Eine römische Villa Rustica (wie diese, die im Naturpark Altmühltal nachgebaut wurde) war früher auch in Puchheim zu finden. 	Fotos: stadtarchiv puchheim
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Eine römische Villa Rustica (wie diese, die im Naturpark Altmühltal nachgebaut wurde) war früher auch in Puchheim zu finden.

Puchheim

Eine lange Siedlungsgeschichte: Wie viele Schätze liegen hier noch verborgen?

  • Andreas Schwarzbauer
    vonAndreas Schwarzbauer
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Archäologische Funde belegen, dass Puchheims Siedlungsgeschichte mehr als 2000 Jahre zurückreicht. Ein Indiz hierfür sind die Überreste einer so genannten römischen Villa Rustica. Es könnte aber noch mehr zu entdecken geben.

Puchheim – Die Gegend um Puchheim war offenbar sehr früh beliebt. Dort hatten sich bereits Kelten, Römer und Bajuwaren angesiedelt. Das zeigen Ausgrabungen am Alten Laurenzerweg. Bei Erdarbeiten für einen Abwasserkanal entdeckten Bauarbeiter im Jahre 1963 Stein- und Ziegel-überreste in der Erde. Zunächst vermuteten der Kreisheimatpfleger und sein Kollege, dass es eine „eigenartig gebaute Römerstraße“ sei.

Bei einer genaueren Untersuchung stellten sie fest, dass es sich um Mauerwerk aus der Römerzeit handelte – mit einer Stärke von 60 Zentimetern. Es bestand aus Tuff- und Rollsteinen, die mit Mörtel verbunden waren. Das Gebäude war 6,60 Meter breit und 9,50 Meter lang. Die Archäologen entdeckten zudem die Überreste einer römischen Fußbodenheizung, Scherben und Pfeilspitzen.

Funde im Laurenzer Feld.

Das Landesamt für Denkmalpflege stand damals unter so großem Zeitdruck, dass es die beiden Grabungen am Laurenzerweg vorzeitig abbrach. Der Kulturverein „d’Buachhamer“ wünscht sich allerdings, dass die archäologischen Untersuchungen mit einem Bodenradar weitergehen. Die Stadt Puchheim soll diese veranlassen. Offenbar erwartet man sich noch mehr aufschlussreiche Fundstücke aus der Vergangenheit.

Fest steht: Die Römer eroberten im Jahre 15  vor Christi das Voralpenland und gründeten rund 50 Jahre später die Provinz Rätien. Sie durchzogen das Land mit Heerstraßen, an denen militärische Stützpunkte entstanden. Um diese mit Nahrungsmitteln zu versorgen, bauten die Römer Gutshöfe, die man Villa Rustica nannte.

Eine dieser Heerstraßen führte nach „Augusta Vindelicum“ (dem heutigen Augsburg) und überquerte bei Schöngeising die Amper. Bei den Mauerüberresten in Puchheim handelt es sich wohl um eine ehemalige Villa Rustica der römischen Kaiserzeit – aus der Zeit 15 nach Christi bis Ende des vierten Jahrhunderts.

Innerhalb und außerhalb dieser Überreste wurden zudem 27 bajuwarische Reihengräber aus dem frühen Mittelalter (sechstes bis achtes Jahrhundert) entdeckt. Bei zwei Grabungen wurden neben Skeletten auch Grabbeigaben wie Hiebschwerter, Messer, bronzene und eiserne Gürtelschnallen, ein Armreif sowie Glasperlen freigelegt. Das deutet darauf hin, dass auch noch die Bajuwaren den Gutshof nutzten oder eine kleine Siedlung um ihn herum entstand.

Perlenkette aus frühchristlicher Zeit. 

Im siebten Jahrhundert war eine Bestattung auf eigenem Grund im Umfeld des Hofes (Hofgrablegen) möglich. Aber auch eine frühe Friedhofsanlage außerhalb des nun entstandenen Dorfes Puchheim wäre nicht ungewöhnlich, zumal auch die kleine St. Lorenzikirche in der Nähe stand.

Doch die Geschichte lässt sich sogar noch weiter zurückverfolgen. Denn neben römischem Mauerwerk und bajuwarischen Gräbern fanden sich auf dem Areal ebenso Überreste der Kelten aus der vorrömischen Eisenzeit (450 vor Christi bis zur Geburt Christi). Einige Fundstücke sind im Heimatmuseum Fürstenfeldbruck zu sehen. Vielleicht kommen weitere hinzu, sollte es neue Untersuchungen geben.

Die Serie

Die Geschichte Puchheims reicht bis ins Jahr 950 zurück. Im Tagblatt blickt der Kulturverein d’Buachhamer auf die wichtigsten historischen Ereignisse und die Entwicklungen des Ortes zurück. Wer vor Ort einen Eindruck bekommen will, kann außerdem die 22 Stationen des Geschichtspfads besuchen.

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