So sitzt man bequem im Klassenzimmer

Puchheim – Die neuen Stühle, Tische und Sideboards für die Grundschule am Gerner Platz haben nun doch den Segen der Stadträte gefunden. Im Ausschuss für städtische Bauten zeigten sich einige Redner beeindruckt von der durchdachten und plausiblen Entscheidungsfindung der mit der Bauleitung beauftragten Architekten.

 Noch in der letzten Ratssitzung war kritisiert worden, dass bei dem ersten Teil des Möblierungsauftrags (Tafeln und Schränke folgen noch) nicht der günstigste Anbieter zum Zug kam, sondern ein nach mancher Meinung undurchsichtiger Vergabemodus angewandt wurde.

Am Beispiel von vier verschiedenen Sitzmöbeln demonstrierten die Architekten dem Ausschuss jetzt, welche Kriterien für die Wertung angelegt wurden. Kann man auf einem Stuhl auch rückwärts sitzen, ist er leicht genug, um ihn zu tragen? Ist er steif oder federt er nach? Bietet er genug Sitzfläche und ist doch schmal genug, um in einem Stuhlkreis mit anderen Platz zu finden? Können auch kleine Kinder ihn tragen oder mittels eines Griffs in der Lehne wenigstens ziehen? Was ist mit Bruchsicherheit und Kratzfestigkeit des verwendeten Kunststoffs, ist der Stuhl leicht stapelbar? Sind die Fußleisten stabil, aber trotzdem verschiebbar? Und: Passen die Möbel zum alten Bestand, dienen aber auch dem pädagogischen Konzept der „Lernlandschaften“, das nicht länger auf das klassische Klassenzimmer setzt?

Solche gestalterischen und funktionalen Aspekte flossen mit je 25 Prozent genauso stark in die Wertung ein wie der Preis, weshalb eine Firma aus Herzogenaurach den Zuschlag bekam. Deren Angebot lag zwar mit gut 135 000 Euro für je 390 Stühle und Tische sowie 48 Beistell-Regale ein Drittel über dem des günstigsten Herstellers, aber noch unter dem Preis eines anderen Schulmöbel-Fabrikanten. Dessen noch teurere Sitzgelegenheit war der „Wunschstuhl“ der Schulleitung.

Die Entscheidung für das schlanke Modell mit Rücken-Griff könnte auch nicht mehr rückgängig gemacht werden, denn schon bei der Ausschreibung waren die Firmen auf den 50-25-25-Schlüssel hingewiesen worden. Ob der auch für das Rest-Mobiliar angewendet wird, ist noch offen. „Warum dürfen wir nicht über die Gewichtung reden, wenn wir zahlen?“ fragte Bürgermeister Norbert Seidl. Die Architekten bestätigten, dass auch andere Wertungen möglich sind, der Preis beispielsweise zu 70 Prozent berücksichtigt wird.

Der Terminplan für Um- und Neubau der Schule dürfte nach derzeitigem Stand eingehalten werden. Um Weihnachten herum kann der Erweiterungsbau bezogen werden, dann wird am Alt-Bestand weitergearbeitet. Auch der Kostenrahmen werde nicht gesprengt, versicherten die Architekten. Bei einem Gesamtbudget von 11,5 Millionen Euro sei der ja auch weit genug, fand Seidl. (Olf Paschen)

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