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Bürgermeister Norbert Seidl verabschiedete Sozialamtsleiter Klaus Winter.

Klaus Winter verabschiedet sich

Sozialamtsleiter sagt nach 28 Jahren Servus

Schulen, Krippen, Obdachlose: Klaus Winter kümmerte sich 28 Jahre lang um die sozialen Angelegenheiten in Puchheim. Nun wurde der Sozialamtsleiter in den Ruhestand verabschiedet.

Puchheim – Worauf er stolz ist nach 28 Jahren? Da falle ihm eigentlich nichts Besonderes ein, antwortet Klaus Winter. Aber dass in Puchheim während seiner Amtszeit „in einigen Bereichen“ mehr geschehen sei als in den 1050 Jahren seit der Ersterwähnung der Ortschaft im zehnten Jahrhundert, lässt er doch ins Gespräch einfließen. Die Stadträte sahen das wohl ähnlich, als sie ihren scheidenden Sozialamtsleiter jüngst verabschiedeten. Es gab (nicht mehr ganz) heiße Pizza, warme Dankesworte vom Bürgermeister und lang anhaltenden Applaus.

Selbst manche Eltern von den Kindern, die zuletzt zu seinem umfangreichen Aufgabengebiet gehörten, waren noch nicht auf der Welt, als der gebürtige Wuppertaler, dem sein Akzent nie verloren ging, bei der Stadt anfing. Der gelernte Elektriker wollte eigentlich Sport studieren, was aber die anfälligen Kniegelenke verhinderten. Sozialpädagogik war schließlich die Alternative.

Mit diesem Foto bewarb sich Klaus Winter bei der damals noch Gemeinde.

Den Landkreis lernte er vier Jahre lang als Sozialarbeiter im Gröbenzeller Jugendzentrum kennen, nach einem Intermezzo in Pullach in gleicher Funktion kam er ans Puchheimer Jugendzentrum. „Schon damals“, wie Winter sagt, „war das Haus mit seinem Konzept, der großzügigen Ausstattung und der Personalstärke eine bayernweit anerkannte Vorzeige-Einrichtung.“ Vom Jugendzentrum aus war und ist es jedenfalls nicht weit ins Rathaus, wo der Leiter des damaligen Amtes für Jugend, Senioren, Soziales und Sport aufhörte. 1990 bekam der neue Mann die Stelle.

Der Sozialamtsleiter scheute sich auch nicht davor, selbst mitanzupacken.

Seither sind aus sieben Kindertageseinrichtungen in Puchheim 18 geworden, aus 400 Plätzen weit über 1000 – und ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen. Eher ein Phänomen der letzten zehn Jahre ist die steigende Wohnungsnot und als Ergebnis die wachsende Zahl von Obdachlosen, gerade in Puchheim. Auch für die ist das Sozialamt erster Ansprechpartner. Außerdem kümmert es sich um Renten und Grundsicherung sowie um die vier städtischen Schulen.

In seiner Anfangszeit war der Beifall für den Amtsleiter seltener oder wenigstens geteilt. Winter erinnert an Streitthemen wie die Krippen oder die Schulsozialarbeit, beides heute selbstverständlich, aber vor noch nicht langer Zeit heiß umkämpft oder „ideologisch besetzt“, wie er es ausdrückt. Aber der Sozialarbeiter hatte immer die Rückendeckung seiner SPD-Bürgermeister und vielleicht half auch, dass er eine Weiterbildung nicht nur zum Verwaltungsfachangestellten, sondern auch zum Betriebswirt (für Non-Profit-Organisationen) absolviert hatte – also quasi ein Sozialpädagoge war, der nicht nur die Hand aufhielt, sondern auch rechnen konnte.

Die finanziellen Grenzen sind in Puchheim freilich weit gesteckt. Ein Projekt wie die „Soziale Stadt“, mit der die Hochhaus- und Migrantensiedlung Planie eben nicht sich selbst überlassen bleibt, kann sich nicht jede Kommune leisten.

Der weit jünger wirkende 64-Jährige will nun mehr reisen, weiter sporteln und die beiden Enkel „im Auge behalten“. Sein Job wird jetzt auf drei Nachfolger verteilt – zuständig für Kinder und Jugend, Antragswesen und Obdachlosigkeit sowie Integration und Inklusion. Dass es drei Leute braucht, um ihn zu ersetzen, will er aber so nicht stehen lassen. Die Arbeit sei einfach viel mehr geworden und er da eben reingewachsen. Er hatte ja auch 28 Jahre Zeit dazu.

von Olf Paschen

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