Norbert J. Seidl.

Puchheim

Scharfe Attacken auf Bürgermeister

Bei der Bürgerversammlung für den Stadtteil Puchheim-Bahnhof hatte Rathauschef Norbert Seidl (SPD) diesmal kein leichtes Spiel. Vier Monate vor der Kommunalwahl nahmen ihn die Bürger ordentlich in die Mangel.

Puchheim – So vielen Fragen, Anregungen und auch kritischen Äußerungen wie selten zuvor sah sich Puchheims Rathaus-Chef Norbert Seidl bei der Bürgerversammlung für den Stadtteil Bahnhof gegenüber. Vier Monate vor der Kommunalwahl meldeten sich auch Bürger zu Wort, die fehlende Transparenz und einen zu großzügigen Umgang mit Steuergeldern bemängelten. Selbst der anwesende Landrat Thomas Karmasin musste sich zweieinhalb Stunden gedulden, bevor er die einzige an ihn gerichtete Frage beantworten konnte.

Kritik an Fahrradstreifen

Ein großes Thema war wie immer der Verkehr, diesmal aber besonders aus Radlerperspektive. Für lächerlich hielt ein Redner den nur relativ kurzen markierten Fahrradstreifen in der Allinger Straße, eine konsequentere Ausweisung von Fahrradstraßen forderte ein anderer. „Wir arbeiten uns Stück für Stück vor,“ antwortete Seidl.

In seinem vorangegangenen Bericht hatte Seidl das Fahrrad zum auf Dauer sinnvollsten Verkehrsmittel in Puchheim erklärt. Den Beifall nach seiner Aussage, der allerdings eher schütter ausfiel, sah der Rathauschef dennoch als eine Bestätigung dafür an, auf dem richtigen Weg zu sein, auch wenn man dem Bürger gelegentlich etwas zumute.

Kein Schwimmbad

Puchheim habe kein Schwimmbad und kein Kino, aber laut Mietspiegel zurecht genauso teure Wohnungen wie Germering, beschwerte sich ein Bürger. Wie Kämmerer Harald Heitmeir erläuterte, sei die Erhebung auch nicht als Instrument zur Mietsenkung gedacht, sondern um Konflikte zu vermeiden. Der Bürgermeister sah wenig Möglichkeiten einer Kommune, das Marktversagen zu regulieren. Der eigene Wohnungsbau für Menschen aus gesellschaftlich wichtigen, aber mäßig bezahlten Berufen sei da nur ein „Klopfen an den heißen Stein“. Starkmachen will sich die Stadt aber für die Geschäfte am Alois-Harbeck-Platz, auf die besonders Ältere, Kranke oder Behinderte angewiesen sind. Während der Bauarbeiten werde man eine Lösung finden, glaubt Seidl.

Ein Teilnehmer rügte eine inhaltlich dürftige Broschüre: das Ortler Journal, in der aber der Bürgermeister fünf Mal im Bild sei. Ob tatsächlich alle Ausgaben der Stadt im Interesse der Bürger seien, fragte er. „Für wen sonst?“ entgegnete ein leicht gereizter Seidl: „Für uns persönlich bestimmt nicht.“

Schließlich hatte noch der Landrat Karmasin seinen Kurz-Auftritt: Trotz der Schadstoffe und rechtlicher Auseinandersetzungen mit einer (inzwischen gekündigten) Baufirma läuft der Abriss der alten Schulturnhalle. Die Traglufthalle als Interimslösung soll ab Februar benutzt werden können, die neue Halle wie angekündigt im Herbst 2021.

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