So sah die Kapelle im Jahr 2010 aus – die Linden wurden 2011 gefällt.
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So sah die Kapelle im Jahr 2010 aus – die Linden wurden 2011 gefällt.

Puchheim

Die wechselhafte Geschichte einer Kapelle

  • Andreas Schwarzbauer
    vonAndreas Schwarzbauer
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Die Laurentiuskapelle steht seit 160 Jahren an der Mitterlängstraße. Ihr ursprünglicher Standort war allerdings weiter westlich.

Puchheim – Weil eine Heiligenfigur durch Klopfen auf sich aufmerksam gemacht haben soll, errichtete ein Puchheimer Landwirt um 1840 die Laurentiuskapelle an der Mitterlängstraße. Doch die Geschichte der kleinen Kirche geht wesentlich weiter zurück.

Sie wurde bereits 1560 in einem Visitationsbericht der Pfarrei genannt. Auf der Straßenkarte „Mappa Specialis“ um 1776 ist an der Straße nach Olching, der heutigen Eichenauer Straße, außerorts die Kirche St. Lorenz bildlich eingetragen. Die genaue Lage lässt sich gut nachvollziehen, da der Bauer Leonhard Spiegl beim Pflügen rote Ziegelsteine vom Fundament freilegte. Außerdem traten Mörtel- und Putzreste zutage. Die Kapelle stand wohl rund 18 Meter von der Eichenauer Straße entfernt und war zehn Meter lang sowie sechs Meter breit.

Früher stand die Kapelle an einem Feldweg.

Ihre Geschichte könnte allerdings noch weiter zurückreichen: Der Namenspatron Laurentius zeugt häufig von einer sehr frühen Gründung der Kirche. Er genoss bei den christlichen Römern ein hohes Ansehen. Der Kult um den Heiligen gelangte wohl im vierten Jahrhundert über die römischen Heerstraßen über die Alpen nach Bayern. Dass in der Nähe der Kapelle, am Laurenzerweg, Überreste einer römischen Villa und eines baiuwarischen Friedhofs gefunden wurden, spricht für eine lange Historie der Kapelle. Die Kapelle an der heutigen Eichenauer Straße wurde Aufzeichnungen zufolge 1783 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Die Steine wurden zur Erweiterung der Pfarrkirche verwendet.

Laurentius starb 258 als Märtyrer in Rom. Die Legende erzählt, dass er in jungen Jahren nach Rom kam und ihn der römische Bischof Sixtus II zu einem der sieben Diakone der Ewigen Stadt bestellte. Der Christenverfolger Kaiser Valerian ließ ihn auf einem Rost über stetig unterhaltenem Feuer zu Tode zu martern. Deshalb ist der heilige Laurentius der Schutzpatron vieler Berufsgruppen, die mit offenem Feuer zu tun haben, wie der Feuerwehrleute oder Köche. Sein Festtag wird am 10. August gefeiert.

Die Holzfigur des Hl. Laurentius steht nicht mehr in der Kapelle.

Nach dem Abbruch dauerte es mehr als 50 Jahre, ehe Anton Obermayer, der Drexlerbauer, an anderer Stelle erneut eine Laurentiuskapelle errichtete. Der Legende nach soll die Heiligenfigur, die am Drexlerhof aufbewahrt wurde, durch Klopfen signalisiert haben, dass sie wieder „ins Feld zurück“ wolle. Obermayer wählte die heutige Mitterlängstraße als Standort. Anfangs stand sie dort zwischen mächtigen Bäumen auf freiem Feld. In den 1970er-Jahren entstand bis hin zur Kapelle eine Wohnsiedlung. Aus dem bisherigen Feldweg wurde eine Straße und die Laurentiuskapelle bildete mit den Bäumen eine Verkehrsinsel.

Da das Straßenniveau höher lag als die Kapelle, wurde diese 1975 abgebrochen und höhengleich neu erstellt. Bei den Abbrucharbeiten entdeckten die Bauarbeiter im Giebel einen Zettel mit folgendem Inhalt: „Diese Kapelle wurde zum Andenken an die einst an der Olchinger Straße im Acker vom Spiegl ,Zum Schmidmichel’ bestandene Kirche erbaut. Die Kapelle wurde im vierten Kriegsjahr im Mai 1943 von den Unterzeichneten wieder in Stand gesetzt.“ Zwei große Linden rahmten die kleine Kapelle viele Jahrzehnte ein. 2011 mussten die Bäume wegen Alter und Krankheit gefällt und durch neue ersetzt werden. Die alte Holzfigur des Hl. Laurentius ist inzwischen anderweitig untergebracht. In der Kapelle ist ein Bildnis aufgestellt.

Die Serie

Die Geschichte Puchheims reicht bis ins Jahr 950 zurück. Im Tagblatt blickt der Kulturverein d’Buachhamer auf die wichtigsten historischen Ereignisse und die Entwicklungen des Ortes zurück. Wer vor Ort einen Eindruck bekommen will, kann die 22 Stationen des Geschichtspfads besuchen.

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