Ein Bündnis aus vielen verschiedenen Beteiligten hat sich zusammengefunden: Am Puchheimer Bahnhof zeigten sie symbolisch eine erneute Petition für mehr Barrierefreiheit auf der Strecke der S 4, die an den Landtag geht.
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Ein Bündnis aus vielen verschiedenen Beteiligten hat sich zusammengefunden: Am Puchheimer Bahnhof zeigten sie symbolisch eine erneute Petition für mehr Barrierefreiheit auf der Strecke der S 4, die an den Landtag geht.

Puchheim

Petition: Sie wollen die S 4 ohne Barrieren erreichen

Die Befürworter eines zweiten Außenbahnsteigs am Puchheimer Bahnhof haben Unterstützung bekommen. Ein Bündnis aus mehreren Organisationen, Parteien und Verbänden hat in einer Petition an den Landtag die uneingeschränkte Barrierefreiheit beim Zugang zur S 4 gefordert: von der Leienfelsstraße bis nach Eichenau.

Puchheim – Die Initiatoren beschränken sich mit ihrem Anliegen zwar nicht auf den Puchheimer Bahnhof, hatten aber doch nach dort zu einem Pressegespräch eingeladen. Denn schließlich entscheidet kommende Woche der Stadtrat, ob er die von Land und Bahn favorisierte Lösung – den Zugang zum Mittelbahnsteig über Rampen und Aufzüge – akzeptiert. Somit kommt es vielleicht doch zum vorgezogenen, barrierefreien Ausbau.

Die drei großen Fraktionen – CSU, Grüne und SPD – halten den von Behinderten und Senioren geforderten nördlichen Außenbahnsteig angesichts deutlicher Äußerungen aus dem Verkehrsministerium nämlich nur noch für Wunschdenken. Sie wollen die Pläne der Bahn schlucken. Die kleineren Gruppierungen – Freie Wähler, Unabhängige Bürger und FDP – fordern in einem Antrag hingegen, der Lösung nicht zuzustimmen, sondern sie lediglich zur Kenntnis zu nehmen.

Verkehrsforum Fürstenfeldbruck

Als Verkehrsforum Fürstenfeldbruck mische man sich ungern in Puchheimer Angelegenheiten, sagte dessen Sprecher Thomas Brückner am Bahnhof. Aber das Votum könne dazu beitragen, dass eine falsche Entscheidung für die nächsten 50 Jahre festgezurrt werde.

Die Petitenten führen eine Reihe von Gründen gegen die Mittelbahnsteige an, die nach dem Willen der Bahn vor einem viergleisigen Ausbau künftig den Nahverkehr abwickeln sollen, während die Fernzüge außen fahren. Die Plattformen seien nur umständlich zu erreichen – wenn überhaupt, wie häufige Aufzug-Ausfälle zeigten.

Technische und wirtschaftliche Gründe

Vom herkömmlichen Außenbahnsteig dagegen seien die Wege zu Bus oder Auto kurz, außerdem könnten die Bahnhofsvorbereiche – ausgestattet mit Kiosk oder Imbiss – aufgewertet werden. Schließlich sei ein Bahnhof auch ein „Entree“, ein Eingang zur Stadt. Und im anderen Fall rase eben ein Schnellzug an einer Lärmschutzwand vorbei.

Die Bahn begründet ihre Haltung mit technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Signale, Weichen und Gleis-Kreuzungen könnten eingespart werden. Brückner dagegen glaubt, dass der Fernverkehr trotzdem noch – vor den Bahnhöfen – verschwenkt werden muss: „Ich verstehe nicht, wie man so etwas planen kann. Schnellzüge mit Tempo 160 müssen Kurven fahren.“ Wichtig ist den Initiatoren aber vor allem der einfache Zugang zur S-Bahn. Man errichte eigentlich neue Barrieren, statt die UN-Behindertenrechtskonvention endlich umzusetzen, meinte Ingrid Koppen vom örtlichen Behindertenbeirat.

Ermüden die Eingaben?

Dass Eingaben zur S 4 den zuständigen Landtagsausschuss allmählich ermüden könnten, befürchten die Streiter für Außenbahnsteige nicht. Die letzte Petition, von den Puchheimer Fraktionen und Beiräten unterstützt und immerhin von über 3000 Menschen unterzeichnet, sei eine Bürger-Petition gewesen. Die neue, von „starken Verbänden“ mitgetragen, habe wohl mehr Gewicht. Rund drei Dutzend Verbände und Organisationen unterstützen diese, vom Landesverband des Bund Naturschutz über den AK Schienenverkehr des Münchner Forums bis zum Brucker Stadtjugendrat.

Während von der CSU keine Rückmeldung kam, zeigten sich wenige Tage vor der Wahl Bundestagsabgeordnete anderer Parteien (auch von SPD und Grünen) am Bahnhof solidarisch. Die Stadtratsvertreter von Grünen und SPD ließen sich hingegen vor Ort nicht blicken.

Die Gemengelage in der Stadt scheint klar. Puchheims Grünen-Fraktionschefin Gisella Gigliotti hatte den Initiatoren kürzlich in einem Netz-Beitrag Wunschdenken vorgehalten: „Wer nach neun Monaten intensiven Kampfes glaubt, dass er mehr erreicht, wenn er sofort wieder eine neue Petition mit gleichem Inhalt startet, verkennt die Realitäten.“ (op)

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