Streit um neues Bon-Konzept für Puchheimer Volksfest

Im Kulturausschuss des Stadtrats kam es zu einem für Puchheimer Verhältnisse ungewöhnlich heftigen Wortwechsel zwischen Rathaus-Chef Norbert Seidl (SPD) und der Inklusionsreferentin Gisela Gigliotti (Grüne). Streitpunkt war die so genannte Jubiläumsaktion „5x55x5“.

Puchheim– Diese soll je 55 Menschen aus fünf verschiedenen Zielgruppen mit einem Fünf-Euro-Bon den Volksfestbesuch erleichtern. Auch Puchheimer mit Behinderung sollen davon profitieren.

Seidl und sein Volksfest-Organisationsteam wollen, dass sich am zweiten Volksfest-Sonntag die Stadt mit ihren verschiedenen Aktivitäten, Einrichtungen und Projekten vorstellt. Und gerade an diesem bunten Tag sollten eben auch alle Puchheimer kommen können, die sonst dem Volksfest eher distanziert gegenüber stehen.

Beispielhaft wurden Bewohner der Planie, Tafel-Kunden, Obdachlose und Menschen, die vom Bürgerfonds unterstützt werden, sowie Asylbewerber genannt. 55 weitere Gutscheine sollen vornehmlich an Kinder verlost werden. Außerdem unter den Nutznießern: Behinderte mit einem Grad von mehr als 70 Prozent. Die könnten sich ihre Wertmarken im Sozialamt abholen.

„Was sie versuchen, dem Ausschuss zu verkaufen, hat mit Inklusion nichts zu tun,“ wetterte Gigliotti. Denn eine solche „Almosenverteilung“ bedeute keineswegs Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Ihre Fraktionskollegin Barbara Ponn sprach von einem „krampfhaften Konzeptversuch um die Fünf herum“ ohne die Betroffenen einzubeziehen. Weder die zuständigen Stadtrats-Referentinnen noch der Behinderten-Beirat seien im Vorfeld gehört worden.

Die Grünen wollen die im vergangenen Jahr angebotenen Hendl- und Biermarken für Behinderte auf dem Seniorennachmittag fortführen. Statt miese Stimmung wegen dieser geplanten „kleinen Geste“ zu verbreiten, hätten die Betroffenen ja auch mit ihm Kontakt aufnehmen können, keilte Seidl zurück.

Seine Vorstellung von Inklusion sei jedenfalls nicht, Behinderte unter die Senioren zu mischen, sondern sie an einem Tag teilnehmen zu lassen, an dem ganz Puchheim sich auf dem Volksfestplatz treffe. Behinderte, die am Leben teilhaben und arbeiten, hätten am Senioren-Montag eben auch keine Zeit, sekundierte Kämmerer Harald Heitmeir.

Die meisten anderen Redner sprachen von einer guten Idee, die im Detail aber noch verbesserungsfähig sei. So soll über die Ausgabe-Modalitäten für die Behinderten-Bons (im Sozialamt, am Festzelt-Eingang) noch nachgedacht werden. Schließlich wurde das Grobkonzept aber einstimmig gebilligt.  (op)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Das fast vergessene Gefangenenlager
Etwas über 100 Jahre ist es her, da entstand in Hattenhofen ein großes Lager für Kriegsgefangene des Ersten Weltkrieges. Mehr als 1000 Männer waren dort interniert, vor …
Das fast vergessene Gefangenenlager
Aaliyah Sophie aus Emmering
Stolz präsentiert Ziyad Hayat aus Emmering sein Töchterlein Aaliyah Sophie. Das Mäderl kam ein paar Tage vor dem errechneten Termin zur Welt. „Darum ist sie auch noch …
Aaliyah Sophie aus Emmering
Abriss von Turnhalle und Schwimmbecken
Die Abrissarbeiten an der Wittelsbacher Schule haben begonnen. Das Hausmeistergebäude ist schon dem Erdboden gleich gemacht. Jetzt ist die alte Turnhalle mit dem im …
Abriss von Turnhalle und Schwimmbecken
Schon wieder politisch motivierte Schmierereien in Gröbenzell
Schon wieder sind Schmierereien in Gröbenzell aufgetaucht. An einer Gemeindetafel wurde der Spruch „Lügenpresse? Nein Danke“ angebracht und auf die Adresse einer …
Schon wieder politisch motivierte Schmierereien in Gröbenzell

Kommentare