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In Puchheim

Schießstand für Großkaliber: Rettung ist gescheitert

Kurzzeitig sah es so aus, als könnten die Puchheimer Großkaliberschützen ihre Anlage im Sportzentrum selbst retten. Aus der vorgeschlagenen Lösung wurde aber nichts. Damit ist der 50-Meter-Schießstand Geschichte.

Puchheim – Der 50-Meter-Schießstand im Puchheimer Sportzentrum ist vom Tisch. Gegen die Stimmen von CSU und von Sportreferentin Marga Wiesner (SPD) hob der Stadtrat seinen eigenen Beschluss vom April vergangenen Jahres wieder auf und verzichtet auf eine Sanierung der Anlage, deren Kosten nach jüngster Schätzung 530 000 Euro betragen.

Zuletzt hatten noch die Hauptnutzer, die Puchheimer Großkaliberschützen (GKS), ein Modell vorgeschlagen, wonach sie als Alleinpächter aufgetreten wären und der Stadt dafür 20 000 Euro jährlich gezahlt hätten. Für diese Lösung war aber die Nachfrage anderer Vereine zu gering. Das finanzielle Risiko ist laut GKS deshalb unkalkulierbar.

Außerdem hätte es künftig zu Konflikten unter den Vereinen kommen können, wie Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) anmerkte. Denn schon die Schützengesellschaft Eintracht Puchheim hatte wegen der Nutzung des Schützen-Stüberls Bedenken gegen die Alleinpacht-Variante vorgebracht. Auch wenn das Vereinswesen für den Bürgermeister einen hohen Stellenwert habe – in diesem Falle würde zuviel Geld für zu wenige Sportler ausgegeben.

Andere Puchheimer Schützenvereine bräuchten den langen Schießstand nicht. Die Großkaliber-Schützen sollten aber wissen, dass sie von der Stadt nicht hängen gelassen würden und man über eine Förderung anderer Art reden könne: „Wir wollen den Sport nicht eliminieren“, sagt Seidl.

Die „große Tradition des Schießsports in Deutschland“ sei in der ganzen Debatte zu kurz gekommen, fand dagegen CSU-Sprecher Thomas Hofschuster. Gerade zur bayerischen Kultur gehörten auch die Großkaliber-Schützen. Puchheim hätte demnächst ein „Alleinstellungsmerkmal“ im Landkreis, wenn es den Schießstand behalten würde. Eine Sanierung sei sinnvoller, als den Schützen Geld zu geben, damit sie auswärts schießen können. Sportreferentin Wiesner wunderte sich, dass der GKS von anderen Vereinen im Regen stehen gelassen wurde: „Plötzlich will keiner mehr schießen.“ Günter Hoiß (CSU) fand es schade, dass ein Verein mit mehreren deutschen Meistern ausgebremst werde, „nur weil er in der Öffentlichkeit als gefährlich dargestellt wurde“.

Für die Gegner der Sanierung war der Waffenbesitz allerdings kein Argument. Eine Ausgabe von 530 000 Euro sei angesichts der Nutzerzahlen einfach unverhältnismäßig, meinte Manfred Sengl (Grüne). Solche Investitionen müssten interkommunal oder privat angegangen werden. Reinhold Koch (ubp) wies darauf hin, dass seine Fraktion von Anfang an gegen die Ertüchtigung des Schießstands war: „Wir müssen nicht umschwenken.“

Die Anlage hätte vor allem aus Gründen der Schadstoffbelastung beim Schießen saniert werden müssen. Das Landratsamt hatte zuletzt eine Schließung angedroht. Wie die Räumlichkeiten anders genutzt werden sollen, ist noch offen. (Olf Paschen)

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