Karl-Heinz Türknerhört zu, spricht mit undmischt sich ein.

In Puchheim

Ein stiller Sitzungsbeobachter, der mitredet

Puchheim – Wenn auf jemanden im Puchheimer Stadtrat Verlass ist, dann auf einen Zuhörer. Bei praktisch jeder Sitzung ist ein älterer Herr mit grauem Schnauzbart dabei.

Meist macht sich Karl-Heinz Türkner Notizen. Oft ergreift der Dauergast bei den Sitzungen aber auch selbst das Wort in der Aktuellen Viertelstunde, wenn Bürger in den kommunalpolitischen Alltag eingreifen dürfen. Gelegentlich holt der Gast auch zu einem längeren Vortrag aus. Dann etwa wenn er einen Antrag begründet, den er kurz zuvor selbst bei der Stadt eingereicht hat. Denn Karl-Heinz Türkner ist der Vorsitzende des Seniorenbeirats. Er schätzt, dass seine regelmäßige Präsenz und der Kontakt mit Mandatsträgern die Arbeit für die Älteren nicht erschwert. Aber für die habe der Stadtrat ohnehin ein offenes Ohr.

Zumindest wenn nicht wieder die Kinder Priorität genießen. Denn bei den Investitionen der Stadt sieht Türkner schon „ein bisschen ein Ungleichgewicht“ zwischen Jugend und Alter. Aber Utopisches verlange die Seniorenvertretung ohnehin nicht, sagt der 71-jährige promovierte Elekrotechniker. Finanzierbar müssten die Wünsche halt sein und wennmöglich auch der Allgemeinheit dienen. Das jüngste Anliegen stieß bei den Verantwortlichen allerdings erstmal nur auf verhaltene Zustimmung: Eine „Puchheimer Insel“ sieht der Beirat als das wichtigste Projekt seiner laufenden vierjährigen Amtszeit. Hinter dem Arbeitstitel verbirgt sich eine zentrale Informations-, Beratungs- und Vermittlungsstelle für sämtliche sozialen Fragen. Die Idee solle bei der Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für die soziale Infrastruktur berücksichtigt werden, befanden die Politiker.

Türkner, auch Mitglied der bayerischen Landesseniorenvertretung, ist das öffentliche Gesicht eines Gremiums, das ohnehin nicht im Verborgenen arbeitet. Der Beirat mischt sich (gern auch zusammen mit den Behinderten-Vertretern) ein, wenn es etwa um den barrierefreien Bahnhofsumbau geht: Mehrmals jährlich wird zu Vorträgen eingeladen, beispielsweise zum Besseren Hören mit einem HNO-Arzt oder zum Schutz vor Betrug mit einem Polizeibeamten. Auch, dass auf drei eng beschriebenen Seiten die ersten 365 Tage im Amt für die Presse gewürdigt wurden, gehört zur publikumswirksamen Arbeit.

Immer noch etwas besonderes ist der Seniorenschreibtisch, dessen Autoren alle zwei Jahre, meist unter einem bestimmten Thema, Gedichte und Kurzgeschichten veröffentlichen. Und ein anderer beim Beirat angesiedelter Arbeitskreis ist der für Demenz. Auf dessen Initiative sind unter anderem zwei Angehörigen-Gruppen entstanden sowie ein Info-Blatt, das Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Familienmitglieder aufführt.

Insgesamt ist für sieben Mitglieder reichlich zu tun, weshalb auch Mitstreiter willkommen sind, die noch nicht das Rentenalter erreicht haben. Beispielsweise endlich ein IT-Experte. Bisher hat sich notgedrungen Türkner selber um die Homepage des Beirats gekümmert, derzeit ist sie nach einer Umstellung seitens des Providers vom Netz. „Das passiert eben, wenn Laien rumfummeln“, sagt der Vorsitzende. (op)

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