Nicola Mehner durfte die Kanzlerin in Berlin treffen.

Auf Strumpfsocken in die regierungszentrale

Puchheimer Asylhelferin zu Besuch bei der Bundeskanzlerin

Nicole Mehner aus Puchheim hat die Bundeskanzlerin getroffen. Sie war eine der 140 Vertreter  der rund 150 Fllüchtlingsinitiativen, die von Merkel empfangen wurden. 

Puchheim– Bei dem Gruppenfoto mit rund 150 Leuten war sie am Schluss natürlich dabei, aber ein Selfie mit der Regierungschefin ist ihr nicht gelungen. Zu viele Menschen stürmten nach der Podiumsdiskussion im Bundeskanzleramt nach vorne, um sich mit Angela Merkel abzulichten, und Nicola Mehner wollte nicht auch ihre Ellenbogen einsetzen, um den besonderen Moment zu dokumentieren. Aber auch ohne Beweis für die Nachwelt hat sich für die 52-jährige Industriekauffrau die Reise nach Berlin gelohnt. „Beeindruckend“ nennt sie die Veranstaltung, bei der Vertreter von 140 der rund 1500 Flüchtlingsinitiativen im Land von der Bundeskanzlerin empfangen wurden. Mehner war die Abgesandte des Puchheimer Asylhelferkreises.

Merkel hatte sich über eine Stunde Zeit genommen, um sich mit fünf Aktiven auf dem Podium zu unterhalten und anschließend auch noch Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Und beispielsweise gestand, dass ihr nicht geläufig sei, dass auch Kinder noch nach ihren Eltern einen Asylantrag stellen müssten. Und dass ihr manchmal die Hände gebunden seien, sie auch nicht immer so handeln könne, wie sie es am liebsten tun würde. „Hinter der steifen Politikerfassade kommt jemand zum Vorschein, der was Persönliches hat,“ urteilt Mehner. Lebhaft, nicht gestellt, ohne „vorformulierte Phrasen“ sei die Kanzlerin rübergekommen.

Mehner arbeitete mehrere Jahre für die evangelische Kirche im westafrikanischen Mali und half schon vor drei Jahren in der Münchner Bayern-Kaserne, die ersten Flüchtlinge zu versorgen. Heute gehört sie zu den Koordinatoren“im Puchheimer Asylhelferkreis. Auch sie hatte sich in Berlin zu Wort gemeldet, um nach dem Arbeitsverbot für noch nicht anerkannte Asylbewerber zu fragen – über WhatsApp übrigens live unterstützt von den Kollegen aus der Heimaststadt. Aber „ein ganzer Wald von Händen“ hob sich gleichzeitig, und so viel Zeit hatte Merkel dann doch nicht.

Aber immerhin gab es eine kleine Führung durch das Bundeskanzleramt und einen Imbiss vor und nach dem Event. Schnittchen, Streuselkuchen, Kaffee und Tee. „Aber Flüchtlingshelfer sind eh anspruchslos,“ scherzt Mehner, „und dankbar für alles, was es gibt.“ Nur dass sie die Regierungszentrale auf Strumpfsocken betreten musste, war dann doch etwas befremdlich. Beim Scannen ihres Schuhwerks ertönte ein verdächtiges Gepiepse in der Eingangsschleuse. Aber es war falscher Alarm. Sie bekam ihre Schuhe zurück.  (op)

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