Tobias Gautsch: Man kann sich gegenseitig aushelfen und die Ressourcen bündeln.

Puchheim

So sollen kleine Firmen stärker werden

  • Andreas Daschner
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Kleine Firmen haben gegenüber den Marktriesen oft Nachteile. Die Puchheimer Michael Bergmann und Tobias Gautsch wollen das nun ändern. Ihre Idee: Wenn die Kleinunternehmen als Schwarm auftreten, sind sie stärker.

Puchheim – Höhere Einkaufspreise aufgrund geringerer Abnahmemengen sind nur ein Beispiel dafür, dass Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen immer wieder den Kürzeren ziehen. „Aber wir wollen nicht nur eine Einkaufsgemeinschaft sein“, sagt der Puchheimer Tobias Gautsch. Er selbst leitet bereits in zweiter Generation zwei kleine Firmen in Puchheim.

Sein Schwager Michael Bergmann war dort als Prokurist tätig und kennt die Probleme kleiner Firmen deshalb ebenfalls aus dem Effeff. „So ist bei ihm die Idee entstanden, dass diese Firmen sich untereinander helfen könnten“, sagt Gautsch. Was zum Beispiel, wenn eine Firma mangels Aufträgen freie Kapazitäten bei den Mitarbeitern oder übriges Material hat, die einem anderen Kleinunternehmen gerade fehlen? Oder wenn man eine stärkere Verhandlungsposition beim Abschluss von Versicherungen braucht? Gemeinsam ist man stärker, dachte sich Bergmann. „Man kann sich gegenseitig aushelfen und die Ressourcen bündeln“, erläutert Gautsch.

„Mein Schwarm“ heißt die Plattform, die bei dieser Bündelung helfen soll und hinter der die neue Firma „Indy Cloud“ mit Gautschs Firmen als Gesellschaftern steht. Zu finden ist sie im Internet unter der Adresse www.meinschwarm.com. „Jetzt muss diese Plattform mit Leben gefüllt werden“, sagt Gautsch. Zunächst einmal sprechen Bergmann und Gautsch Firmen in einem Umkreis von rund 50 Kilometern um Puchheim an.

Der Schwarm soll mittelfristig aber weder räumlich noch bei den Branchen begrenzt sein. Jedes kleine bis mittlere Unternehmen kann und soll mitmachen. „Ein Schwarm lebt von seiner Größe“, sagt Gautsch. Anmelden kann man sich einfach über die Homepage. Ein paar allgemeine Fragen müssen dafür auch beantwortet werden, um die Unternehmen richtig einordnen zu können.

Etwaigem Misstrauen von Firmeninhabern tritt Gautsch entschieden entgegen: „Wir wollen keinen Datenklau betreiben, sondern nur eine Plattform aufbauen“, betont der Puchheimer. Auch versteckte Kosten müsse keiner befürchten. „Mein Schwarm“ sei kostenfrei.

Gautsch ermuntert die Firmen, mitzumachen. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass nichts passiert.“ Also dass der Austausch zwischen den Firmen nicht so funktioniert, wie geplant. Doch davon geht Gautsch freilich nicht aus.

Schließlich arbeiten er und Bergmann bereits am nächsten Schritt der Schwarmbildung. Bergmann befindet sich seit mehr als drei Jahren in Thailand, wo er aber nicht etwa Urlaub macht. „Er hat dort ein Programm für kleine Firmen entwickelt, die sich nicht gleich ein SAP-Programm leisten können“, berichtet Gautsch.

Das Programm beherrscht unter anderem Rechnungsstellung und Archivierung und läuft über eine Cloud. „So sind die Eingaben von einem Arbeitsplatz in Echtzeit an allen anderen Arbeitsplätzen zu sehen“, sagt Gautsch.

Das Programm unter die Schwarmmitglieder zu bringen, ist aber eher ein mittel- bis langfristiges Ziel. Denn die Programmierung war trotz des Ausweichens nach Bangkok, um Kosten zu sparen, nicht billig. „Wir wollen es am liebsten kostenlos zur Verfügung stellen“, sagt Gautsch, schließt aber einen geringen Preis nicht aus. Doch vorher muss der Schwarm erst über die bereitstehende Online-Plattform zum Leben erwachen.

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