verführerisch, was ihr Bekannte erzählten. Sie solle doch einfach Mitglied in einem sogenannten Schenkungskreis werden. Dessen Gründer war Markus Schneider (Name geändert), ein 72-jähriger Rentner aus dem Kreis Weilheim-Schongau.

60-Jährige erliegt der Verlockung: „Es klang so gut“

Das Konzept klang aus Sicht der Verzweifelten äußerst verlockend. Donata E. sollte für ihre 15.000 Euro Anteile an dem Schenkungskreis kaufen – nach einer gewissen Zeit sollte sie dann 60.000 Euro zurückbekommen. So berichtet es zumindest die Deutsch-Italienerin. „Es klang so gut“, erinnert sich die 60-Jährige.

Es habe geheißen, dass dort ein Polizist, ja sogar ein Richter mitmachen würden. „Und die müssen ja wissen, ob eine Geldanlage sicher ist“, sagt Donata E. rückblickend. Jedenfalls habe sie ihm schließlich ihre gesamten Rücklagen gegeben. „Er hat es quittiert“, erinnert sich die kranke Frau. Warum sie dem Versprechen glaubte, dass sich ihr Vermögen einfach so vervierfachen sollte? „Natürlich war ich selten blöd.“

Ein klassisches Schneeballsystem

Aber auch wegen der Chemotherapie dachte die Frau damals schlicht nicht rational. „Man sagte mir: Wenn neue Einzahler dazu kommen, sollten dann einzelne Gruppenmitglieder Geld bekommen“, erinnert sie sich. Also zahlte sie – und es kam wie es kommen musste: Ein ums andere Mal habe Schneider sie vertröstet. „Er ging nicht ans Telefon oder sagte, er müsse seine Mutter pflegen.“

Um Ausreden sei Schneider nicht verlegen gewesen. Irgendwann war klar: Donata E. wird ihr Geld nie wieder sehen. Schneider zahlte damit mutmaßlich andere Mitglieder des Schenkungskreises aus. Und nach Überzeugung der Ermittler bereicherte sich der Oberbayer aus dem Geld des Schenkungskreises selbst. „Aus meiner Sicht war das ein klassisches Schneeballsystem“, sagt auch Klaus Frank vom Opferverband Weißer Ring.

Opfer auch in München, Germering, Herrsching und Starnberg

Frank weiß als ehemaliger Polizeichef von Germering wovon er spricht. Auch Donata E. sagt rückwirkend: „Natürlich war das total dumm von mir, ein Riesenfehler.“ Aber sie habe nicht gewusst was sie tue. 2017 zeigte die Puchheimerin Schneider schließlich bei der Polizei an. Und mittlerweile ist klar: Auch andere Menschen aus dem Münchner Umland fielen auf den Betrüger herein. Opfer soll es in München-Trudering, Germering, Puchheim, Herrsching und Starnberg gegeben haben.

95 Tagessätze zu je 20 Euro als Strafe

In den vergangenen Wochen verhandelte das Landgericht München die Anklage gegen Schneider. Nun wurde er wegen Betrugs und unerlaubter Werbung zu 1900 Euro Strafe (95 Tagessätzen zu je 20 Euro) verurteilt. In der Verhandlung ging es um mehrere Zehntausend Euro – Teile davon waren jedoch strafrechtlich verjährt. Zivilrechtlich war sogar bereits alles juristisch nicht mehr relevant.

Das heißt, Donata E. und die anderen Opfer werden wohl niemals mehr einen Cent zurückbekommen. Dabei ist es Prozessbeobachtern zufolge gut möglich, dass die Schadenssumme für alle Betroffenen sogar im sechsstelligen Bereich liegt. Da ist etwa eine 78-jährige Rentnerin aus dem Münchner Norden. Eine Bekannte überredete sie zum Mitmachen. Die Frau habe geschwärmt: „Du brauchst keine Angst haben - ich kenne den Mann seit 20 Jahren.“

„Das war meine eiserne Reserve“

Am Ende waren 30.000 Euro von ihrem eigenen Geld und 10.000 Euro von zwei Freundinnen weg. Denen hatte sie die vermeintlich extrem lukrative Geldanlage empfohlen. „Das Geld habe ich den Freundinnen zurückgegeben. Ich habe sie ja hineingezogen“, sagt die 78-Jährige. Noch immer ist sie verzweifelt. „Das war meine eiserne Reserve.“ Nun müsse sie sich im Alltag deutlich einschränken.

Als die Rentnerin aus dem Münchner Norden von dem Totalverlust erfuhr, erlitt sie einen Herzinfarkt. „Ich habe mich unendlich aufgeregt“, erinnert sich die alte Dame. Beim Gerichtsverfahren war sie allerdings nicht dabei. Anders als Donata E.. Die Puchheimerin sagt: „Ich wollte Herrn Schneider sagen, was für ein Mensch er ist.“

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