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Rund 80 besorgte Bürger kamen zur Stadtratssitzung. In der aktuellen Viertelstunde brachten sie die Geothermie zur Sprache – das dauerte länger als 15 Minuten.

Aus Angst vor Erdbeben

Bürger formieren sich gegen Geothermie

Es klingt wie ein Schildbürgerstreich, ist aber bitter ernst: In Puchheim formiert sich eine Bürgerinitiative gegen ein Projekt, das es noch gar nicht gibt. Nämlich die Geothermie. Die Stadt möchte diese Form der Energiegewinnung anwenden. Die Bürger haben Angst – Angst davor, dass die Bohrungen Erdbeben auslösen.

Puchheim – Der Protest gegen die Geothermie formiert sich. Rund 80 Bürger kamen am Dienstag zur Stadtratssitzung. In der aktuellen Viertelstunde trugen sie ihre Sorgen vor. Ihre Befürchtung: Das am Laurenzer Weg geplante Projekt könnte Schäden an ihren Häusern verursachen. Klaus Ebbrecht, mit Dirk Reimann Sprecher der besorgten Bürger, kündigte auf Nachfrage die Bildung einer Bürgerinitiative an. Dann sei ein Bürgerentscheid vorstellbar.

Im Rahmen der emotional, aber mit sachlichen Argumenten geführten Diskussion hatte Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) angeboten, das Thema auf einer eigenen Informationsveranstaltung zu vertiefen. Dem stehen Ebbrecht und seine Mitstreiter positiv gegenüber: „Alles, was einer aufgeschlossenen Diskussion dient, ist auf jeden Fall zu begrüßen.“ Es dürfe allerdings keine Alibi-Veranstaltung sein, die der reinen Beruhigung der Bevölkerung diene.

Die Bürgerbewegung habe sich im Lauf der vergangenen zwei Wochen gebildet. „Wir sind keine Protest- oder Wutbürger.“ Auf diese Feststellung legen Ebbrecht und Reimann großen Wert. Auch sehe man die Notwendigkeit ein, dass alternative Energiequellen bereitstehen müssten. Man bestehe aber auf Aufklärung, bevor mit den Bohrungen begonnen werde. Zudem sollte gesichert sein, wer für eventuell entstehende Schäden haftbar gemacht werden kann.

In der Stadtratssitzung vom September hatte Bürgermeister Seidl (SPD) erklärt, dass es ein Beweissicherungsverfahren geben werde. Bevor die Bohrungen für die Geothermie beginnen, soll der Zustand aller Gebäude in der Umgebung dokumentiert werden. Treten später Schäden auf, die im Zusammenhang mit den Bohrungen stehen, soll eine Entschädigung gezahlt werden.

Die Sprecher der Bürgerbewegung beziehen sich auf die Vorgänge im September in Poing (Kreis Ebersberg). Dort wurden nach wiederholt auftretenden Erdstößen die Bohrungen vorübergehend eingestellt. „Das Beben war im Umkreis von fünf Kilometern spürbar“, so Ebbrecht. Bei Bohrungen am Laurenzer Weg könnten auch Teile von Eichenau, Germering und Gröbenzell betroffen sein.

Puchheims Bürgermeister Seidl bezog sich auf Experten, auf deren Einschätzungen er sich verlassen müsse. „Danach sind die Bohrungen weitgehend risikofrei.“ Man müsse wohl auch beachten, dass die Bodenstruktur in Poing sich sehr von der in Puchheim unterscheide. Nach seiner Kenntnis sei dort kein Zusammenhang zwischen Geothermie-Bohrungen und Beben zu erkennen.

Seidl verwies zudem darauf, dass selbst ein Gutachten nicht automatisch eine Entschädigung nach sich ziehen müsse. Gleichzeitig wehrte er sich gegen Vorwürfe, die Angelegenheit zu verharmlosen. Die Stadt Puchheim hat mit der Firma Geysir Europe GmbH eine Fördergesellschaft gegründet. Einen Betreiber der Anlage gebe es aber noch nicht.

von Hans Kürzl

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