Das Rathaus in Puchheim.

Puchheim

Rathaus-Verwaltung wird „Schluderei“ vorgeworfen

 Im Stadtrat gab es einen Vorgeschmack auf den Kommunalwahlkampf.

Puchheim – Angesichts mehrerer Rügen des städtischen Rechnungsprüfungsausschusses an einem lange zurückliegenden Jahresabschluss sprach Erich Pürkner (CSU) von „Schluderei“ der Verwaltung und warf die Frage in den Raum, ob man den Verantwortlichen, also Bürgermeister Norbert Seidl (SPD), überhaupt entlasten sollte. Rathaus-Geschäftsleiter Jens Tönjes nahm daraufhin seine Mitarbeiter vehement in Schutz. Er verbitte sich solche Anwürfe, auch vom „sehr verehrten Herrn Altbürgermeister“. Schluderei impliziere nämlich, dass den Rathaus-Beschäftigten egal sei, was mit öffentlichem Geld geschehe.

Einige Hinweise für eine solche Vermutung gab es allerdings in der Tat. Der Ausschuss hatte bei seiner offenbar akribischen Prüfung vor zwei Jahren Dutzende von Fehlern oder auch nur Unklarheiten aufgelistet, von denen der heutige Vorsitzende Wolfgang Wuschig (ubp) im Stadtrat einige aufführte. Etwa, dass beim Volksfest hundert Biermarken mehr eingelöst als ausgegeben wurden. Wobei überhaupt schon jede achte konsumierte Mass von der Stadt spendiert wurde – ein „unverhältnismäßiger Anteil“. Oder dass für die Wiederherstellung eines Gehwegs, der im Laufe eines privaten Bauvorhabens beschädigt wurde, mündlich eine städtische Kostenübernahme von 28 000 Euro zugesichert – und gewährt – wurde. Zum Teil unbefriedigend oder sogar ärgerlich seien aber auch die Auslassungen der Verwaltung zu den Mängelrügen gewesen.

Kotau der Verwaltung erwartet

Wuschig wollte allerdings ausdrücklich nicht so weit gehen wie Pürkner. Der hatte nach dem Bericht eigentlich einen Kotau der Verwaltung erwartet und sich gewundert, was sich der Ausschuss an Antworten gefallen lasse. Man sei ja auch im Gespräch mit dem Kämmerer, meinte hingegen Wuschig und baue auf Lernfähigkeit. Auf den Tisch hauen werde man, wenn sich auch in Zukunft nichts ändere.

Das allerdings konnten die Vertreter der Verwaltung nicht versprechen. „Ja, wir machen Fehler und die wird es weiter geben“, sagte Kämmerer Harald Heitmeir. Bei bis zu 40 000 einzelnen Buchungen jährlich könne er aber auch nicht versprechen, dass der Ausschuss in Zukunft nicht mehr fündig werde. „Soviel im Argen kann nicht liegen“, meinte Geschäftsleiter Tönjes im Hinblick auf die offizielle Prüfung der städtischen Finanzwirtschaft durch den Kommunalen Prüfungsverband. Dieser habe Unstimmigkeiten im Promille-Bereich entdeckt. In der Tat nicht hinreichend ausgeprägt sei die Fehlerkultur, die Bereitschaft, Kritik anzunehmen.

Bürgermeister Seidl als Chef der Verwaltung konnte erst nach seiner – schließlich mit großer Mehrheit beschlossenen – Entlastung das Wort ergreifen. Er als perfektionistischer Mensch nehme die Kritikpunkte sehr ernst: „Mich nerven Fehler am meisten.“ Allerdings gelte immer auch der alte Satz vom Fehlerlosen, der den ersten Stein werfen möge.  op

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