Kulturausschuss beschließt Entwurf

Stadtarchiv ist bei Bürgern gefragt – und bekommt eine Satzung

Puchheim – Jeder, der „berechtiges Interesse“ hat, kann künftig im Stadtarchiv recherchieren. Durch eine eigene Satzung wird künftig geklärt, welchen Aufgaben das Archiv dient und wer es zu welchen Zwecken nutzen darf.

Ein Grund für die Neuerung war auch die zunehmende lokalgeschichtliche Neugier in der Bevölkerung. Von nun an ist geregelt, dass jedermann mit einem „berechtigten Interesse“ Einblick in die Aktensammlung nehmen kann. Dieses Interesse können beispielsweise Lehrer für Unterrichtszwecke haben, es reicht aber auch der Wunsch nach Erforschung der Familiengeschichte.

Nur wer publizistisch arbeitet und für eine Veröffentlichung Material aus dem Puchheimer Stadtarchiv benutzt, ist angehalten, ein Belegexemplar zu überlassen. Von den Nutzern wird außerdem erwartet, dass sie selbstständig arbeiten können und nicht ständig nach der Archivarin rufen und dass sie paläographische Kenntnisse besitzen. Also nicht schon an der alten deutschen Schrift scheitern.

Wie Archivarin Mandy Frenkel in einer kurzen Befragung dem Ausschuss berichtete, erreichen sie viele Anfragen, die sich telefonisch oder per Mail beantworten lassen. Zwei oder drei Mal im Monat, zuletzt offenbar häufiger, werden allerdings auch umfangreichere Recherchen angestellt. Das zunehmende Interesse bedeutet natürlich Aufwand, ist aber nicht unwillkommen. Schließlich ist es auch ein Anliegen des Stadtarchivs, Ortsgeschichte präsenter zu machen.

60 laufende Meter an wichtigen Dokumenten lagern im Rathauskeller

Diesem Zweck diente zuletzt die Ausstellung über die ehemalige Hausmullfabrik, die nächste widmet sich dem Rathaus-Neubau vor 50 Jahren. Aus den Begleittexten soll eine kleine Schriftenreihe entstehen. Außerdem in der Planung: Ein wirtschaftsgeschichtlicher Rückblick auf die Ertel-Feinmechanik-Werke, von den 1950er- bis in die 1980er-Jahre einer der großen Arbeitgeber in Puchheim-Bahnhof.

Im Keller des Rathauses lagern – klimareguliert – rund 60 laufende Meter an Protokollen, Briefen und Meldekarten, Bauplänen und Zeitungsartikeln über Puchheim, aber auch Fotos und Schriftliches aus privaten Nachlässen. Wirklich archiviert und erschlossen, nicht nur gelagert, wird dieses Material erst seit einigen Jahren.

Das älteste Dokument im Stadtarchiv ist ein Beschlussbuch mit den Entscheidungen des Gemeinderates aus den 1860er-Jahren. Ergiebigste, nur nicht ganz einfache Quelle ist der Lehrer Johann Rawein, der ab 1900 für 32 Jahre auch Gemeindeschreiber war. Seine Notizen sind nicht nur in Sütterlin, sondern auch in einer furchtbaren Klaue abgefasst.

von Olf Paschen

Rubriklistenbild: © dpa

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