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Trotz Protest: Grünes Licht für Harbeck-Platz

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Sie versuchten noch einmal alles, um ein Dutzend alter Bäume zu retten: Die Aktivisten der Puchheimer Klimawache im Kulturzentrum PUC, wo kurz darauf der Stadtrat über die Zukunft des Alois-Harbeck-Platzes entschied.
Sie versuchten noch einmal alles, um ein Dutzend alter Bäume zu retten: Die Aktivisten der Puchheimer Klimawache im Kulturzentrum PUC, wo kurz darauf der Stadtrat über die Zukunft des Alois-Harbeck-Platzes entschied. © Privat

Es ist das größte Bauprojekt in Puchheim: Der Alois-Harbeck-Platz nahe des S-Bahnhofes wird großflächig umgestaltet.

Puchheim – Der Stadtrat gab nun grünes Licht für die Pläne. Enttäuscht war die Gruppe Aktivisten, die sich für den Erhalt der Bäume eingesetzt hatte. Vor dem Sitzungssaal stellte sich der Bürgermeister noch der Diskussion mit den Klimawächtern. Diese hatten „Im Zweifel für den Baum“ auf ein Plakat geschrieben und sich nicht mit dem Argument zufriedengeben wollen, dass man einem Investor eben auch entgegenkommen müsse. „Es geht immer nur ums Geld“, meinte eine der Teilnehmerinnen.

Auch die Aktuelle Viertelstunde nutzten zwei Aktivistinnen noch, um den Politikern ins Gewissen zu reden. Aber es nutzte alles nichts. Bei nur sechs Gegenstimmen billigte nun der gesamte Stadtrat die Umgestaltung des Alois-Harbeck-Platzes und damit die Fällung von einem Dutzend alter Bäume, die einem Parkplatz für den neuen Vollsortimenter im Weg stehen.

Kritik an „massivem Baurecht“

In der Bürger-Fragestunde sprach Christa Steinbrecher von einem Auto-gerechten Projekt ohne nachhaltigem Energie-Konzept, das zudem kaum zusätzlichen Wohnraum schaffe. Und das „massive Baurecht“ gehe zulasten der Aufenthaltsqualität. Ihre Mitstreiterin Maria Rothbucher, selbst zehn Jahre in einer der Wohnungen am Platz zuhause, wusste noch von drei Pächtern, die sich im damaligen Supermarkt nicht halten konnten: „Jetzt machen wir den gleichen Fehler wieder.“

Aber niemand habe es sich mit der Entscheidung leicht gemacht, widersprach Rathaus-Chef Norbert Seidl (SPD). Man habe sich nicht blinden Auges gegen die Bäume entschieden, „da hat jeder schlucken müssen“. Sein Parteifreund Jean-Marie Leone erinnerte an die möglicherweise längste Sitzung in der Geschichte Puchheims. Nämlich als der Entwicklungsausschuss im Dezember vor allem über den Bebauungsplan diskutierte: „Das haben wir nicht aus der hohlen Hüfte entschieden.“

Neuer Marktplatz

Vertreter fast aller Fraktionen fassten die Argumente für einen neuen Marktplatz als Teil einer künftigen Stadtmitte noch einmal zusammen. Die Stadt dürfe bei der künftigen Wohnungsbelegung mitreden und das für 30 Jahre. Man bekomme eine neue größere Kindertagesstätte – und eine „vielfältige Gastronomie“, wie sie Thorsten Heil (CSU) erwartet. Für ihn war ein positives Votum „keine Entscheidung gegen die Bäume, sondern für eine belebte Innenstadt“.

Ein Meilenstein?

Oft genannt wurde auch die Kooperationsbereitschaft der Investorin, die offiziell immer „Vorhabensträgerin“ genannt wird: Harbeck-Enkelin Laura Stieber habe alles ernst genommen, was vonseiten der Bürger und der Stadt eingewendet worden sei und „nichts vom Tisch gewischt“, sagte Leone. Das Projekt sei ein „Meilenstein“ für Puchheim, der bisher nur Tristesse ausstrahlende Platz gewinne ein „modernes, freundliches Gesicht“. Auch Michaela von Hagen (FW) fand, dass der 50 Jahre alte Platz „nicht so bleiben kann, wie er ist“. Und ein privates Bauvorhaben sei nun einmal „kein Wunschkonzert“.

Kontroverse Diskussion

Etwas schwerer tat sich Grünen-Sprecherin Gisella Gigliotti, die von kontroversen Diskussionen in ihrer Fraktion berichtete. Man zahle – wegen der Bäume – einen hohen Preis, bekomme aber einen „attraktiven Platz“ und „moderne Einkaufsmöglichkeiten“. Nur für die Unabhängigen Bürger (ubp) war laut Jürgen Honold der Erhalt der Bäume auch der „zentrale Punkt“, der eine Zustimmung unmöglich mache.

Etwas Schärfe brachte noch die CSU in die Diskussion, die den Kritikern vorwarf, womöglich aus parteipolitischen, taktischen Gründen von der ursprünglich einstimmig beschlossenen Vorplanung abgerückt zu sein. Manfred Sengl (Grüne) nannte daraufhin die Frage „nicht ehrenrührig“, ob es in diesen Zeiten noch Auto-Parkplätze in solchen Dimensionen brauche. Im Übrigen müsse dieser Stadtrat „auch nicht alles einstimmig“ beschließen.

So geschah es denn auch: Gegen den Bebauungsplan, der jetzt nochmals öffentlich ausgelegt wird, stimmten geschlossen die ubp sowie Rebecca Genzel und Lydia Winberger von den Grünen. (op)

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