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Hohe Heizkosten führten einst zum Zusammenschluss von Planie-Bewohnern.

Puchheim

Nach seiner Auflösung: Planie-Verein hinterlässt Vermögen

Weil die Bewohner der Planie genug hatten von völlig überhöhten Heizkosten, schlossen sie sich 1975 zu einer Gemeinschaft zusammen. Es sollte der zweitgrößte Verein in Puchheim werden – mit einem großen Vermächtnis.

Puchheim– Die Interessengemeinschaft der Planie-Bewohner gibt es schon seit neun Jahren nicht mehr, aber mit dem Vermögen des Vereins soll noch etwas Gutes getan werden. Nur wegen formaljuristischer Bedenken verzichtete der Stadtrat jetzt vorerst darauf, das Restvermögen zu gleichen Teilen an die Nachbarschaftshilfe und den Kinderschutzbund auszuschütten. Immerhin sind noch fast 33 000 Euro übrig. Dass die Politiker zu Testamentsvollstreckern werden, war in der Satzung des Vereins bestimmt worden.

Zur Geschichte der Selbsthilfe-Organisation

Wolfgang Dubbels, langjähriger stellvertretender Vorsitzender und zuletzt Liquidator der Interessenvertretung, erinnerte in einem Bericht vor dem Stadtrat noch einmal an die Geschichte der Selbsthilfeorganisation.

1975 hatten mehrere Mieter der großen Wohnblöcke die Nase voll von überhöhten oder gänzlich falschen Heizungs- und anderen Betriebskosten und schlossen sich zusammen. In seiner Hochzeit hatte die IG Planie über 800 Mitglieder und war der zweitgrößte örtliche Verein nach dem FC Puchheim.

Beeindruckend aber auch andere Zahlen: Vor Gericht wurde einmal die Rückzahlung von 360 000 Mark durchgesetzt. Ein Wärmelieferant hatte mit falschen Messskalen an den Heizkörpern gearbeitet.

Im Sinne der Bewohner redete der Verein aber auch mit, wenn es etwa um die Anlage von Wertstoffhöfen in dem Viertel oder um das Verkehrsaufkommen in der Adenauerstraße ging. Nach dem Tod des Gründers Ottmar Steigleder übernahm Dubbels nur für kurze Zeit den Vorsitz, eine längerfristige personelle Lösung fand sich nicht. 2010 wurde der Verein aufgelöst.

Lob für das Engagement

Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) lobte ein bürgerschaftliches Engagement, das durch den starken Zuspruch auch eine gewisse Macht gegenüber großen Unternehmen erlangt habe. Andererseits sei es erschreckend, wie schon damals versucht wurde, die Leute über den Tisch zu ziehen. Geburtshelfer Erich Pürkner (CSU), in dessen eigener Amtszeit als Rathaus-Chef die Interessengemeinschaft entstand, sprach von einem Verein, den man eigentlich weiter bräuchte. Die Probleme der Mieter in der Planie seien ja keineswegs weniger geworden.

Auf Vorschlag von CSU-Fraktionschef und Jurist Thomas Hofschuster wurde ein Beschluss über die Verwendung des Restvermögens vertagt. Denn es soll zwar durchaus in der Planie bleiben – als Erben vorgeschlagen waren das Mehrgenerationenhaus ZaP sowie das Quartiersbüro. Ohne eine Zweckbestimmung sei allerdings nicht sichergestellt, dass die Trägervereine tatsächlich in diesem Sinne handelten, warnte Hofschuster.

Da es sich andererseits nicht um ihr eigenes Geld handelt, kann die Stadt schwerlich Auflagen mit der Auszahlung verbinden. Bis zur nächsten Stadtratssitzung soll geklärt werden, wie weiter verfahren werden kann. (op)

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