Umbau

Puchheim will bei Bahnhof mitbestimmen

Die Stadt sieht die Chance, die langfristige Zukunft des Bahnhofs mitzugestalten – nicht nur beim barrierefreien Ausbau. Um festzulegen, was man genau will, wurde jetzt eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet.

Puchheim – Die Stadt will auch mitreden, wenn es um die langfristige Zukunft ihres Bahnhofs geht. SPD und CSU setzten im Planungsausschuss des Stadtrats jetzt durch, dass sich Puchheim über den barrierefreien Ausbau des S-Bahn-Haltepunkts hinaus Gedanken macht und etwaige Wünsche dem Verkehrsministerium mitteilt. Wenn man schon gefragt werde, sollte man auch Stellung beziehen, war die Meinung der Mehrheit.

Von überflüssiger Arbeit war dagegen bei den kleinen Fraktionen die Rede: Die Bahn mache ohnehin, was sie wolle. Es genüge vollauf, noch einmal auf die Wunschlösung für einen behindertengerechten Zugang zu drängen: nämlich ein neuer Außenbahnsteig auf der Nordseite und zwei Aufzüge in der bestehenden Unterführung.

Nach jahrelangen Protesten aus Puchheim, insbesondere vom Behinderten- und vom Seniorenbeirat, hatte das federführende bayerische Verkehrsministerium im vergangenen November die Umbauplanung überraschend wieder auf Null gestellt. Statt der bisher favorisierten zweiten Unterführungsröhre mit Liften zum Mittelbahnsteig sollte jetzt doch noch einmal andere Möglichkeiten untersucht werden. Die Stadt wurde aufgefordert, eine klare alternative Ausbauvariante zu benennen.

Der Außenbahnsteig, war zwar schon vor Jahren voruntersucht und vorgeschlagen worden. Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) und seine Verwaltung sahen aber jetzt auch die Chance, nicht nur an die alte Wunschlösung zu erinnern, sondern auch weitere Weichen zu stellen. So könnte man überlegen, ob es nicht auch Sinn mache, wie von der Bahn gewünscht, den Mittelbahnsteig zu erhalten. Denn vielleicht werde Puchheim doch mal irgendwann zur Regionalzug-Haltestelle. SPD-Fraktionschef Jean-Marie Leone erinnerte an die zweite Unterführung, die man sich eigentlich mehrheitlich wünsche, solange sie nicht für Behinderte der einzige Zugang zur S-Bahn sei, sondern eine freiwillige Alternative für Fahrgäste. Eine solche zusätzliche Bahn-Querung werde es aber wohl nur im Zusammenhang mit dem barrierefreien Ausbau geben. „Jetzt ist die Tür offen, wir könnten uns einbringen,“ sagte auch CSU-Sprecher Thomas Hofschuster.

Bei den kleineren Fraktionen im Puchheimer Stadtrat hielt man davon wenig. Um dem Ministerium fundierte Vorschläge zu machen, brauche es mehr qualifizierten Sachverstand, als die vorgeschlagene Arbeitsgruppe aus Stadträten und Verwaltung aufbringen könne, fand Reinhold Koch (ubp). „Wir kennen doch den Partner Bahn,“ schimpfte sein Fraktionskollege Max Keil: Alle Arbeit, die man sich mache, werde am Ende umsonst sein. Manfred Sengl (Grüne) wollte sich nicht mit Details beschäftigen, die für den barrierefreien Ausbau keine Rolle spielten. Für Seidl dagegen sind die weitere Nutzung eines (Mittel-)Bahnsteigs und eine zweite Unterführung „Grundsatzfragen“.

Mehrheitlich wurde beschlossen, eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Fraktionen, der Verwaltung und – falls sie es wünschen – der beiden Beiräte einzurichten. Die soll ein- oder zwei Mal über die Wünsche zur Bahnhofszukunft beraten.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Runge hat inzwischen wegen des barrierefreien Umbaus noch einmal nachgefragt. Auch ihn wundert, dass von Puchheim eine neue Beschlusslage gefordert wird, wenn doch die Wünsche der Stadt bekannt sein müssten. Tatsächlich aber hatte sich der zuständige Planungsausschuss des Stadtrats vor vier Jahren dem Votum der Bahn gefügt und mehrheitlich für die Mittelbahnsteiglösung gestimmt – in der Befürchtung, anderenfalls gar keinen oder einen nur um Jahre verspäteten Ausbau der Station zu bekommen. Dieser Beschluss muss jetzt formal korrigiert werden.

Dass der Termin 2021 für den Umbau-Abschluss durch den aktuellen Planungsstopp nicht mehr zu halten ist, war allen Beteiligten klar, ist aber auch von Behinderten- und Seniorenbeirat akzeptiert worden. Einen neuen Termin kann das Verkehrsministerium auf Runges Anfrage nicht nennen. (op)

Grüne sind entsetzt über Steinwüste am Bahnhof: Den Puchheimer Grünen wird die Stadt zu grau. Sie haben einen Antrag an den Stadtrat verfasst, dass Grüninseln und Rondelle in Kreisverkehren Zug um Zug in den kommenden drei Jahren in Blühinseln umgewandelt werden.

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