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Geister-Pension: Das Boardinghouse in Puchheim-Ort ist la ut Internet eine ziemliche Nobel-Herberge – tatsächlich sind weit und breit keine Gäste zu sehen. 

Ehemaliges Colonial

Rätsel um Geister-Pension in Puchheim-Ort

Anwohner sind verwundert und auch Autofahrern, die regelmäßig am ehemaligen Colonial in Puchheim-Ort vorbeifahren, kommt das komisch vor: Eigentlich hätte an der Alten Bergstraße längst eine schicke Pension Gäste beherbergen sollen. Doch die gibt es nur im Internet.

Puchheim-Ort – Schmuck sieht sie auf der Internet-Seite aus, die neue Pension in Puchheim-Ort. Fassaden wie neu gestrichen, eine einladende Sitzecke vor dem Eingang, offenbar frisch renovierte Zimmer und eine blitzblanke, großzügige Küche. Es gibt WLAN im Haus und Satellitenfernsehen mit 300 Programmen. Die Preise sind moderat, und die Gäste scheinen begeistert: „Wir haben uns sehr wohl gefühlt und kommen gerne wieder,“ schreibt eine Mira. Ein Alexander hielt die Unterkunft für „goldrichtig ausgewählt“.

Altes Colonial: Schutthaufen vor der Veranda

Nur einen Mangel hat die Super-Herberge: Es gibt sie offenbar noch gar nicht. Wer an einem Wochentag an der Alten Bergstraße vor dem Gebäude steht, sieht zwar keine Autos auf dem Parkplatz, aber einen Schutthaufen auf der Veranda. Ein Blick durchs Fenster zeigt ein Bett mit noch eingepackter Matratze. Auf drei Briefkästen stehen Privatnamen, daneben auch die Adressen einer „Invest GmbH“, einer „Betreiber GmbH“ und einer Pension – sämtlich unter dem selben Firmennamen. Auf der rückseitigen Fassade steht noch in großen Lettern der Name „Colonial“. Immerhin verrät ein Schild, dass die ehemalige Gaststätte zu einem Boardinghouse umgebaut werden soll. Heute scheint allerdings Ruhetag für die Arbeiter zu sein. Niemand ist da, von dem Näheres zu erfahren wäre.

Altes Colonial: Im Besitz eines Immo-Fonds

Leider liefen auch telefonische Anfragen des Tagblatts bei der Betreiberfirma ins Leere. So gibt es nur wenige Fakten, an die man sich halten kann. Schon vor über zwei Jahren wurde ein Antrag für den Umbau des leer stehenden Gebäudes gestellt, das dem Vernehmen nach einem Immobilienfonds gehört. An dieser Stelle stand einst die obere Mühle, später wurden hier Likör und Gardinenleisten hergestellt, zuletzt wurden Gäste bewirtet. Der Bauausschuss des Puchheimer Stadtrats stimmte der Nutzungsänderung mehrheitlich zu, wenngleich Bedenken wegen der neuen – inzwischen entstandenen – Fluchttreppe geäußert wurden, die praktisch direkt neben der Augsburger Straße liegt.

Ob für die zunächst geplanten 112 Betten tatsächlich 24 Stellplätze genügen könnten und ob die überhaupt zur Verfügung stünden, sollte nach dem Willen des Ausschusses das Landratsamt prüfen. Die Kreisbehörde hielt die Zahl der Parkplätze dann tatsächlich nicht für ausreichend. Schließlich wurden nach einem zweiten Antrag Ende 2018 insgesamt 82 Betten genehmigt. Für die reichen nach einem festgesetzten Schlüssel für Beherbergungsbetriebe 15 Stellplätze.

Wenn die Pension auch noch nicht fertig ist – Übernachtungsgäste könnte es schon gegeben haben. Eine Nachbarin vermutet, dass die an der Baustelle beschäftigten Arbeiter gleich dort schon Probe geschlafen haben. Zumindest brenne hin und wieder die ganze Nacht das Licht. Nach ihren Beobachtungen ist immer wieder, aber eben auch nicht immer, Betrieb auf der Baustelle. Elektriker waren demnach mehrfach da. Der Innenausbau scheint abgeschlossen und vor Weihnachten schien eine Eröffnung nahe bevor zu stehen, denn die Fenster wurden geputzt. Seitdem scheint es wieder stiller geworden zu sein an der Alten Bergstraße. „Wir können uns auch nur wundern“, sagt die Anwohnerin.

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