Wo früher Blumen wachsen konnten, ist nun nur noch Stein: Diese Art der Gartengestaltung ist in Puchheim bereits seit Längerem in der Diskussion.

Ökologie in der Stadt

Puchheim sagt Steinwüsten den Kampf an

Viele Bauherren setzen derzeit auf praktische und todschicke Steinflächen in ihren Gärten. Auch Kies ist beliebt. Die sogenannten Steinwüsten sind allerdings in Puchheim stark in der Kritik – nicht zuletzt wegen des Ökosystems. Die Stadt will nun bestimmte Weichen stellen, damit die Gärten wieder grüner werden.

Puchheim – Bauherren, die ihren Garten mit pflegeleichten Steinen oder modischen Kies auslegen, dürften künftig ein Problem bekommen. Dem Planungsausschuss des Stadtrats lag jetzt ein ganzer Katalog von Bestimmungen, vor, die in einer künftigen Freiflächensatzung enthalten sein könnten. Die möglichen Anforderungen reichen von einem simplen Minimum an Grün auf den Freiflächen bis hin zur Fassadenbepflanzung, vom Mindestumfang, den ein Baum aufweisen muss, bis zum begrünten Müllhäuschen. Eine endgültige Liste soll jetzt der Umweltbeirat erarbeiten.

Steinwüsten sorgen für Kopfschütteln im Gremium

Puchheim auch in den Vorgärten grün zu halten oder es wieder werden zu lassen, ist eine alte Forderung von Naturschützern. Fahrt nahm das Thema aber auf, als im zuständigen Fachausschuss des Stadtrats ein Bauantrag in der Lochhauser Straße behandelt wurde. Der dort geplante, ausschließlich gepflasterte Bereich zwischen Straße und Neubau, ohne einen einzigen Strauch oder auch nur Halm, ließ auch Mitglieder den Kopf schütteln, die nicht der Grünen-Fraktion angehören. Ergebnis war der Wunsch nach einer kommunalen Rechtsvorschrift, die solche kleinen Steinwüsten verhindern könnte.

Das Bauamt machte sich daraufhin in ähnlichen Satzungen anderer Kommunen kundig und listete insgesamt 14 mögliche Vorschriften auf. Vieles wurde dabei offengelassen: Kann man für eine schmale Doppelhaus-Hälfte einen ebenso großen Anteil Grün verlangen wie beim großzügigen Einfamilienhaus-Grundstück? Braucht es unterschiedliche Regelungen für Wohn- und Gewerbegebiete, was ist mit der Lochhauser Straße, die mit Blümchen oder gar Gartenzwergen vor den Läden vielleicht nicht ganz dem erhofften Bild einer modernen Geschäftsstraße entsprechen würde? Und geht es nur um Vorgärten, ein Begriff, der übrigens rechtlich gar nicht definiert ist.

Wie umsetzen?

Oder sollte man auch die rückwärtigen, ebenfalls – wie die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt – zunehmend versiegelten Freiflächen einbeziehen? Die Vorschrift würde nur bei Neubauten oder Änderungen im Bestand gelten und auch nur da, wo es keinen Bebauungsplan gibt, der in der Regel ohnehin Vorschriften zur Grünordnung macht.

„Niemand wird gezwungen, seinen Garten umzugraben“, hieß es von Seiten der Verwaltung. Thomas Hofschuster (CSU) wandte sich trotzdem gegen einen Eingriff ins Eigentum des Einzelnen und eine Drangsalierung der Bürger. Zumal nicht klar sei, wie Verstöße kontrolliert und geahndet werden sollten, wenn es heute offenbar schon zu schwer falle, die Leute zum Heckenschneiden zu bewegen. Möglicherweise könne ja die kommunale Verkehrsüberwachung, wenn sie eh schon unterwegs sei, abschätzen, ob ausreichend Grün in den Gärten wächst, spottete der Unions-Fraktionschef.

Michaela von Hagen (FW) war nicht so skeptisch. Sie sorge sich aber um die älteren Mitbürger, die jetzt schon Probleme beim Schneeräumen hätten und künftig auch noch ihr vorgeschriebenes Grün pflegen müssten.

Ganz anderer Meinung wahr Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl (SPD): Es sei doch wohl legitim, dass man sich Gedanken über das Ortsbild und über ökologische Verantwortung mache. In Eigentumsrechte greife die Stadt mit jedem Grundsteuer-Hebesatz und mit jedem detaillierten Bebauungsplan ein. Und was die Senioren betreffe: „Die Älteren schätzen ihren Garten. Die haben es lieber grün, als alles zuzupflastern.“ (Olf Paschen)

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