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Neue Windrad-Technik für mehr Vogelschutz

Erneuerbare Ressourcen wie Wind und Sonne nutzen, um Strom zu erzeugen: Windräder sind ein wichtiger Pfeiler der Energiewende. Aber es gibt auch eine negative Seite, meinen zumindest Tierschützer: Sie fürchten um das Leben von Vögeln. Ob was dran ist? Ein neuartiger Schutz aus Puchheim soll das Problem beheben.

Puchheim – Windrad-Betreiber können ihre neue Anlagen am Ende oft nicht an den Standorten aufstellen, die ursprünglich geplant waren, weil sich hier geschützte oder seltene Vogelarten aufhalten. Das Unternehmen Phil-Vision hat mit einem Kunden eine mögliche Lösung des Konflikts zwischen Tierschützern und Windpark-Betreibern gefunden. Bird-Vision heißt das Computersystem, das die Mitarbeiter entwickelt haben und das seit Kurzem testen.

System unterscheidet zwischen Flugobjekten

Dabei werten am Fuße von Windrädern installierte Kameras, die gen Himmel gerichtet sind, Bilder von Flugobjekten aus. Das intelligente System kann zwischen Flugzeug, Wolken und Vögeln unterscheiden und meldet, wenn es etwa einen Greifvogel erkennt. Das Rad stoppt dann innerhalb von 20 bis 30 Sekunden seine rotierenden Flügel, die an der Spitze bis zu 300 Stundenkilometer schnell sein können. Bis zum Herbst 2020 erhoffen sich die Mitarbeiter von Phil-Vision ein positives Resultat durch den Prototypen, um damit zukünftig weitere Energie-Parks zu unterstützen.

Das junge Unternehmen ist in der Branche der Bildverarbeitung („Vision“) tätig. Vereinfacht gesagt, bedeutet das: Bilder aufnehmen und dann mit Informationstechnologien verarbeiten. „Daraus leitet sich auch der Firmenname Phil-Vision ab“, erklärt Geschäftsführer Patrick Gailer. „Phil“ stammt von dem Nachnamen seines Kollegen und Mitgründer Gregor Philipiak ab, der das Unternehmen bis 2017 führte, bevor es die beiden IT-Spezialisten zusammen mit Kollegin Angelika Thoma zu einer GmbH umfirmierten. Der Frauenanteil ist vorbildlich: „Tatsächlich haben wir seit Kurzem ein Verhältnis von 50 zu 50“, meint der 46-jährige Geschäftsführer. „Es war uns ein Anliegen und es war nicht besonders einfach. Aber darauf sind wir sehr stolz.“

Acht Mitarbeiter mit der Bildverarbeitung beschäftigt

Insgesamt acht Mitarbeiter beschäftigen sich aktuell in der Firma mit Themen rund um die Bildverarbeitung. In Deutschland würde diese vornehmlich bei der Qualitätskontrolle eingesetzt werden. „Beispielsweise, um Kratzer in einer Glasflasche zu erkennen oder ob ein Bildschirm richtig zusammengebaut wurde“, erzählt Gailer. „Aber auch Röntgengeräte arbeiten mit bildgebenden Verfahren, zum Beispiel, wenn es darum geht, einen Tumor zu erkennen.“ Die Palette für Lösungen, die das Unternehmen im Bereich Vision anbietet, ist somit breit.

Beim Projekt Bird-Vision handelt es sich nicht um die Qualitätsprüfung, sondern um Objekterkennung. Seit zwei Jahren sitzen Phil-Vision und der auftraggebende Kunde zusammen. Seit eineinhalb Jahren wird aktiv an der Umsetzung gearbeitet. Dabei wurde überlegt, welche Komponenten, wie beispielsweise Kameras, für das System benötigt werden und wie diese zusammengesetzt werden müssen. „Wenn das funktioniert, folgt die Informatik und Software“, berichtet der Emmeringer Gailer.

Kein einziger toter Vogel gefunden

Ob allerdings die Behauptung, dass Windräder den Vögeln zum Verhängnis werden, letztendlich wahr ist, kann auch Gailer nicht zu hundert Prozent bestätigen. „Ich weiß nur, dass seit Beginn der Gespräche vor zwei Jahren in dem Windpark des Kunden kein einziger Vogel tot aufgefunden wurde.“ Und das ohne Technik.

Ein kurioser Fall spielte sich jedoch ab: Unter einem Windrad wurde tatsächlich ein lebloser Vogel gefunden. Nach der Obduktion stellte sich heraus, dass dieser bereits zuvor mit einem Auto überfahren wurde und dann unter der Anlage platziert wurde. (Lisa Fischer)

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