Als der alte Brunnen nicht mehr gebraucht wurde, entstand die Idee für einen Dorfplatz. Zu sehen ist der Initiator der dörflichen Grünanlage Emil Sollinger vor „seiner“ Steinernen Ente.
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Als der alte Brunnen nicht mehr gebraucht wurde, entstand die Idee für einen Dorfplatz. Zu sehen ist der Initiator der dörflichen Grünanlage Emil Sollinger vor „seiner“ Steinernen Ente.

Puchheim war eines der ersten Dörfer Bayerns

Pioniere der zentralen Wasserversorgung

  • Andreas Schwarzbauer
    vonAndreas Schwarzbauer
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Vom handbetriebenen Brunnen zum kilometerlangen Leitungsnetz: Puchheim schafft bereits Mitte der Dreißiger Jahre eine zentrale Wasserversorgung, die bis heute besteht. Versorgt wurden zunächst sogar die Nachbargemeinden.

Puchheim – Als eines der ersten Dörfer in Oberbayern schaffte Puchheim Mitte der 1930er-Jahre eine zentrale Wasserversorgung an. Zuvor mussten die Puchheimer ihr Wasser aus Brunnen auf ihren Anwesen holen. 1935 gründeten sie eine Wassergenossenschaft. Bei der Gründungsversammlung stimmten 42 der 49 Anwesenden dafür. Bei den Vorstandswahlen 14 Tage später waren allerdings nur noch 26 Interessenten dabei. Es war bekannt geworden, dass für jeden Anschluss 1000 Reichsmark fällig wurden. Das schien einige abgeschreckt zu haben.

Erster Vorsitzender wurde Josef Wörl. Ihm lag das Thema Wasser wohl im Blut. Auf seinem Anwesen befand sich jahrhundertelang das dörfliche Bad und die Besitzer betätigten sich als Bader. 1936 ließ die Wassergenossenschaft ein Pumpenhaus mit Wasserrad im Gröbenbach errichten. Es befand sich neben dem damaligen Sägewerk der Familie Spiegl, der sie das Wasserrecht abkaufen musste. Außerdem entstanden ein sieben Meter tiefer Brunnen auf der gegenüberliegenden Straßenseite sowie ein Hochbehälter auf dem Parsberg. Am 27. Juli wurde die Anlage eingeweiht.

Mit dem gewonnenen Wasser belieferte Puchheim anfangs nicht nur die eigenen Einwohner, sondern für vier Pfennige pro Kubikmeter auch Germering. Erst 1946 errichte die Nachbargemeinde einen eigenen Brunnen mit Pumphaus. Die Rohrgräben wurden damals noch mit Schaufel und Pickel gegraben und wieder verfüllt.

Im Jahr 1940 gab es einen ersten Rückschlag: Eine Hochwasserkatastrophe verursachte an der Pumpenanlage einen Schaden von 4000 Reichsmark. Doch anschließend ging es aufwärts.

Neun Jahre später schafften sich die Puchheimer ein größeres Wasserrad und eine leistungsstärkere Kolbenpumpe an. In den 60er-Jahren wuchs das Leitungsnetz immer weiter. 1967 wurden Wasserzähler installiert, sodass jeder Haushalt seinen tatsächlichen Verbrauch bezahlte. Zuvor richtete sich der Preis für das Wasser nach der Anzahl der Personen und des Großviehs eines Anwesens. Schweine und Ziegen spielten keine Rolle für die Höhe der Abgabe.

Die Pumpenanlage aus dem Jahre 1936.

Nach dem Einbau der Zähler betrug der Wasserpreis 20 Pfennige pro Kubikmeter, zudem war jährlich eine Zählergebühr von 4 Mark fällig. 1970 grub die Wassergenossenschaft am Holzkirchner Weg einen neuen Brunnen – diesmal mit einer Tiefe von 30 Metern. Der alte Brunnen wurde nicht mehr benötigt.

So entstand beim Obst- und Gartenbauverein die Idee, dort einen Dorfplatz zu schaffen. Mitte der 70er-Jahre bepflanzten die Mitglieder das Grundstück. 1985 errichtete der Verein mit der „Steinernen Ente“ zusätzlich einen eigenen Brunnen und verband ihn mit dem bestehenden. Diese Anlage wird vom Wasser und der alten Pumpe des Wasserversorgungsverbands gespeist.

Wie ehedem treibt ein Wasserrad im Gröbenbach die alte originale Pumpe an, die das Wasser aus dem Flachbrunnen holt. Im Rahmen der Dorferneuerung wurde die Anlage saniert und mit einer angrenzenden Welle nebst Sandkasten zu einem Spielplatz am Wasser erweitert. Der Wasserversorgungsverband verfügt heute über Leitungen mit einer Länge von 12 800 Metern und beliefert 725 Wohngebäude und Anwesen in Puchheim-Ort.

Die Serie

Die Geschichte Puchheims reicht bis ins Jahr 950 zurück. Im Tagblatt blickt der Kulturverein d’Buachhamer auf die wichtigsten historischen Ereignisse und die Entwicklungen des Ortes zurück. Wer vor Ort einen Eindruck von der Geschichte des Stadtes bekommen will, kann außerdem die 22 Stationen des Geschichtspfads besuchen.

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