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Ein bekannter Anblick in der Stadt: Robert Zobernig mit seinem Arbeitsgerät.

Er macht sauber

Was ein Straßenfeger in Puchheim erlebt

Seit acht Jahren ist Robert Zobernig auf den Straßen der Stadt und rund um den Bahnhof im Einsatz.

Puchheim – Es ist wieder mal der ganz normale Wahnsinn heute. Seit Stunden regnet es. Robert Zobernigs orange-schwarzer Arbeitsanzug mit den silbernen Leuchtstreifen ist nass, von seiner Schirmmütze tropft das Wasser. Der Unrat, den er mit dem Reisigbesen und anderen Gerätschaften von den Gehsteigen entfernen soll, klebt und schmiert. Aber der 51-Jährige hat trotzdem gute Laune.

Tagein, tagaus sorgt er für Sauberkeit auf Puchheims Straßen. „Ich mache das gerne“, sagt Zobernig und nimmt einen Schluck Kaffee im Stehen. Es ist halb elf, um sieben hat sein Dienst angefangen. Wie immer ist er mit dem Fahrrad aus Gröbenzell herüber gekommen, wo er mit seiner Frau lebt.

Nach der kurzen Pause im Bauhof schwingt er sich wieder aufs Rad und fährt zum Dreh- und Angelpunkt seines Jobs – dem Puchheimer Bahnhof. Hier soll es ordentlich aussehen, und das ist jeden Tag aufs neue eine Herausforderung.

Achtlos weggeworfener Abfall, Zigarettenkippen, Papierfetzen und Plastik – wenn das alles nur vom Pflaster gekehrt werden müsste, würde es ja noch gehen. Aber der Müll liegt auch unter den Fahrradständern, wo der Besen kaum hinkommt. Hier nimmt der 51-Jährige manchmal einen Laubbläser zu Hilfe – aber immer so, dass kein Schmutz auf die geparkten Räder fliegt. „Ich passe auf, dass ich sauber arbeite“, erzählt er.

Sein Job macht ihm Spaß – und das sieht man. „Ich mache das gerne“, sagt Robert Zobernig.

Eines Tages begann Zobernig, sich auch um die bis dato vernachlässigten Grüninseln auf dem Bahngelände zu kümmern. Oft holt er unter den Bodendecken jede Menge leere Bierflaschen heraus. Besonders schlimm ist das zu Zeiten des Puchheimer Volksfests oder wenn in München die Wiesn tobt. „Manchmal ist es eine Zumutung“, sagt der 51-Jährige. Denn gelegentlich muss er auch Hundehaufen oder Erbrochenes beseitigen. Aber selbst das tut er mit Gleichmut. „Wenn ich’s nicht mache, macht es keiner.“ Manchmal entsorgen Leute sogar ihren Hausmüll irgendwo in der Öffentlichkeit – bis hin zur kaputten Kaffeemaschine.

Mit dem Besen kommt der Bauhofmitarbeiter nicht überall hin. Um den Müll unter den Radlständern zu entfernen, nimmt er manchmal einen Laubbläser zu Hilfe.

Wenn er am Bahnhof fertig ist, kümmert sich Zobernig um die Straßen im Puchheimer Ortskern, die Umgebung des Rathauses, die Spielplätze. Dass ihm die Arbeit ausgeht, ist noch nie vorgekommen und auch nicht zu erwarten. Kurt Ambros, stellvertretender Bauhofleiter, hat manchmal den Eindruck, dass der Müll immer mehr wird. „Je mehr Abfalleimer wir aufstellen, desto mehr werfen die Leute daneben – nach dem Motto, irgendjemand wird’s schon wegräumen.“

Seit über acht Jahren ist Robert Zobernig dieser Jemand. Ursprünglich hat er Werkzeugzerspaner gelernt, fand aber keinen Job. Er verdingte sich als Hausmeister („das war nicht so toll“) und in einem Großlager, wo er bei einem Arbeitsunfall einen Trümmerbruch des Unterschenkels erlitt.

Die Arbeitsagentur riet ihm zu einer Weiterbildung zur Logistikfachkraft. Doch dann war eines Tages die Stelle im Puchheimer Bauhof ausgeschrieben.

Dort sind sie froh, dass sie Zobernig haben. Einen, der immer sieht, wo etwas zu tun ist. Der bei Eiseskälte früh um vier zum Winterdienst antritt, der im Frühjahr den Split wegkehrt und im Herbst das Laub. Der Äste von Gehwegen zurückschneidet und regelmäßig die Straßenecken an Kreuzungen auskehrt. Der seinen Job trotz einer leichten Behinderung 150-prozentig erledigt und dabei immer freundlich und hilfsbereit ist.

„Er ist super“, sagt Ambros. Früher schlug sich der Bauhof für die Straßenreinigung mit wechselnden Aushilfen herum. Jetzt ist alles anders – und der Unterschied deutlich zu sehen.

Von Ulrike Osman

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