Laura Stieberkümmert sich um ihre Mieter. Preise sindsozial gestaffeltSchnelle Hilfein Notfällen

Preis für soziales Engagement

Sie ist Puchheims vorbildlichste Vermieterin

Eine Immobiliengesellschaft, der in Puchheim wohl einige Dutzend Wohnungen gehören, erhält einen Preis der Stadt für ihr soziales Engagement. Das Familienunternehmen sticht in der Planie durch seine Fürsorge für dieMieter heraus.

Puchheim – In Zeiten von Wohnungsnot und horrenden Mieten war es auf den ersten Blick ein merkwürdiges Signal: Einer der Preise, die von der Stadt unter dem Namen „Puchheims Puls“ für besonderes Engagement vergeben werden, geht heuer an eine Immobiliengesellschaft. Aber die „Dr. Harbeck & Stieber GmbH & Co. KG“, der in Puchheim wohl einige Dutzend Wohnungen gehören, wurde von der Jury wegen ihrem sozialen Engagement und der Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung ausgezeichnet, wie es in der Begründung hieß.

Ist das Familienunternehmen denn so ein ungewöhnlicher Vermieter? „Inzwischen leider schon,“ wie Laura Stieber, geschäftsführende Gesellschafterin und Tochter des Gutsbesitzers Alois Harbeck, einräumt.

In Puchheim, wo die großen Immobiliengesellschaften nicht durch übermäßige Fürsorge für ihre Mieter in der Planie auffallen, sticht das Familienunternehmen in der Tat heraus. Der Bestand wird nicht nur verwaltet, sondern kontinuierlich in Stand gehalten und wo nötig saniert, ohne dass die Modernisierungskosten auf die Bewohner umgelegt werden. Verträge noch aus den 60er Jahren sind keine Seltenheit, Mieterhöhungen – die letzten sind laut Stieber schon ein paar Jahre her – sollen nur die steigenden Unterhaltskosten decken. In Härtefällen findet sich meist eine Lösung, kein langjähriger Bewohner soll ausziehen müssen. Zudem sind die Preise fürs Wohnen „sozial gestaffelt“. Wer mehr verdient, kann mehr zahlen. Und nicht alltäglich außerdem, dass sich die Eigentümer um ein „soziales Gefüge“ in ihren Mehrfamilienhäusern bemühen. Wenn möglich, sollen Alt und Jung, Besser- und Geringverdiener, Alleinstehende und Familien, Alteingesessene und Neubürger zusammenleben.

Nicht immer geht das konfliktfrei ab. Laura Stieber vermietet auch an anerkannte Asylbewerber, deren Zahl mittlerweile nicht mehr an zwei Händen abzuzählen sei. Flüchtlinge im Haus kommen bei manchen Bestandsmietern nicht so gut an, aber die Vorbehalte sind in der Regel nicht mit Argumenten belegt. Doch die 30-jährige Unternehmerin ist zuversichtlich: „Ich glaube, das spielt sich ein.“

Sie tritt für diese Art von Integration auch auf öffentlichen Veranstaltungen ein. Und der Dank der Stadt Puchheim ist ihr gewiss. Im Rathaus lobt man ihr Entgegenkommen, wenn für dringende Fälle ein Obdach gebraucht wird.

Außerdem beteiligt sich die Firma indirekt auch an einer künftigen, lebendigen Stadtmitte, etwa mit dem (aufwändigen, aber etwas langwierigen) Umbau eines alten Geschäfts zum Café am Grünen Markt. Für die Münchnerin eine Selbstverständlichkeit. Bei der Lage der Immobilien quasi mitten im Zentrum sei es nur natürlich, im Sinne der Stadtgestaltung zusammenzuarbeiten.

Eine Immobilienfirma, die „nicht nur Miete rauszieht“, nannte Bürgermeister Norbert Seidl bei seiner Würdigung der Preisträger das Unternehmen, das sich außerdem zum „Standort Puchheim“ bekenne. „Wir versuchen, das Feingefühl zu behalten,“ nennt es Laura Stieber: „Man will ja seine Arbeit so machen, dass man guten Gewissens heimgeht.“  (op)

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