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Stadt reagiert auf hohe Anzahl der Rücksteller

Schule lernen im Kindergarten

Puchheim - Wie bereits andere Kommunen im Landkreis will jetzt auch Puchheim einen Vorschulkindergarten einrichten. Damit reagiert die Stadt auf die hohe und ständig steigende Zahl von Schulrückstellern.

Als Schulrücksteller bezeichnet man die Kinder, die noch nicht reif genug für eine erste Klasse sind oder von ihren Eltern dafür gehalten werden. Jedes sechste Puchheimer Kind, insgesamt 44, gehörte vor Beginn dieses Schuljahres dazu. Der Sozialausschuss des Stadtrats empfahl jetzt nach einiger Diskussion zwei solcher Vorschul-Gruppen, die am Caritas-Kindergarten im Wohnpark Roggenstein angesiedelt werden sollen.

Das Thema wird schon seit einigen Jahren in Puchheim diskutiert und wurde zuletzt auch in einer großen Runde mit Kindertagesstätten, Schulen und Ämtern besprochen. Vor allem sprachliche Defizite, aber auch ein schwieriges sozial-emotionales Verhalten gelten als Haupthindernisgründe für eine reguläre Einschulung.

Eine Alternative zur Vorschule wäre die sogenannte schulvorbereitende Einrichtung in Germering, die aber nicht alle Puchheimer Rücksteller aufnehmen könnte und auch eine Art Außenstelle in Puchheim kritisch sieht. Eine andere Option sind Kombi-Klassen in der Grundschule, die sich für den Stoff von zwei Jahren drei Jahre Zeit lassen. Auch die Schulen wären allerdings mit einer hohen Zahl von Kindern mit besonderem Förderbedarf überfordert.

Bleibt noch die konventionelle Variante, das Kind ein Jahr länger im Kindergarten zu lassen. Aber auch dort fehlt es an ausreichend pädagogischem Personal für gezielte Betreuung. Der Kindergarten könne es nicht gleichzeitig leisten, unter Dreijährige noch auf die Toilette zu begleiten und über Sechsjährige auf die Schule vorzubereiten, meinte eine Rednerin im Sozialausschuss.

Ursprünglich sollte dem Gremium schon ein inhaltliches und personelles Konzept für den künftigen Vorschul-Kindergarten vorgelegt werden, die beiden eingeladenen Mitarbeiterinnen der Caritas fehlten allerdings krankheitsbedingt. „Wir haben doch gar nichts in der Hand“, warnte denn auch Gisella Gigliotti (Grüne) vor einer vorschnellen Festlegung auf ein Modell, bei dem wieder nur Kinder „separiert“ würden.

Dass die Schulleiterinnen wie die SPD-Kollegin Rosemarie Ehm mit allem einverstanden seien, was die Schule entlaste, wundere sie nicht. Ehm, die zuvor von einer „tollen Lösung für Puchheim“ gesprochen hatte, wies den Vorwurf zurück: „Ich lehne kein Kind ab. Ich will aber auch keines durch die Grundschule quälen.“

Wie Gigliotti hatte auch Michaela von Hagen (Freie Wähler) Probleme mit einer zu unkonkreten Beschlussvorlage. Ihre Sorge ist, dass pädagogisches Fachpersonal für einen Vorschulkindergarten schwer zu finden und zu halten ist. Wolfgang Wuschig (ubp) beklagte die Einrichtung einer weiteren „pädagogischen Werkstatt“. Eigentlich müsse man die Eltern zu einem anderen Umgang mit ihren Kindern erziehen.

von Olf Paschen

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