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Puchheim

Das sind die Pläne bei der Geothermie

Puchheim – Mit einer Einführung in die Geothermie überraschte Rathauschef Norbert Seidl bei der Bürgerversammlung in Puchheim-Bahnhof. Er interviewte einen Vertreter der Bohrfirma, die 2017 nahe der FFB 11 Erdwärme anzapfen will.

 „Intensive tektonische Beanspruchung“ und „Störungen im Malmkarst“ was in einem geologischen Gutachten nach kurz bevorstehenden Erdbeben klang, ist für die Tiefen-Bohrer nur ein Segen. Denn das Kalkgestein in über 2000 Meter Tiefe unter Puchheim – ein porös wirkender Brocken lag als Anschauungsobjekt im PUC aus – ist stark wasserdurchlässig und damit für die Förderung ergiebiger.

Stefan Hild von der Bohrfirma Exorka bemühte sich auch, eventuelle Sorgen vor plötzlichen Hebungen und Senkungen des Bodens zu zerstreuen. Die letzten solcher Vorkommnisse betrafen relativ flache Erdwärme-Bohrungen für einzelne Häuser. Im Münchner Umland, wo das Unternehmen hauptsächlich tätig ist, kam es bislang zu keinen derartigen Überraschungen. Die Bohrung selbst, ein Prozess von zwei bis drei Monaten Dauer, werde rund um die Uhr von Geologen überwacht. Wenn alles klappt, wird in etwa 2300 Meter Tiefe rund 80 Grad heißes Wasser gefunden und in einer Menge von 80 Litern pro Sekunde heraufgepumpt. Über einen Wärmetauscher wird die Energie zum nahen Blockheizkraftwerk geliefert und von da aus ins Fernwärmenetz eingespeist.

Für die Stromerzeugung ist das Wasser nicht heiß genug, im Sommer muss die Fördermenge wohl gedrosselt werden – solange die thermische Energie nicht anders genutzt werden kann. Der Exorka-Mann empfahl die Ansiedlung wärmehungriger Gärtnereibetriebe, Seidl denkt an einen Ausbau des Fernwärmenetzes in den Puchheimer Norden und vielleicht sogar bis nach Eichenau. In welchem Umfang sich die Stadt an einer künftigen, gemeinsamen Fördergesellschaft beteiligt, steht noch nicht fest.

Obwohl es auch einige Fragen zur Geothermie gab, galten die meisten Wortmeldungen doch Ereignissen auf der Erdoberfläche. Am längsten diskutiert wurde die (morgendliche) Verkehrssituation vor der Schule Süd, die nach Einschätzung zweier Mütter kurz vor Unterrichtsbeginn einem „Showdown“ gleicht. Wie und wie schnell gefahren werde, sei unglaublich, meinte eine der Betroffenen und forderte Abhilfe wie zum Beispiel, den Distelweg zur Spielstraße zu machen.

„Ich hab wirklich keine Lösung“, antwortete Seidl. Man kenne das Problem im Rathaus, habe aber keine verkehrsrechtliche Handhabe. Er könne nicht einfach ein Schild hinstellen und den Anwohnern eine Spielstraße verordnen. Ein markierter Schülerlotsen-Übergang sei rechtlich angeblich auch nicht möglich, beklagten die Mütter, obwohl es in ähnlicher Situation in Gröbenzell funktioniere. „Unsere Stadt hält sich an Recht und Gesetz“, bedauerte Seidl. „Dann sagen Sie das dem Kind, das demnächst angefahren wird“, ereiferte sich eine der Frauen.

Weitere Themen waren die Zukunft des Pflegeheims Haus Elisabeth (bisher wird erst ein Anbau diskutiert) und der barrierefreie Bahnhof (nach Kenntnis der Stadt durch den Beschluss zur zweiten S-Bahn-Stammstrecke nicht gefährdet).

Ungewöhnlich war die von zwei Bürgern vorgebrachte Kritik am neuen Mietspiegel. Im gesamten Puchheimer Norden, außer im winzigen Moorweg, finden sich demnach nur durchschnittliche Wohnlagen, für die entsprechend niedrigere Mieten angesetzt werden können. Der gesamte Süden, sogar der Ikarus-Park, gehört dagegen zur gehobenen Wohnlage.

Dieser erste Versuch eines Mietspiegels sei noch keine Punktlandung gewesen, räumte Seidl ein, aber durch diese unvollkommene Einstufung sei ja auch niemandem ein Schaden entstanden. Doch fand einer der beiden Kritiker: „Ich fühl‘ mich vernachlässigt.“ (op)

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