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Wohnungen für hunderte Menschen: Noch mehr Hochhäuser in der Planie?

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Blick auf die Planie in Puchheim.
Blick auf die Planie in Puchheim. © Weber

In der Puchheimer Planie, auch als Kennedysiedlung bekannt, könnten weitere Hochhäuser entstehen. Der Entwicklungsausschuss des Stadtrats beschloss in seiner jüngsten Sitzung, eine Nachverdichtung grundsätzlich zu befürworten.

Puchheim – Allerdings mit einer Bedingung an die Eigentümer: die Siedlung muss aufgewertet werden.

Anlass war eine Anfrage der Projektentwicklungsgesellschaft „Isaria“. Diese hatte in einer Machbarkeitsstudie mehrere, bis zu neungeschossige Wohntürme vor allem auf bisherigen Parkplatz-Flächen vorgeschlagen. Die Münchner Isaria ist eine Tochter des Vonovia-Konzerns, der kürzlich auch die „Deutsche Wohnen“ übernommen hatte. Dem fusionierten Unternehmen gehört ein großer Teil der Gebäude (und Flächen) in der Planie.

Das höchste Hochhaus in Puchheim hat 17 Stockwerke: Die Vonovia-Tochter „Isaria“ will weitere in der Planie (Kennedysiedlung) bauen. ARCHI
Das höchste Hochhaus in Puchheim hat 17 Stockwerke: Die Vonovia-Tochter „Isaria“ will weitere in der Planie (Kennedysiedlung) bauen. © Weber

Dieses erste Konzept mit mehreren Varianten sieht anstelle der bisherigen Parkplätze ein- bis zweigeschossige Garagenbauten vor, auf denen wiederum die neuen Wohngebäude errichtet würden. Es soll aber Platz für eine intensive Dachbegrünung bleiben. Außerdem könnten zwei Tiefgaragen überbaut werden. In der Studie ist offenbar auch von gemeinschaftlich nutzbaren „Sozialräumen“ für die neuen Bewohner die Rede. Hunderte Menschen könnten zusätzlich zu den über 3000 Bewohnern der Planie hier ein neues Zuhause finden.

Zwischen Zustimmung und großen Sorgen

Das Konzept stieß im Ausschuss durchaus auf Zustimmung. Von einer „prinzipiell positiven Idee“ sprach Karin Kamleiter (CSU), Manfred Sengl (Grüne) sah eine „städteplanerisch interessante Geschichte“: Wenn man in Puchheim an Verdichtung denke, dann ja wohl in der zentralen Lage dort.

Auch Jean-Marie Leone (SPD) erkannte „gewisse Chancen für das Quartier“. Hauptziel der Stadt müsse aber eine bessere soziale Infrastruktur sein und nicht nur ein Mehrzweckraum. Auch brauche es für einen stimmigen Entwurf mehr als nur eine beteiligte Eigentümergesellschaft, damit nicht an einigen Stellen moderne Gebäude entstünden „und der Rest vergammelt“. Mittel der Wahl sei ein städtebaulicher Vertrag, durch den die Bauherren an den Folgekosten beteiligt werden.

Gewisse Skepsis

Skeptisch blieb Michaela von Hagen (FW): Die Pläne bedeuteten „für unser schwierigstes Gebiet in Puchheim“ noch keine Aufwertung: „Was haben die Menschen, die jetzt schon hier wohnen, davon, wenn wir 500 Leute dazu klatschen?“

Ähnlich kritisch äußerte sich Bürgermeister Norbert Seidl (SPD). Für ein solches Projekt brauche es zwei neue Planstellen in der Verwaltung und intensive Öffentlichkeitsbeteiligung, denn es sei mit „ernster Kritik zu rechnen, wenn wir ausgerechnet in dem Gebiet verdichten“.

Kritik an den Immobilien-Haien

Seidl will zunächst ein Bekenntnis der Eigentümer-Gesellschaft dazu, ihren Altbestand zu sanieren, bevor man einer Erweiterung näher trete. Angesichts der vielen Baustellen – Harbeck-Platz, Lochhauser Straße, Entwicklungsgebiet Alpenstraße und nicht zuletzt neue Stadtmitte – habe die Planie für ihn nicht die höchste Priorität.

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Sein Parteifreund Leone sprach daraufhin von einer Art Fürbitte des Bürgermeisters, der ja auch als Redner in der Kirche bekannt sei, wenn er an ein Entgegenkommen der Immobilien-Besitzer appelliere. Bisher sei in der Planie immer nur Beton verkauft worden, neue Eigentümer hätten gewöhnlich null Interesse an einer Modernisierung: „Aus reiner Menschenliebe macht da niemand was.“ Da nun aber schon mal ein Stein ins Wasser geworfen worden sei, sollte die Stadt das Gespräch mit den Bauwilligen suchen und sich nicht erst in einigen Jahren mit der Planung beschäftigen.

Sorgenviertel

Die in den 1970er-Jahren hochgezogene Trabantenstadt gilt auch wegen ihrer Bevölkerungsstruktur als Sorgenviertel. Zwar gibt es dort ebenso einige Reihenhäuser und in manchen Hochhäusern privates Wohneigentum, gerade die großen Wohnungsgesellschaften standen und stehen aber nicht im Ruf, viel in den Alt-Bestand zu investieren.

Eine Ausnahme war ein Eigentümerwechsel vor einigen Jahren. Da die Stadt ein Vorkaufsrecht hatte, konnte die Deutsche Wohnen als damalige Käuferin zu Sanierungen an Gebäuden und Außenanlagen veranlasst werden. Nach dem Willen des Ausschusses soll die Verwaltung nun mögliche erste Schritte für eine Überplanung des gesamten Quartiers sowie für eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung – anders als an der Alpenstraße und am Alois-Harbeck-Platz – skizzieren. (Olf Paschen)

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