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250 geladene Gäste waren zu der Veranstaltung ins Puchheimer Kulturzentrum PUC gekommen.

Beim Bürgerempfang

Puchheimer für herausragendes Engagement geehrt

Sieben Puchheimer werden beim Bürgerempfang mit der Bürgermedaille in Silber ausgezeichnet.

Puchheim – Schon die alten Griechen pflegten einen langen Streit darüber, was den glücklichen Menschen ausmacht. Ist es derjenige, der sich um Familie und eigenen Garten sorgt und sich von den verderblichen öffentlichen Angelegenheiten fernhält? Oder ist der Mensch ein Gemeinschaftswesen, das eben nur mit den und für die vielen anderen ganz Mensch ist? Beim Bürgerempfang der Stadt für über 250 geladene Gäste wurde diese Frage ziemlich eindeutig beantwortet. Sieben Puchheimer, die zwar auch den eigenen Garten schätzen, sich aber vor allem über viele Jahre ehrenamtlich engagiert haben, wurden mit der Bürgermedaille in Silber ausgezeichnet. Eine goldene gibt es nicht, mehr zählt nur noch die Ehrenbürgerschaft.

Der in Puchheim-Ort lebende Altphilologe Friedrich Maier, emeritierter Professor für die Didaktik der alten Sprachen an der Berliner Humboldt-Universität, hatte in seinem einleitenden Festvortrag zwei klassische griechische Denker-Schulen bemüht, die seiner Meinung nach auch zwei Jahrtausende später nichts an Aktualität verloren haben. Hier der Garten-Philosoph Epikur, der das kleine Glück im Verborgenen predigte, das Programm eines apolitischen Lebens. Dort das quasi kosmopolitische Gegenmodell der Stoa: Der Mensch ist nicht für sich allein geschaffen, er ist Bürger seiner Stadt, seines Staates, der ganzen Welt. Übersetzt ins Heute: Abschottung, Besitzstandswahrung und Eigensucht im Jetzt gegen den weltoffenen Dienst für Arme, Fremde, die Umwelt, die Zukunft.

Ausgezeichnete zeigt sich ganz bescheiden

Dem letzteren Ideal dürften alle Geehrten gerecht geworden sein. Etwa Roswitha Schneider, über 30 Jahre in der evangelischen Kirche aktiv und dabei immer noch so bescheiden, dass sie lange überlegte, ob sie die Auszeichnung überhaupt annehmen sollte. Sie gab den Dank der Stadt gleich weiter: „Es ist wunderbar, mit Ihnen zu arbeiten.“ Ihr katholischer Kollege vom Puchheimer Podium, der ökumenischen Erwachsenenbildung, betonte, dass ihm sein Engagement auch Spaß mache. Auch Ludger Wahlers bedankte sich aber bei den Puchheimern: „Wir sind hier zuhause und dabei habt ihr alle einen großen Anteil.“

Ob sie Bürgermedaillen sammele, fragte Rathaus-Chef Norbert Seidl die langjährige Vorsitzende des Kulturvereins, Elke Paulus. Sie hatte eine entsprechende Auszeichnung schon in ihrer früheren Heimatstadt Pforzheim erhalten, sicherte aber zu, sich nicht mehr anderswo um eine dritte Medaille zu bewerben. Bei ihrem Mann Manfred, unermüdlicher Gründer und Motor des Deutsch-Finnischen Clubs, klingelte kurz vor der Ehrung das Handy. Ob tatsächlich Freunde aus der Partnerstadt Salo gratulieren wollten, wie Seidl vermutete, blieb aber ungeklärt.

Bauern-Obmann erhält ebenfalls eine Auszeichnung

Einziger Nicht-Rentner unter den Geehrten war Kreis-Bauern-Obmann Georg Huber. Er dankte seiner Frau, die ihm Möglichkeit und Zeit gebe, „im Landkreis rumzufahren und gscheit zu reden“. Von Seidl auf das Image der Landwirtschaft angesprochen, meinte er: „Wir sind ein stolzer Berufsstand und das zu Recht.“ Aber perfekt sei ja niemand, „nicht mal unser Bürgermeister“.

Außerdem geehrt: Hubers Berufskollege Peter Kaspar, ebenfalls aus der „Altstadt“ stammend und einer der ersten Bauern, die mit der Direktvermarktung begannen. Und schließlich Eckhard Schafferus, lange Jahre Vorsitzender des FC Puchheim und der Kreisgruppe des Landessportverbandes. Nur Delegieren habe nicht zu seinen Kernkompetenzen gehört, meinte seine Laudatorin.  

Olf Paschen

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