Noch mit einem Baugerüst umrahmt ist ein sieben-stöckiges Holz-Hochhaus. Von September bis Dezember 2020 wurde der Rohbau des Gebäudes hochgezogen
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Der Puchheimer Entwicklungsausschuss diskutierte jüngst über die Höhe einiger Wohnhäuser. (Symbolbild)

Diskussion entfacht

Puchheim: Wie hoch dürfen Hochhäuser sein?

Sollten ausgerechnet die höchsten Wohnhäuser im Osten Puchheims noch höher werden? An dieser Frage entzündete sich im Entwicklungsausschuss des Stadtrats jüngst eine lebhafte Diskussion.

Puchheim – Die vier Mehrfamilienhäuser an der Gröbenzeller Straße, gleichermaßen weit ab von Lebensmittelgeschäften, Bahnhöfen und Kinderbetreuungsmöglichkeiten eigneten sich nun wirklich nicht zur Nachverdichtung, meinten die einen. Neuer Wohnraum werde in Puchheim immer gebraucht, so die andere Position, und im übrigen lägen die Häuser in gewisser Weise ja auch zentral – genau zwischen den Zentren von Gröbenzell und Puchheim-Bahnhof nämlich. Eine Lösung wurde noch nicht gefunden.

Nach dem Wunsch der Eigentümer sollen die vier zusammenhängenden Gebäude aus den 70er Jahren um eine Etage mit insgesamt acht Wohnungen aufgestockt werden. Technisch ist das wegen des Flachdachs möglich, der uralte Bebauungsplan für diese Gegend verbietet es auch nicht und grundsätzlich soll ja eher der Innenraum von Städten und Gemeinden genutzt werden, um neue Wohnungen zu schaffen, als im Außenbereich Fläche zu versiegeln.

„Wenn wir es hier zulassen, haben wir keine Argumente mehr, es anderswo im Zaum zu halten“, Manfred Sengl (Grüne)

Allerdings sollen die Menschen am besten auch dort leben, wo sie alles in der Nähe finden und nicht unbedingt ein Auto brauchen. Der Standort an der Gröbenzeller Straße ist aber über einen Kilometer vom nächsten Supermarkt (in Gröbenzell) entfernt. Der nächste Kindergarten ist 900 Meter weit weg, die nächste Schule 1,4 Kilometer. Zur S-Bahn sind es 2,2 Kilometer und sogar zur Bushaltestelle läuft man 150 Meter.

Das Bauamt störte sich aber auch noch an etwas anderem: Mit dem neuen Dachgeschoss würden die Gebäude eine Firsthöhe von fast 16 Metern erreichen, fast schon Planie-Maße und zwei Meter mehr als die höchsten Bauten in der Nähe. Massigkeit und Höhe stünden in einem Missverhältnis zur Umgebungsbebauung – meist Reihenhäuser – und seien daher „unverträglich“.

Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) widersprach seiner eigenen Verwaltung. „Ich seh’ ein Riesenhaus, das wird es auch danach noch sein. Rüberschauen kann ich eh nicht.“ Thorsten Heil von der CSU sprach von einer eigentlich „zentralen Lage zwischen Puchheim und Gröbenzell“ und forderte, die Chance wahrzunehmen: „Viele Familien wären dankbar, wenn sie Wohnraum bekommen.“

Für Stadtentwicklungsreferent Jean-Marie Leone (SPD) wären dagegen bei einer Aufstockung Probleme mit den Nachbarn vorprogrammiert: „Wenn wir nachverdichten, dann müssen wir nicht am höchsten Haus anfangen.“ Manfred Sengl (Grüne) warnte vor einem gefährlichen Beispiel: „Wenn wir es hier zulassen, haben wir keine Argumente mehr, es anderswo im Zaum zu halten.“

Auf Vorschlag von Seidl soll jetzt noch einmal mit den Eigentümern und deren Architekten verhandelt werden. Als Alternative war nämlich auch ein Anbau auf dem bisherigen Garagenhof vorgeschlagen worden. Der würde dann durch eine Tiefgarage ersetzt.

Das würde eine teilweise Begrünung ermöglichen und den optischen Eindruck des „sanierungsbedürftig erscheinenden“ Ensembles verbessern, fand die Verwaltung. Aber auch diese Idee könnte einen Haken haben. „Ich glaub’ nicht, dass das so gut ankommt bei den Bewohnern, wenn sie 40 000 Euro für einen Tiefgaragenplatz oder mehr Miete zahlen müssen,“ vermutete Sengl. Olf Paschen

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