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Vieles erscheint jetzt wie vor langer Zeit: Georg Huber nimmt Kompost und ersetzt so den Kunstdünger. 

Sinneswandel

Darum stellt Brucks Bauernobmann seinen Hof jetzt auf Bio um

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Immer mehr Menschen setzen auf ökologisch erzeugte Produkte – und immer mehr Bauern tragen dem Rechnung. Im Landkreis steigt jetzt ein besonders bekannter Landwirt auf ökologisches Wirtschaften um: Bauernobmann Georg Huber.

Puchheim-Ort Mehr als 800 Betriebe in Bayern haben laut Landwirtschaftsministerium 2018 auf Bio umgestellt. Einer davon ist aus Puchheim. Der Weg zum Bio-Bauern ist für Huber wie für alle anderen nicht einfach. Ein Vierteljahrhundert hat er es so gemacht, wie fast alle anderen zu jener Zeit. Boden bereiten, säen, düngen, spritzen, ernten, verkaufen. Die Früchte seiner Arbeit verschwanden dann in den Tiefen des Weltmarktes. „Was am Ende für mich übrig blieb, war überschaubar“, sagt Georg Huber.

Dann kam das Jahr 2018 mit seiner Extrem-Trockenheit. Bis auf Südbayern fielen die Ernten in der Republik extrem schlecht aus. Eigentlich hätten Hubers Produkte wegen des verknappten Angebots jetzt höhere Preise erzielen müssen. Doch dann kam wieder der Weltmarkt, fing das niedrigere Angebot in der Republik ab und sorgte so dafür, dass die Erlöse des Hofs in Puchheim-Ort stagnierten.

Beim Spritzen der Felder bekam Georg Huber von Bürgern den Vogel gezeigt

Und dann war da noch die ablehnende Haltung der Bürger gegenüber die konventionelle Landwirtschaft. Nicht selten bekam Huber beim Spritzen auf seinen Feldern den Vogel gezeigt. „Außerdem ärgerte sich der Puchheimer, dass so viele an ihm so viel Geld verdienen – etwa die Pflanzenschutz-Industrie. Doch Aufhören kommt für den 44-jährige Landwirt aus Leidenschaft nicht in Frage. „Ich wollte in einen Markt, wo meine Produkte wieder geschätzt werden.“

Nach langen Überlegungen beschlossen er und seine Frau Christine, ihren Kreuthof mit seinen 100 Hektar auf Bio umzustellen. Zwei Jahre darf Georg Huber auf seinen Äckern keine Bio-Produkte für den menschlichen Verzehr produzieren. Im Boden sind noch die Relikte der konventioneller Landwirtschaft. Also baut er Bohnen, Erbsen und Soja an – Futtermittel für andere Bio-Landwirte. Erst 2021 darf der Puchheimer seine Feldfrüchte zur Produktion von ökologisch erzeugten Lebensmitteln anbieten.

Statt 150 Kilogramm Dünger benötigt Georg Huber jetzt 5000 Kilogramm pro Hektar

Unterstützt wird Huber bei der Umstellung vom Verband Naturland, dem nach eigenen Angaben in 58 Ländern bereits 65 000 Bauern, Imker und Fischwirte angehören. Der Verband kontrolliert streng, ob sich der Puchheimer Landwirt an die Spielregeln hält. Dass er künftig noch mehr Arbeit hat, ist Huber klar. Ein Beispiel ist die Düngung. Musste er etwa pro Hektar bisher 150 Kilo mineralischen Stickstoff-Dünger ausbringen, um die Pflanzen optimal mit Nährstoffen zu versorgen, sind es jetzt rund 5000 Kilo organische Wachstumshilfen wie Mist oder Kompost. Und der Erfolg dieser Alternative ist zudem von der Witterung abhängig.

Auch die Unkrautbekämpfung wird arbeitsintensiver. Wo einst Chemie wirkte, ist jetzt Mechanik am Zug. Dafür hat sich Huber extra einen so genannten Striegel zugelegt – der wird hinten am Bulldog angebracht, und reißt lästiges Kraut heraus oder schüttet es zu. Auch ein Hackgerät und eine Getreide-Aufbereitungsanlage stehen auf Hubers Einkaufsliste. Diese soll das Unkraut, dass es beim Biolandbau unausweichlich mit zwischen die geernteten Körner schafft, entfernen. Sonst könnte die wertvolle Ernte verfaulen.

Georg Huber ist sich sicher: „Ich werde noch einiges an Lehrgeld bezahlen“

Die Kosten der Umstellung schätzt Huber auf rund 200 000 Euro. Noch hält sich der Mehraufwand in Grenzen. Der Pflanzenschutz der vergangenen 25 Jahre wird zumindest heuer das Unkraut einbremsen. Spätestens nach Ablauf der Zwei-Jahres-Frist sieht sich Huber bereits wie seine Vorfahren mit der Hacke übers Feld ziehen und Unkraut jäten. Denn überall kommt die Maschine nicht hin. Doch der Kreis-Bauernchef steht zu seiner Entscheidung – auch wenn die nächsten Jahre kein Zuckerschlecken werden. „Da werde ich noch einiges an Lehrgeld bezahlen.“

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