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Fahrräder ohne Ende: Auch ein Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt Kopenhagen.  

Klimaschutz

Puchheim will von Europas Radl-Hauptstadt lernen

Der Klimaschutz ist in aller Munde, Puchheim setzt dabei besonders auf die Radler. Im Rahmen der Mobilitätswoche ging es auch um ein großes Vorbild – und was man davon lernen könnte.

Puchheim – Eine ganze Woche lang war in Puchheim wie auch anderswo in Europa die Mobilität der Zukunft das große Diskussionsthema. Es gab Ausstellungen und Vorträge, Fahrradtouren und sogar die kleine Umgestaltung eines Stücks Straßenraums zu einem temporären Cafè. Wie es heute schon anders geht, wo die Verkehrszukunft bereits begonnen hat, beleuchtete eine kleine Gesprächsrunde an einem Abend in der alten Ortler Schule: Kopenhagen und was man von Europas Fahrradhauptstadt lernen könne, lautete das Thema. (Das holländische Amsterdam, ähnlich zweiradfreundlich gestaltet, wurde als zweites Beispiel mitbehandelt).

Fahrradfreundliche Kommunen

Die meisten Podiumsgäste kannten die dänische Hauptstadt von einer Reise mit der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen, der auch Puchheim angehört – und schienen noch Monate danach begeistert. 62 Prozent aller Kopenhagener nutzen das Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Es gibt dort zwei Meter breite Radwege, die mit einem Bordstein von der Straße getrennt sind. Radler haben an Kreuzungen früher grün, kommen teilweise auf einer grüne Welle durch die Stadt – und können schräg aufgestellte Mülleimer im Vorbeifahren benutzen. Und das Ganze äußerst „unaufgeregt“, wie sich ein Teilnehmer wunderte: Dass die Massen Fahrrad fahren und dabei Vorrechte genießen, fühlte sich nicht radikal an, sondern ganz normal eigentlich.

Zu viele Verkehrstote

Zwar wurde betont, dass das heutige Bild Ergebnis eines jahrzehntelangen Umdenk- und Umbauprozesses ist. Der war in Kopenhagen eben auch politisch gewollt oder in Amsterdam aufgrund zu vieler Verkehrstoter von der Bevölkerung erzwungen worden, wie Udo Schiemann vermutete. Er war als heuer erfolgreichster Puchheimer Stadtradler eingeladen, aber auch als Leiter des städtischen Tiefbauamtes, der eben auch für die Radwege zuständig ist.

Im Autoland Deutschland tue man sich mit solchem Umdenken noch schwer, glaubte Heinrich Moser vom alternativen Verkehrsclub Deutschland (VCD). Selbst die Veränderung der Straßenverkehrsordnung, die heute Sicherheit höhere Priorität einräumt als dem Verkehrsfluss, komme nur „in homöopathischen Dosen“ voran und werde kaum umgesetzt.

Radler im Pulk unterwegs

Es liege auch „im Kopf“, an der Mentalität, meinten mehrere Teilnehmer. Obwohl die deutschen Radler in Kopenhagen meist im Pulk unterwegs waren, habe er in zwei Tagen „kein böses Wort“ von irgendeinem dänischen Autofahrer gehört, erzählte Aurel Zimmermann von der Agentur „green city experience“. In Kopenhagen werde auch von allen regelkonformer gefahren, ergänzte die parteifreie Gräfelfinger Bürgermeisterin Uta Wüst. Ein Rechtsabbieger am Steuer warte eben auch mal 50 bis 60 Radler ab, die wiederum steigen auf dem Gehweg ab.

In Kopenhagen sehe man außerdem kaum einen Radler mit Helm, Kinder fahren auf dem Gepäckträger mit, berichtete ein Zuhörer. Das alles wirke viel entspannter. In Deutschland, wo erst Viertklässler – nach erfolgreicher Prüfung – zur Schule radeln dürfen, undenkbar. Und dabei seien die helmlosen Dänen manchmal auf wahren „Klapperkisten“ unterwegs, könnten halt aber auch „alle saugut fahren“, so Seidls Erfahrung. Vielleicht seien sie einfach „weniger nervös“ als die Radler hierzulande.

Radeln als bequeme Alternative

Seine Kollegin Wüst klang nicht so skeptisch. In Dänemark sei das Radeln eben auch nicht mit erhobenem ökologischen Zeigefinger zum Massenphänomen geworden, sondern als bequeme, sichere und immer schnellere Alternative. Eine Mobilitätswende müsse halt auch „sexy“ daherkommen. Anzeichen für einen Mentalitätswandel sieht sie durchaus. Bei manchen Familien sei es heute schon chic, nicht nur den Tesla in der Garage stehen zu haben sondern auch das Lastenfahrrad. (op)

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