Nicola Mehner vom PuchheimerAsylhelferkreis

Informationsabend

Puchheimer wagen neue Wohn-Modelle

Einige Puchheimer gehen neue Wege, um dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum in der Region zu begegnen. Vor allem junge Menschen und Studenten profitieren davon – aber auch die Vermieter selbst.

Puchheim – Die Wohnungsnot ist in aller Munde, aber etwas ungewöhnlichere Wohnformen, die dem Mangel entgegenwirken könnten, führen immer noch ein Schattendasein. Der Puchheimer Asylhelferkreis und der Sachbereich Soziales der katholischen Pfarrei taten sich jetzt zusammen, um auf einem Informationsabend über einige solcher Experimente zu informieren.Vor allem das „Wohnen für Hilfe“ stieß offenbar auf Interesse, wie einige Gespräche beim anschließenden kalten Büffet zeigten.

Pro Quadratmeter eine Stunde Hilfe

Dass Studenten oder Azubis gegen kleine Dienste im Haus kostenlos wohnen können, ist als Modell im Landkreis noch relativ jung. Die Puchheimerin Veronika Linker praktiziert es mit Hilfe des Münchner Studentenwerkes allerdings schon seit 20 Jahren, seit einem Schlaganfall ihres Mannes, und kann es bis heute nur empfehlen. Ihre „Jungs“ – bisher hatte sie drei Untermieter – ließen schon mal eine Vorlesung sausen, wenn Not am Mann war, reisten mit auf Verwandtenbesuch in Norddeutschland und vermittelten einfach Sicherheit: „Es ist gut, dass man jemand in der Hinterhand hat, falls es Probleme gibt.“

Sorgen vor Dreck oder gar Lärm der jungen Leute seien unbegründet: „Die haben heute alle ihre Stöpsel.“ Bedingung allerdings ist, dass man im Wesentlichen noch auf eigenen Füßen steht. Pro Quadratmeter möbliertes Zimmer ist nur eine Stunde Hilfe im Monat vertraglich vereinbart. Dass daraus freiwillig mehr wird, ist aber durchaus erlaubt.

Eine andere, wenngleich wohl nicht für jedermann zu empfehlende Variante hat Kessy Wolf mit Erfolg probiert. Die inzwischen alleinstehende Puchheimerin vermietet aus finanziellen Gründen gleich an mehrere junge Leute gleichzeitig – zur Zeit ein Amerikaner, ein Syrer und „a Schwob“ – und ist auf diese Weise nicht mehr alleinstehend.

In ihrer Wohngemeinschaft sieht sie sich in erster Linie als „Freundin“, weniger als Vermieterin, und gelegentlich sogar als Mama ihrer „neuen Kinder“. Auch sie hat in mittlerweile 15 Jahren keine schlechten Erfahrungen gemacht, die einzige Ausnahme saß nach drei Tagen wieder vor der Tür. Ob man besonderen Mut für eine solche Konstellation braucht, wie Moderator Ludger Wahles von der Kirche meinte, sei dahingestellt. Aufgeschlossenheit und Neugier brauche es aber wohl schon.

Das Eingangsreferat hatte Bürgermeister Norbert Seidl gehalten. Er verwies auch auf die Schwierigkeiten, neue Flächen für den Wohnungsbau zu schaffen. Wer noch nicht in Puchheim lebe, könne hier nicht wählen und mitreden. Und wer hier schon ist, „braucht keine neue Wohnung und auch keine neuen Nachbarn“.

An dem Abend im Pfarrsaal informierte außerdem Nicola Mehner über die Bemühungen des Asylhelferkreises, den anerkannten Flüchtlingen in Puchheim zu einer Wohnung zu verhelfen. Sogar ein zwölfstündiger Lehrgang zur „Mieterqualifikation“ ist im Angebot. Dort lernt man beispielsweise, was ein „ZKB“ ist, nämlich ein Zimmer mit Küche und Bad, oder eine „Schufa“ (Auskunft über Zahlungsbereitschaft beziehungsweise Kreditwürdigkeit). Auch ganz normale Probleme des Alltags werden besprochen, etwa woran man Kunststoff für die Mülltrennung erkennt. 

Olf Paschen

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