Noch ein letztes Mal tritt der Puchheimer Liederkranz um die Vorsitzende Lydia Moises ( l.) und Chorleiter Martin Bernhardt (r.) auf

Puchheim

Zum Jahresende verstummt der Liederkranz

Kurz vor dem 100. Geburtstag muss sich der Puchheimer Liederkranz auflösen. Den Aktiven macht das Singen aber weiterhin Spaß. Nur gegen das Ende des Gesangvereins konnten sie nichts tun.

Puchheim – „Es ist sehr traurig,“ bedauert Lydia Moises, Vorsitzende des Liederkranzes Puchheim. Im kommenden Jahr hätte der Gesangverein seinen 100. Geburtstag gefeiert. Doch Ende des Jahres löst er sich auf, der Nachwuchs fehlt.

1920 war der Chor aus der Taufe gehoben worden, als reiner Männerchor. 39 Männer hatten sich damals zusammengetan um gemeinsam zu singen, überwiegend Puchheimer aber auch einige Eichenauer.

Zu ihren Anfängen war die Gesangsgruppe ein reiner Männerchor (unten), erst viele Jahre später durften auch Frauen mitsingen.

Als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, wurde der Chor verboten. Erst Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, 1951, wurde er als Männergesangsverein Liederkranz neu gegründet. Doch es blieb nicht bei einem ausschließlichen Männerchor, auch Frauen wollten mitsingen. 1955 wurde der Männergesangsverein dann offiziell zum gemischten Chor umgewandelt. Letztlich waren es dann sogar mehr Frauen als Männer, die in dem Chor aktiv waren.

1974 folgte die Umbenennung zum „Liederkranz Puchheim“. Seit 1990 ist der Chor ein eingetragener Verein. Ein Mal in der Woche kamen die Sängerinnen und Sänger zusammen, um gemeinsam zu üben. Zunächst wurde dazu das Gasthaus Wipfler genutzt, später das Pfarrheim St. Josef in der Allinger Straße und zuletzt die Kreuzkirche an der Gröbenzeller-/Lagerstraße.

Zudem stand möglichst jedes Jahr ein gemeinsames Chorwochenende auf dem Programm, meist zur Vorbereitung auf ein bevorstehendes Konzert. Denn in der Regel trat man einmal im Jahr öffentlich bei einem Konzert auf. Das Repertoire des Gesangvereins war groß. Lieder von Robert Schumann, Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy oder Ludwig van Beethoven gehörten ebenso dazu, wie Songs aus Musicals von George Gershwin, den Comedian Harmonists oder anderen Werken. In den vergangenen Jahren hat der Liederkranz Puchheim zudem häufiger zu einem offenen Singen eingeladen. „Das kam sehr gut an“, schwärmt Lydia Moises.

Immer weniger Leute

Die Leiter haben auch immer wieder einmal gewechselt, 30 Jahre lang hatte Ursula Hatzak den Chor im Griff. Als sie dann vor wenigen Jahren aus Altersgründen die Leitung abgab, ging nicht nur sie in Rente, mehrere Sängerinnen zogen sich ebenfalls zurück.

Es kamen zwar auch jüngere Sänger nach, doch das regelmäßige Proben war ihnen oftmals zu viel Belastung und sie sprangen wieder ab, bedauert Moises. Und dann musste noch der Probentag von einem Montag auf einen Donnerstag verlegt werden. Der aktuelle Chorleiter, Martin Bernhardt, hatte keinen anderen Termin frei. Wieder verabschiedeten sich einige Sänger, die an dem Tag keine Zeit hatten.

Heute sind es lediglich sieben Damen und drei Herren, die im Liederkranz mitsingen. Aber vor allem „die Männer gehen ab“, betont Lydia Moises. „Das Stimmvolumen ist nicht mehr gleichmäßig verteilt.“ „Das befriedigt nicht“, stellt sie bedauernd fest. Im Sommer kam es daher zu einer Sondersitzung des Vereins und die Anwesenden beschlossen mit großer Mehrheit die Auflösung des Chors.

Für die Sängerinnen und Sänger geht so teils eine jahrzehntelange Mitgliedschaft zu Ende. Lydia Moises selbst hat seit ihrer Jugend, seit 1957, in dem Chor mitgesungen und war über 30 Jahre Vorsitzende des Vereins Liederkranz.

Am 21. Dezember lädt der Chor noch einmal um 16.30 Uhr zu einem letzten gemeinsamen Singen in den Pfarrsaal St. Josef ein. Danach ist Schluss. Sänger und Chorleiter werden sich anschließend ein letztes Mal zusammensetzen, um Abschied zu nehmen. Es soll aber kein Abschied auf ewig werden. Ausgemacht ist, dass die Chormitglieder sich alle zwei Monate treffen. Vielleicht wird dann hin und wieder ein Lied angestimmt. (sus)

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