Die mächtige alte Linde ist der Kettensäge zum Opfer gefallen. 

Fehlerhafte Pläne?

Streit nach Fällung von alter Linde

Baumfällung aus Profitgier oder Schlamperei bei der Planung? Diese Frage stellt sich, nachdem in Puchheim eine Jahrzehnte alte Linde gefällt worden ist. Die zuständige Baufirma reicht den Schwarzen Peter an die Stadt weiter.

Puchheim – An der Sandbergstraße im Puchheimer Norden war die Aufregung in der vergangenen Woche groß, als eine Gartenbaufirma auf dem alten Siedlergrundstück mit der Rodung begann. Ein Nachbar informierte das städtische Bauamt, ein Mitarbeiter der Verwaltung schritt ein, bevor die Gärtner Hand an die Linde legen konnten.

Am vergangenen Dienstag allerdings kam der Mann aus dem Rathaus zu spät. Ein Arbeiter mit einer Kettensäge hatte bereits kurzen Prozess gemacht. Dabei soll es auch zu einer Auseinandersetzung mit einem der Nachbarn gekommen sein, der wiederum die Baumfällung gefilmt hatte.

Im städtischen Bauamt war man empört und benachrichtigte das Landratsamt. Denn der Bauausschuss des Stadtrats hatte den Bauantrag für zwei Doppelhäuser auf dem 1400-Quadratmeter-Grundstück zwar schon im Dezember genehmigt, für die im Weg stehende Linde aber eine Schutzfrist gefordert. Erst sollte das Landratsamt als Bauaufsichts- und Untere Naturschutzbehörde prüfen, ob der Baum, eventuell mit einigen Schutzmaßnahmen, nicht doch stehen bleiben könnte. Zu einer Begutachtung durch die Kreisbehörde kam es bis zur Fällung nicht. Als in der vergangenen Woche mit der Auslichtung begonnen wurde, wies aber die Stadt das Bauunternehmen auf die ausstehende Entscheidung hin und untersagte vorläufig eine Fällung.

Der Chef des Brucker Unternehmens Forma Hausbau, ist sich dagegen sicher, im Recht zu sein. Er habe nach einer auf eigene Kosten in Auftrag gegebenen Vermessung das städtische Bauamt auf die fehlerhafte Planzeichnung hingewiesen. Der falsche Linden-Standort sei eine hinzunehmende Ungenauigkeit, soll die Antwort gelautet haben. Daraufhin gab ein konsultierter Anwalt dem Bauunternehmer grünes Licht: Als Bauherr müsse man sich auf die Exaktheit von Planunterlagen verlassen können. Die Fällung war beschlossene Sache.

Er hätte das Grundstück gar nicht gekauft und würde nicht 3,5 Millionen Euro investieren, wenn er gewusst hätte, dass die Linde dem hinteren Doppelhaus im Wege steht, sagt der Firmenchef heute. Und er verweist darauf, in Puchheim in den vergangenen 20 Jahren rund 50 Häuser gebaut zu haben – ohne jemals des Baumfrevels oder anderer Ordnungswidrigkeiten beschuldigt worden zu sein.

Gegen ein Ordnungsgeld würde der Unternehmer vor Gericht ziehen. Dann wären allerdings die Prozesskosten vermutlich weit höher als der Streitwert. Grundsätzlich sind Bußgelder zwischen fünf und 500 000 Euro möglich, je nach Bedeutung des Baums, Fahrlässigkeit oder Vorsatz, und auch nach den wirtschaftlichen Verhältnissen des Übeltäters. Mehr als 350 Euro Strafe hat das Landratsamt in vergleichbaren Fällen allerdings noch nie verhängt. (op) 

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