Rosemarie Stahl wurde 81 Jahre alt. repro: os
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Rosemarie Stahl wurde 81 Jahre alt.

Nachruf

Sie war eine Pionierin der Kommunalpolitik

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Sie kannte Gott und die Welt, war überall geschätzt und gern gesehen. Für die Kommunalpolitik in Puchheim war Rosemarie Stahl ein Gewinn.

Puchheim – „Sie hat völlig unproblematisch alle Themen aufgegriffen, die man ihr angetragen hat“, erinnert sich der ehemalige Bürgermeister Herbert Kränzlein. Rosemarie Stahl war seine langjährige politische Weggefährtin, zuletzt seine zweite Stellvertreterin und somit in Puchheim die erste Frau in einem Bürgermeisteramt.

Den Kampf für die Gleichberechtigung von Frauen in der Familie, im Beruf und im öffentlichen Leben focht sie mit Leidenschaft. Geprägt von einer starken Mutter, die alleinerziehend drei Kinder großzog, wurde auch Rosi Stahl eine starke Frau. Geboren 1940 in Stuttgart, aufgewachsen in Schlesien und auf einem Einsiedlerhof im niederbayerischen Landkreis Dingolfing, absolvierte sie die Realschule.

Auf einem Fest lernte sie einen jungen Mann namens Hans Stahl kennen, der unbedingt Polizist werden und nach München gehen wollte. Beides schaffte er – fehlte nur noch seine Liebste. Doch fürs Zusammenleben brauchte man einen Trauschein.

Gern erzählte Rosi Stahl später von dem Telefonanruf, bei dem er ihr aufgeregt mitteilte: „Ich hab’ eine Wohnung, wir müssen heiraten.“ Den Antrag hätte sie sich schon etwas romantischer gewünscht. Eine glückliche Ehe wurde es trotzdem. In München arbeitete Rosi Stahl beim TÜV in der Verwaltung, bis der erste ihrer beiden Söhne zur Welt kam. Aus Aubing zog die junge Familie Anfang der 1970er-Jahre in ein Reihenhaus nach Puchheim und erfüllte sich damit den Traum vom eigenen Heim mit Garten. Hier würde Rosi Stahl noch viele glückliche Stunden verbringen und viel selbst gezogenes Gemüse ernten.

Vor allem aber trat sie am 1. Januar 1972 in die SPD ein und wurde schnell zu einer tragenden Säule des Ortsverbands. Sie bekleidete verschiedene Vorstandsämter, war 21 Jahre lang Gemeinderätin und sechs Jahre lang Dritte Bürgermeisterin. Als Referentin für Städtepartnerschaften pflegte sie die Beziehungen zu Puchheims ungarischen Partnergemeinden Nagykanizsa und Zalakaros und engagierte sich im Deutsch-Ungarischen Verein. Während ihrer zwölf Jahre im Kreistag setzte die begeisterte Tennisspielerin unter anderem als Schulreferentin Akzente.

Das Jahr 2011 brachte einen Schicksalsschlag, von dem die Trägerin der Bürgermedaille sich nie mehr wirklich erholte. Ihr immer gesunder, agiler Hans erkrankte an Krebs und war innerhalb von drei Monaten tot. Rosi Stahl war fürs Alleinsein nicht geschaffen – sie rutschte schnell in die Einsamkeit, verlor immer mehr ihre Fröhlichkeit und Lebensfreude.

Die letzten Jahre waren für die Großmutter eines Enkelsohns geprägt von Krankheit und zunehmender Pflegebedürftigkeit. Sie starb schließlich in einem Seniorenheim in München-Schwabing. Rosi Stahl wurde 81 Jahre alt.  

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