+
Oft sind die Helfer der Motorradstaffel als erstes am Unfallort, berichtet Vize-Leiter Christian Haberkorn.  

Motorradstaffel der Johanniter

Retter auf zwei Rädern

Das Frühjahr naht mit großen Schritten – und damit auch die Saison für die Motorradfahrer. Das ist die Zeit, in der auch die Motorradstaffel der Johanniter Oberbayern sich wieder auf ihre Maschinen schwingt, um bei Staus und Unfällen schnell Hilfe zu leisten.

PuchheimChristian Haberkorn (32), stellvertretender Leiter der Staffel mit Sitz in Puchheim, ist selbst begeisterter Motorradfahrer. Das muss man auch sein, wenn man bei den Helfern mitmachen will. „Unsere Mitglieder sind nicht nur erfahrene Sanitäter oder Ärzte, sondern haben auch seit mindestens zwei Jahren den Führerschein und ein eigenes Motorrad“, sagt Haberkorn. Denn im Notfall muss es schnell gehen, und da sollten die Helfer natürlich nicht selbst in einen Unfall verwickelt werden.

Neun Mitglieder im Alter von Mitte 20 bis Mitte 50 und zwei Motorräder hat die Staffel, die es seit 2014 in Puchheim gibt. Das Einsatzgebiet ist groß. Von Peißenberg im Süden erstreckt es sich bis Ingolstadt im Norden und umfasst satte zwölf Landkreise. Da müssen die Routen natürlich gut geplant werden – zumal die Helfer rein ehrenamtlich unterwegs sind. „Wir wollen möglichst von freitags bis sonntags auf den Straßen sein“, erklärt Haberkorn.

Acht bis zwölf Stunden sind die Helfer dann als Duo unterwegs. Die Aufgaben sind so vielfältig, wie das Einsatzgebiet groß ist: Sie sind oft die ersten Helfer bei Unfällen, schauen zum Beispiel bei Marathon-Veranstaltungen nach dem Rechten, werden als Lotsenfahrzeuge im Katastrophenschutz eingesetzt oder versorgen Menschen in Staus bei kleinen Wehwehchen. „Wir helfen sogar manchmal beim Reifenwechsel“, sagt Haberkorn.

Dabei sind die Mitglieder der Staffel vor allem während der Ferienzeit auf den Hauptrouten unterwegs. „Während andere Staus aus dem Weg fahren wollen, suchen wir ihn quasi“, berichtet Christian Haberkorn. Bei der Routenplanung helfen demnach auch Staumeldungen im Radio oder entsprechende Apps für das Smartphone. Aber auch auf bekannten Motorradstrecken sind die motorisierten Helfer unterwegs und kümmern sich um Unfallopfer (siehe Kasten).

„Die gängigsten Strecken sind die A 9, die A 99 und die A 8, aber auch die A 96 und die A 95“, sagt Haberkorn. Dazu kommen klassische Motorradstrecken wie der Kesselberg und die Strecken zu den Fernpässen. Auch Baustellen haben die Helfer auf dem Radar, denn in denen haben sie einen entscheidenden Vorteil: „Oft ist es da so eng, dass keine Rettungsgasse gebildet werden kann.“

Während Rettungsautos oft auf Umwegen zum Einsatzort müssen, können sich die Motorrad-Helfer zwischen den Autos durchschlängeln. Um im Notfall schnell helfen zu können, sind die Motorräder in ihren Seitentaschen umfangreich ausgestattet. „Wir führen natürlich Verbandsmaterial mit, aber auch einen Beatmungsbeutel, Infusionen, Blutdruck- und Blutzuckermessgeräte sowie einen Defibrillator“, sagt Haberkorn. Sogar ein kleiner Plastikrasierer findet sich bei den Utensilien. „Den brauchen wir, wenn wir den Defi auf einer behaarten Brust einsetzen müssen.“

Ein Einsatz, an den sich Haberkorn gerne zurückerinnert, war der Berlin-Marathon, für den er extra in die Bundeshauptstadt gefahren ist. „Es ist schon was Besonderes, wenn man bei so einem Ereignis dabei sein kann.“ Ansonsten sind es eher die kleinen Dinge, die ihm im Gedächtnis blieben. „Zum Beispiel die Dankbarkeit der Menschen, wenn man ihnen bei Bagatellunfällen zur Seite steht – das ist einfach schön.“

Sieben Tipps zur ersten Hilfe: 

Von der Motorradstaffel der Johanniter Oberbayern sind diese sieben Tipps zur Ersten Hilfe bei Motorrad-Unfällen:

1. Notruf 112 absetzen. 

2. Auch zur eigenen Sicherheit immer erst den Unfallort absichern und eine Warnweste anziehen. 

3. Ruhig bleiben und den Personen signalisieren, dass man da ist und weitere Hilfe kommt. 

4. Wenn ein Motorradfahrer bewusstlos ist: Helm abnehmen. 

5. Bewusstlose Person in die stabile Seitenlage bringen und fortwährend Atmung kontrollieren.

 6. Bei Atemstillstand eine Herzdruckmassage starten.

 7. Spritzende Wunden mit einem Druckverband versorgen, um die Blutung zu stoppen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Das Wiesn-Madl von 2016 im Ehe-Glück
Durch den Wettbewerb tz-Wiesn-Madl fanden sie zusammen - jetzt hat Giuliana, die Gewinnerin von 2016, ihren Tobias geheiratet. 
Das Wiesn-Madl von 2016 im Ehe-Glück
Baum stürzt auf fahrendes Auto
Das Unwetter am Freitagabend hat auch in der Region Fürstenfeldbruck zahlreiche Bäume zum Umstürzen gebracht. Bei Adelshofen fiel ein Stamm sogar auf ein fahrendes Auto.
Baum stürzt auf fahrendes Auto
CSU fordert abschließbare Fahrradboxen am Bahnhof
Nach Ansicht der CSU würden weit mehr Bürger der Gemeinde mit dem Fahrrad zur S-Bahn kommen, wenn es dort sicherer abgestellt werden könnte.
CSU fordert abschließbare Fahrradboxen am Bahnhof
Der Schweinehund-Bezwinger
Robert Schramm, 52, ist Extrem-Sportler. Unter anderem läuft er mit Anfang 50 die längsten Treppen der Welt nach oben. Wie er das macht? Reine Kopfsache. Über ein …
Der Schweinehund-Bezwinger

Kommentare