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Bei den Gedanken an Weihnachten in ihrer Kindheit beginnen die Augen von Stephanie Schlepphorst und Wendelin Rasenberger noch heute zu leuchten. Schließlich war das damals eine ganz besonders besinnliche und festliche Zeit.

Senioren erinnern sich

So haben wir früher Weihnachten gefeiert

Wie haben die Menschen früher Weihnachten gefeiert? An Weihnachtsrituale ihrer Kindheit erinnern sich zwei Puchheimer Senioren noch genau. Leckereien im Advent etwa waren tabu.

Puchheim„Heute ist Weihnachten sehr kommerziell, es geht nur noch um die Geschenke. Früher war der Advent eine Zeit des In-sich-gehens“, erzählt Stephanie Schlepphorst. Sie kommt ursprünglich aus dem Rheinland, lebt aber seit 42 Jahren in Puchheim. Auch Wendelin Rasenberger findet, dass der Zauber von Weihnachten heutzutage verloren gegangen ist. „Als Kind habe ich mich das ganze Jahr über auf den Heiligen Abend gefreut. Das war für mich der Höhepunkt des Jahres“, sagt er.

Geschenkt wurden damals eher praktische Dinge, wie eine Mütze oder neue Socken. Das Bild zeigt Stephanie Schlepphorst im Kreise ihrer Familie an Weihnachten 1930.

An viele Dinge, die heute ein unverzichtbarer Bestandteil der Weihnachtszeit sind, erinnern sich auch die beiden Senioren, zum Beispiel an den Christbaum. „Unser Baum wurde mit echten Kerzen, Kugeln und viel Lametta geschmückt“, so Stephanie Schlepphorst. Als es das Silberpapier in der Kriegszeit nicht mehr zu kaufen gab, musste sich die Familie anders behelfen. „Oft warfen die feindlichen Flugzeuge bei Fliegerangriffen kleine Papierfetzen ab, um den deutschen Radar zu stören. Das Papier war auf einer Seite silbern. Wir haben es gesammelt und an den Baum gehängt.“

Bei Familie Rasenberger im schlesischen Zabrze wurde der 24. Dezember immer sehr festlich begangen. Den ganzen Tag über waren Mutter, Tante und das Dienstmädchen in der Küche beschäftigt. Wendelin und seine vier Geschwister konnten es kaum erwarten, bis sie abends um sechs in die gute Stube geholt wurden. „Das gute Zimmer war in den Tagen davor abgesperrt gewesen. Nur die Mutter, das Christkind und die Engel durften es betreten“, erklärt der Senior.

Zum Abendessen gab es das traditionelle schlesische Weihnachtsessen: Karpfen mit Sauerkraut und einer speziellen Christkindltunke. Diese wurde aus Pastinaken und einem Soßenlebkuchen gefertigt. Danach versammelte sich die Familie vor der Krippe, las aus der Bibel vor und sang zusammen Weihnachtslieder. „Die Geschenke lagen derweil unverpackt unter dem Christbaum, und wehe, eines von uns Kindern hat während des Singens dort hingelurt. Bescherung war immer erst nach dem Beten“, sagt der zweifache Uropa.

Für Stephanie Schlepphorst ist Weihnachten auch heute noch ein sehr religiöses Fest. Früher feierte die ganze Familie den Heiligen Abend bei den Großeltern in Koblenz. Um Mitternacht gingen alle in die Christmette. „Mit einer Laterne sind wir durch den Schnee zur nahen Kirche gestapft. Das war für mich immer ein besonderes Ereignis. Es war der einzige Abend im Jahr, an dem ich so lange aufbleiben durfte“, erzählt sie.

Als Kind gab es für Stephanie in der Adventszeit keine Süßigkeiten. „Jedes Mal, wenn ich wieder auf etwas verzichtet hatte, wurde in die leere Krippe ein Strohhalm gelegt, damit das Christkind an Weihnachten schön weich liegt“, erklärt die 90-Jährige.

Das schönste Geschenk war jedes Jahr, wenn ihre Puppen mit neuen Kleidern unterm Baum saßen. „Ein paar Wochen vor Weihnachten hat sie mir meine Mutter weggenommen. Aus den Stoffresten meiner neuen Kleider hat sie dann heimlich Anziehsachen für die Puppen geschneidert“, erzählt sie. Oft erhielten die Kinder auch nur praktische Geschenke, zum Beispiel eine Mütze, neue Socken oder einen Koffer. Den Eltern konnte Stephanie außer selbst gebastelten Sachen nicht viel schenken, da sie kein Taschengeld bekam.

An Christkindlmärkte oder Adventskalender kann sich keiner der Senioren erinnern. Beides kam erst in späteren Jahren auf. Den Weihnachtstrubel heutzutage findet Stephanie Schlepphorst eher störend: „Früher verlief der Advent und der Heilige Abend besinnlicher, nicht so hektisch. Den tieferen Sinn der Weihnachtsfeiertage kennt heute leider kaum jemand mehr.“

von Katharina Wohlfart

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