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Bilanz des Ordnungsamtes

Zehn Prozent der Strafzettel sind für die Katz‘

Die Zahl der Temposünder und Falschparker in Puchheim hat deutlich zugenommen. Die Stadt kann davon allerdings so gut wie nicht profitieren. Viele Verfahren müssen zudem eingestellt werden. Unter anderem wegen schlechter Fotos.

Puchheim – Jeweils rund zehn Prozent mehr Falschparker und zu eilige Fahrer im Vergleich zu 2016 hat die Puchheimer Verkehrsüberwachung im vergangenen Jahr zur Kasse gebeten. Wie ein Bericht des Ordnungsamtes zeigt, wurden genau 2403 Verwarnungen wegen Parkverstößen ausgesprochen, exakt einmal mehr wurden Tempoüberschreitungen festgestellt. Zum Geschäft für die Stadt sind die Kontrollen trotzdem nicht geworden. Einnahmen aus Strafzetteln und Ausgaben für die Überwacher halten sich praktisch die Waage.

Seit März vergangenen Jahres ist das beauftragte Unternehmen für die Parküberwachung 15 statt zuvor zehn Stunden pro Woche in Puchheim unterwegs. Dass sich die höhere Überwachungsdichte herumgesprochen hat, schließt man im Rathaus aus der drastisch gesunkenen Zahl von Parkzeitübertretungen. Diese machen mit knapp 700 aber immer noch den Großteil aller Beanstandungen aus. Hinter der abgelaufenen Parkscheibe folgten beanstandete Autos im eingeschränkten oder absoluten Halteverbot. Die höchsten Zuwächse, freilich auf weit niedrigerem Niveau, verzeichneten Parker gegen die Fahrtrichtung und auf Behindertenparkplätzen.

Schwerpunkt der Beanstandungen blieb mit großem Abstand die Einkaufsmeile Lochhauser Straße, auf Platz zwei rückte die Adenauerstraße mit dem höchsten Zuwachs von 40 Prozent. Fast zehn Prozent aller begonnenen Verfahren wurden übrigens wieder eingestellt. Teils waren die Knöllchen nicht an den Halter zustellbar, weitere Adress-Ermittlungen wären bei solchen Bagatellstrafen unverhältnismäßig. In anderen Fällen wurden die Verwarnungen nach einem Einspruch, etwa wegen der unpräzisen Beschilderung, wieder zurückgenommen. Für Rathaus-Hauptamtsleiter Jens Tönjes, der dem Stadtrat über die Bilanz berichtete, ein Zeichen dafür, dass keineswegs „gnadenlos abkassiert“ werde.

Eine noch größere Ausfallquote zeigt die Überwachung des fließenden Verkehrs: 15 Prozent aller Geschwindigkeitsüberschreitungen konnten wegen der mangelnden Bildqualität nicht weiter verfolgt werden. Spitzenreiter bei den tatsächlichen Verwarnungen war mit einigem Abstand die Lußstraße (739 Verstöße), auf Platz zwei lag die Lagerstraße auf Höhe des Russenfriedhofs vor der Kontrollstelle am PUC in der Allinger Straße. Bei der Beanstandungsquote lag aber der Bereich um den Grünen Markt mit über 46 Prozent einsam vorne. In dem verkehrsberuhigten Bereich hielten sich weder Busfahrer noch andere Verkehrsteilnehmer an das Schritttempo.

Bei Einnahmen und Ausgaben von jeweils über 54 000 Euro erwirtschaftete die Stadt bei der Geschwindigkeitsüberwachung einen Bruttogewinn von 16,45 Euro. Hätte er das geahnt, hätte er sich nicht blitzen lassen, scherzte Tönjes. Und in (mindestens) einem Fall hat sich die Stadt sogar quasi selbst abkassiert. Wie der Hauptamtsleiter genüsslich berichtete, kam Verwarnungspost sogar ins Rathaus: „Ein Mandatsträger“ war mit seinem Dienstwagen aufgefallen. Schließlich sah sich auch Verkehrsreferent Hans-Georg Stricker zu einer Wortmeldung aufgerufen: Sollte sein eigenes Auto auch im Sünderkatalog aufgetaucht sein, sei vermutlich seine „bessere Hälfte“ am Steuer gesessen. Bei 15 Prozent unbrauchbaren Fotos vielleicht keine allzu gewagte Behauptung.

Olf Paschen

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